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Donnerstag, 02 September 2021 10:30

Kennzahlen als Informationsbasis für das Controlling

Die Kenntnis des eigenen Unternehmens ist eine zentrale Aufgabe des Unternehmers. Anhand geeigneter, im Unternehmen platzierter Kontrollmechanismen sollte dieser jederzeit feststellen können, wie es um sein Unternehmen steht.
Auch der Gesetzgeber hat es sich zur Aufgabe gemacht, die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit gesetzlich weiter zu verankern und die Pflichten des Unternehmers zur Sicherung des Fortbestands der Unternehmen zu erhöhen.

Bestandsgefährdende Entwicklungen

Seit dem 01.01.2021 wird von der Unternehmensleitung juristischer Personen explizit erwartet, dass diese fortlaufend über Entwicklungen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden können, wachen. Sollten ihnen solche Entwicklungen bekannt werden, so sind sie angehalten geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Daneben hat die Geschäftsleitung den Aufsichtsorganen, insbesondere der Gesellschafterversammlung, darüber Bericht zu erstatten. Diese Verpflichtung gilt ab dem 01.01.2021 für alle haftungsbeschränkten Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe. Damit greift die Verpflichtung auch für kleine GmbHs.

Controlling-Kennzahlen

Ein geeigneter Einstieg in das nunmehr auch gesetzlich geforderte Controlling ist über die Bildung geeigneter Kennzahlen möglich.

Das Wesen der Kennzahlen ist es, komplexe Sachverhalte in komprimierter, gut vergleichbarer Form aufzubereiten. Somit sind Kennzahlen die ideale Informationsbasis für das Controlling.

Einzelne Kategorien für Kennzahlen

Kennzahlen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen. So werden Finanzkennzahlen meist in folgenden Bereichen ermittelt:

  • Erfolg
  • Liquidität
  • Rentabilität
  • Vermögen

Absolute und relative Kennzahlen

Hierbei kann zudem noch zwischen absoluten Kennzahlen und relativen Kennzahlen unterscheiden werden. Absolute Kennzahlen sind Einzelwerte, Summen oder Durchschnittswerte (Bsp- Umsatz, Menge etc). Relative Kennzahlen entstehen, indem Einzelwerte, Summen oder Durchschnittswerte zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Grundsätzlich sind absolute Kennzahlen weniger aussagekräftig bzw. lediglich in Verbindung mit weiteren Informationen zu verwenden.

Nutzen von Kennzahlen

Kennzahlen dienen vor allem als Informationsgrundlage. Damit unterstützen sie das Management bei der Vorbereitung und Durchführung unternehmerischer Entscheidungen. Kennzahlen helfen dabei, die Veränderungen bestmöglich zu visualisieren und auszudrücken. Unabhängig von ihrem Verwendungszweck verfügen sie alle über drei Grundfunktionen.

  • eigene Entscheidungen zielorientiert zu optimieren,
  • den eigenen Erfolg zu dokumentieren und darzustellen sowie
  • bei drohendem Misserfolg rechtzeitig gegenzusteuern.

Neben dem persönlichen Nutzen geeigneter Kennzahlen für die eigene Betriebsführung definiert nunmehr das Gesetzt die Mindestanforderungen dahingehend, dass zumindest jederzeit ein Überblick über mögliche bestandsgefährdende Entwicklungen besteht.

Voraussetzungen für „gute“ Kennzahlen

Klar sollte hier sein, dass die Kennzahlen, gerade unterjährig, nur so gut und aussagekräftig sein können, wie es das zugrunde gelegte betriebliche Rechnungswesen ist. Es gilt hier der Grundsatz „garbage in, garbage out“, d.h.in freier Übersetzung: Wenn die Grundlage nicht stimmt, kann auch das Ergebnis nicht aussagekräftig sein. Dies kann u.a. dann der Fall sein, wenn im Bereich des Rechnungswesens unterjährig keine monatlichen Abgrenzungen vorgenommen werden (z.B. Bestandsveränderungen, unterjährige Verteilung von Einmaleffekten wie Weihnachtsgeld, Zahlung der gesamten Versicherungen für das Jahr einmalig).

Klassische Kennzahlen

Klassische Kennzahlen, aus der Bilanzanalyse sind beispielsweise:

  • Anlagendeckungsgrad = Anlagevermögen/Eigenkapital bzw. Eigen- und langfristiges Fremdkapital
  • Quick Ratio = Liquidität 2. Grades
  • Current Ratio = Liquidität 3. Grades
  • Eigenkapitalquote
  • Verschuldungsgrad
  • Gesamtkapitalrentabilität

Gerade zur Beurteilung der Überlebensfähigkeit sind zwei besondere Aspekte wichtig, um frühzeitig mögliche Krisensituationen zu erkennen:

  • Die Liquidität des Unternehmens und
  • die Unternehmens-Performance (möglichst im Zeitverlauf).

Aufbau eines Frühwarnsystems

Für Unternehmen stellt sich allerdings die Frage, wie ein Frühwarnsystem für Ihr Unternehmen aufgebaut sein muss, um möglichst frühzeitig Fehlentwicklungen identifizieren zu können. Die Kunst liegt hierbei nicht darin möglichst viele Kennzahlen abzubilden, sondern darin, die für das eigene Unternehmen entscheidenden Kennzahlen zu identifizieren. Ebenso wichtig ist es, diese Kennzahlen im Anschluss kontinuierlich zu beobachten. Nur so können Trends in der Entwicklung des Unternehmens aufgedeckt und Risiken für das Unternehmen frühzeitig entdeckt werden. So können Krisen abgewendet werden bevor es zu einer Bestandsgefährdung für das Unternehmen kommt.

Vordefinierte Kennzahlensysteme zur Krisenfrüherkennung

Aufgrund unterschiedlicher Untersuchungen möglicher Kennzahlen für die Krisenfrüherkennung auf Basis von Jahresabschlüssen haben sich nicht nur geeignete Kennzahlen herausgebildet, sondern auch bestimmte Korridore und Grenzen. Werden diese unterschritten, kann dies ein Indiz für eine solche, ggf. auch bestandsgefährdende Entwicklung sein.

Der grundsätzliche Gedanke hinter diesen Analysen ist, Kennzahlensysteme und Kennzahlen-Kombinationen zu finden, die eine möglichst hohe Prognosequalität aufweisen, die also krisen- bzw. insolvenzgefährdete Unternehmen von nicht gefährdeten, gesunden Unternehmen unterscheiden.

Beispielsweise hat Euler Hermes drei Kennzahlen definiert, anhand derer eine drohende Insolvenz prognostiziert werden kann.

Kennzahl Kritisch       Durchschnitt
Gesamtkapitalrentabilität    7,0% 10-14%
Eigenkapitalquote 20,6% 30,0%
Zinsdeckungsquote 0,8 3,0

 

Nach den Untersuchungen von Hauschild ist ein starkes Krisenindiz das Verhältnis von Liquidations- und außerordentlichen Erträgen zur Gesamtkapitalrentabilität. Ein Ansteigen dieser Kennzahl im Zeitablauf kann als Indikator einer sich anbahnenden Krise gewertet werden.

Bei der Multivariaten Diskriminanzanalyse (MDA) nach Baetge/Huß/Niehaus haben sich nach deren Analyse ebenfalls drei Kennzahlen herauskristallisiert, die mit entsprechender Gewichtung Berücksichtigung gefunden haben und eine Unterscheidung von solventen zu insolventen Unternehmen zulassen:

  • Wirtschaftliches Eigenkapital / (Gesamtkapital – Flüssige Mittel – Immobilien)
    Das wirtschaftliche Eigenkapital ist hierbei das um gewisse Positionen wie z.B. Gesellschafterdarlehen angepasste haftende Eigenkapital.
  • Cashflow I / Gesamtkapital
    Cashflow I ist das Betriebsergebnis zuzüglich Normalabschreibungen und Zuführungen zu Pensionsrückstellungen.
  • Cashflow II / Kurzfristiges Fremdkapital;
    Cashflow II ist die Differenz aus finanzwirtschaftlichen Erträgen und finanzwirtschaftlichen Aufwendungen, jeweils einschließlich außerordentlicher Erfolge.

Alle hier aufgeführten Kennzahlen haben den Vorteil, dass mit Ihnen die Informationen aus Bilanz und GuV weitestgehend ausgenutzt werden können und nicht störanfällig sind. Für eine Beurteilung der Lage des eigenen Unternehmens empfiehlt sich die Verwendung einer Beurteilungsskala mit Vergleichswerten, die auch branchenbezogen ermittelt werden können.

Nicht vergessen werden darf bei der Thematik der Krisenfrüherkennung allerdings der Blick nach vorne. Kennzahlen vergleichen bereits verwirklichte Tatbestände und können daher trotz allem lediglich ein Indiz für die künftige Entwicklung des Unternehmens darstellen.

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Autoreninfo

huka testKatharina Zapf

Steuerberaterin, Fachberaterin für Restrukturierung und Unternehmensplanung (DStV e.V.), Dipl.-Betriebswirtin (BA)

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