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Cornelius Nickert
Montag, 10 Mai 2021 13:05

Integrierte Planung

Die Unternehmensplanung ist in aller Munde. Das Institut der Wirtschaftsprüfer Deutschlands e.V. (IDW) ist sogar mit der Forderung vorgeprescht, eine gesetzliche Planungspflicht für Unternehmen zu verankern.

Seit dem 1.1.2021 gilt für alle haftungsbeschränkten juristischen Personen und Personengesellschaften, also insbesondere auch für die GmbH, AG, GmbH & Co. KG eine Verpflichtung, ein Frühwarnsystem vorzuhalten. Ein solches setzt eine bestehende Unternehmensplanung zwingend voraus. Es gibt also Gelegenheit und Anlass, sich mit der Unternehmensplanung wieder einmal zu befassen.

Begriffsbestimmungen

Im Augenblick ist die Planung noch nicht gesetzlich definiert. Aus der Ökonomie sind viele verschiedene Planungsarten bekannt. So wird im Rechnungswesen für Controllingzwecke oft eine Plan-Gewinn- und Verlustrechnung oder eine Plan-BWA erstellt. Meist umfasst diese lediglich das laufende Geschäftsjahr.

Ebenfalls nahe am Rechnungswesen ist die Liquiditätsplanung, die regelmäßig aus dem Rechnungswesen abgeleitet wird. Mit modernen Softwaretools lässt sich dies als „Abfallprodukt“ aus der Finanzbuchführung mit geringem Aufwand ableiten. Das setzt aber eine aktuelle Buchführung voraus. Der Zeitraum der Vorschau umfasst meist 4-12 Wochen.

Für Investitionsentscheidungen wird eine Rentabilitätsvorschau erstellt, um zu prüfen, ob sich das Vorhaben „lohnt“. Eine solche Rechnung umfasst meist die „Gebrauchsdauer“ des Investitionsguts.

Aber auch für strategische Zwecke wird eine strategische Planung erstellt, die sich eher auf qualitative Aspekte konzentriert und hieraus lediglich Zielvorgaben und Kennzahlen, dafür aber über einen deutlich längerfristigen Zeitraum erarbeitet, insbesondere einen Zeitraum, der erforderlich ist, um eine Strategieänderung einzuleiten und umzusetzen.

In der Kosten- und Leistungsrechnung, aber auch für die Unternehmenssteuerung, wird ein Budget erstellt. Das Budget ist eine Vorgabe für die zur Verfügung stehenden Ressourcen, mit denen ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist. Oft wird daran eine Forderung geknüpft, einen Genehmigungsprozess einzuleiten, sollte das Budget überschritten werden.

Unter der Finanzplanung wird manchmal die Liquiditätsplanung verstanden oder aber die Aufnahme und Rückführung von Eigen- und Fremdkapital unter Einbeziehung etwaiger Zinsen. Wir verstehen darunter letzteres. Die Finanzplanung zeigt damit auf, welche Mittel operativ erwirtschaftet werden müssen, um die Forderungen der Kapitalgeber bedienen zu können.

Die integrierte Unternehmensplanung betrachtet nicht nur einzelne Aspekte, wie z. B. Erfolg, Kapital oder Liquidität, sondern verbindet diese Aspekte in einer „integrierten“ Planung. Das heißt, all dieser Bereiche werden aufeinander abgestimmt.

Teilpläne

Neben den schon erwähnten Teilplänen der integrierten Unternehmensplanung, also der Plan-Gewinn- und Verlustrechnung, der Bilanzplanung und der Liquiditätsplanung, werden meist noch weitere Teilpläne einbezogen, also integriert. Bei diesen sonstigen Teilplänen handelt es sich z. B. um die Produktionsplanung, die insbesondere bei Projektunternehmen, wie z.B. im Baubereich oder beim Maschinenbau, üblich sind. Hierunter fallen auch Investitionsplanungen, insbesondere für Ersatzinvestitionen. Dies ist z.B. bei Industrieunternehmen übliche Praxis, um den Austausch von Produktionsanlagen rechtzeitig zu planen.

Entsprechendes gilt für die Personalplanung, mit der zum einen die zu erwartenden Rentenaustritte und die zu erwartende Fluktuation abgebildet wird und anderseits aus der Produktionsplanung der erforderliche Personalbedarf aufgezeigt wird.

Zu erwähnen ist noch die Steuerplanung, die eine wesentliche Grundlage für die Steuervorauszahlungen einerseits ist, aber auch aufzeigt, ob aus steuerlichen Gründen eine Änderung der Finanzierung und/oder der Rechtsform anzustreben ist.

Nutzen der integrierten Unternehmensplanung

Der Nutzen der integrierten Unternehmensplanung ist, dass sie eben sämtliche erforderlichen Teilpläne integriert, in jedem Fall aber die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanzplanung und die Liquiditätsplanung. Mit den heutigen modernen Tools ist der Aufwand für die Erstellung der Teilpläne und die Integration zu einer solchen Planung dramatisch gesunken.

Als Ergebnis erhält man einen Überblick über die gesamte Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Hieraus können relevante Kennzahlen, Vergleichszahlen zur Branche und sogar ein künftiges Rating abgeleitet werden. Unternehmen mit einer schwächeren Verfassung können so der Anforderung des BGH nachkommen, jederzeit in der Lage zu sein, die Insolvenzgründe zu beobachten.

Am wichtigsten aber ist, dass die integrierte Unternehmensplanung fundierte Entscheidungen ermöglicht. Sie dient damit der Entscheidungsvorbereitung und damit als Entscheidungsgrundlage. Für AG, GmbH sowie GmbH & Co. KG besteht für die Vorstände und Geschäftsführer ohnehin eine Pflicht zur Unternehmensplanung. Soweit gegen diese Verpflichtung verstoßen wird und der Gesellschaft hieraus ein Schaden erwächst, sind die Organe persönlich haftbar. Insbesondere können sich die Organe nicht auf ihren kaufmännischen Beurteilungsspielraum (Business Judegement Rule) berufen, weil sie eben nicht auf Basis angemessener Informationen handeln. Damit steigt die persönliche Haftungsgefahr dramatisch an, die gerade durch die Planung ebenso deutlich wieder reduziert werden könnte.

Wann setzt man was ein?

Früher wurde darüber diskutiert, welche Planungsart für welchen Planungsanlass auszuwählen sei. Diese Frage stellt sich, wegen der Pflicht zur integrierten Unternehmensplanung, für AG, GmbH und GmbH & Co. KG nicht. Bei Einzelkaufleuten, OHG und KG kann diese Frage gestellt werden. Jedoch ist zu beachten, dass die Planung an Informationsgehalt verliert, wenn man auf den ganzheitlichen finanzwirtschaftlichen Blick verzichtet.

Ansonsten gilt für diese, dass die Planung die aufgeworfene Frage zu beantworten hat, also das Primat des Planungsanlasses. Wer wissen möchte, ob sich eine Investition lohnt, muss also die Frage nach der Rentabilität stellen. Wer hingegen wissen möchte, ob er eine Investition stemmen kann, muss sich die Frage nach der Liquidität stellen.

Wenn diese für die Investition nicht ausreichend ist, muss aufgezeigt werden, wieviel Darlehen z. B. bei der Hausbank eingeworben werden müssen. Ob die Finanzierung für die Bank durchführbar ist, zeigt aber nur die Gesamtschau mit der Bilanzplanung, weil diese die künftige Eigenkapitalquote aufzeigt. Diese ist aber eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für das Rating und damit für die Beurteilung der Chancen, den angestrebten Kredit auch zu erhalten.

In Zeiten von Mittelknappheit kann die Planung aufzeigen, auf welche Projekte bzw. Vorhaben die knappen Mittel sinnvollerweise zu verwenden sind.

Aus dem Planungsanlass folgt auch, wer Adressat der Planung ist. Will z. B. ein Geschäftsführer einen Gesellschafterbeschluss für eine Investition einholen, so wird er die Gesellschafter über das geplante Vorhaben mittels einer Unternehmensplanung informieren. Damit wird neben der Geschäftsleitung auch der Gesellschafterkreis Planungsadressat sein.

Selbiges gilt für die Bank, wenn die Planung wenigstens teilweise mit einer Fremdfinanzierung getätigt werden soll. Sobald aber Dritte zugleich Planungsadressaten sind, muss die Planung sämtlichen Informationsbedürfnissen dieser Dritten ebenfalls genügen.

Zu diesen Informationsbedürfnissen kann auch eine längere Vorausschau zählen. Damit stellt sich die Frage nach dem Planungshorizont, der sich ebenfalls an der aufgeworfenen Frage zu orientieren hat.

Aktuelles

Durch das zum 1.1.2021 in Kraft getretene StaRUG wurde eine Verpflichtung zur Einrichtung eines Früherkennungssystems für bestandsgefährdende Entwicklungen für haftungsbeschränkte juristische Personen und Personengesellschaften eingeführt. Ein solches Früherkennungssystem ist ohne integrierte Unternehmensplanung schlechterdings untauglich. Damit wurde der Verpflichtung zur Planung eine weitere gesetzliche Grundlage gegeben.

Fazit

Die Planung ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern in vielerlei Hinsicht schlicht verpflichtend. Aus der Planung lässt sich die Qualität der Unternehmensleitung ableiten. „Zeige mir Deine Planung und ich sage dir, wie es um das Unternehmen und um die Qualität des Managements bestellt ist.“

Nicht die Bilanz, sondern die Planung ist also die Visitenkarte des Unternehmens. Schließlich sind Unternehmer Zukunftsforscher und keine Archäologen.

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nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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