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Dienstag, 05 April 2011 21:32

Magazin: Vorkalkulation bei Bauunternehmen

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In der Bauwirtschaft herrscht seit Jahren ein enormer Preisdruck. Mit Hilfe einer Vorkalkulation kann ein Unternehmer sicherstellen, dass der berechnete Preis für eine Bauleistung auch ausreicht, um die voraussichtlich anfallenden Kosten zu decken und darüber hinaus auch noch einen Gewinn zu erzielen.

Unter der Vorkalkulation versteht man die Kostenermittlung vor Leistungserstellung. Das Ziel der Vorkalkulation ist die Ermittlung des Angebotspreises eines Produkts.

Ermittlung der Einzelkosten der Bauleistung

Die Kosten, die den Bauleistungen unmittelbar und verursachungsgerecht zugerechnet werden können, sind u. a. Kosten für Lohn, Stoffkosten, Geräte und Fremdleistungen.

Bei den Lohnkosten handelt es sich nicht nur um die Grundlöhne und -gehälter, sondern um darüber hinausgehende Zulagen und Zuschläge, Sozialaufwendungen und Lohnnebenkosten aufgrund des Bundesrahmen-Tarifvertrags des Baugewerbes (BRTV). Da zum Kalkulationszeitpunkt noch nicht feststeht, welche Mitarbeiter später das Bauprojekt durchführen werden und ob Bauleistungen von mehreren Arbeitnehmern mit unterschiedlichen Tarifgehältern ausgeführt werden, sollte mit einem sog. Mittellohn kalkuliert werden. Ein Beispiel für die Ermittlung des Mittellohns finden Sie in unserem Whitepaper „Vorkalkulation und Nachkalkulation im Baugewerbe" auf unserer Homepage.

Im Rahmen einer Baukalkulation umfassen Baustoffe alle Kosten, die für die Herstellung des Bauwerks benötigt werden, wie z.B. Betonstahl, Mauerziegel, Putzmörtel. Muss ein Unternehmer einen anderen Unternehmer beauftragen, um Leistungen ausführen zu lassen, so handelt es sich dabei um eine Fremdleistung. Die hier für entstandenen Kosten müssen im Angebotspreis mit einkalkuliert werden.

Neben den Löhnen, Stoffkosten und Fremdleistungen beeinflussen auch die Gerätekosten den Angebotspreis. Bei der Kalkulation dieser Kosten sollten Sie mit Verrechnungssätzen arbeiten, da meistens die Geräte auch bei anderen Bauprojekten eingesetzt werden.

Gemeinkosten der Baustelle

Ebenso wie die Baugerätekosten wirken sich auch die Kosten für die Baustelleneinrichtung und -räumung auf die Baupreise aus. Kalkuliert werden diese Kosten als Baustellengemeinkosten. Wesentliche Kostenfaktoren hier sind z.B. Auflade- und Abladekosten, Kosten für Zäune und Absperrungen sowie Kosten für Zufahrten (z.B. Baustraße).

Die Sonderwagnisse, die auf ein bestimmtes Bauvorhaben beschränkt sind, z.B. Konventionalstrafen, neue Bauverfahren, Schlechtwetter und anderes, werden – soweit die Sonderwagnisse durch eine Versicherung nicht gedeckt sind – über kalkulatorische Wagniszuschläge als Selbstversicherung in die Gemeinkosten eingerechnet.

In den Gemeinkosten der Baustelle sollten aber auch die Kosten der Bauleitung für das einzelne Bauprojekt gesondert berücksichtigt werden. Am besten werden daher die Kosten der Bauleitung auf eine eigene Kostenstelle gebucht und dann über Einsatzberichte der Bauleiter auf die einzelnen Baustellen mit entsprechenden Verrechnungssätzen umgelegt.

Kosten, die bisher noch an keiner anderen Stelle berücksichtigt wurden, wie z.B. Transportkosten, Hilfslöhne, Lizenzen und Bauversicherungen, werden in der Position Allgemeine und Sonderkosten erfasst. Damit fließen sie indirekt in die Baupreise ein. Die Allgemeinen Geschäftskosten tragen ebenfalls Gemeinkostencharakter und können den einzelnen Bauleistungen nur indirekt zugerechnet werden. So sind z.B. die allgemeinen Finanzierungskosten des Unternehmens, Geschäftsführungs- und Verwaltungskosten und freiwillige soziale Aufwendungen hier zu erfassen.

Wagnis und Gewinn

Für das allgemeine Unternehmerwagnis (Preisrisiko, Konjunkturrisiko, Gewährleistung) wird ein bestimmter Prozentsatz des Umsatzes zur Abdeckung dieser Risiken in den Preis als Bestandteil des Gewinnzuschlags einkalkuliert. Jeder Unternehmer sollte in seine Kalkulation auch einen Gewinn einrechnen, denn ohne angemessene Kapitalverzinsung wird kein Unternehmen auf Dauer überleben.

Eine vollkommene Übereinstimmung zwischen dem kalkulierten Gewinn und dem tatsächlichen Gewinn nach Auftragsabschluss gibt es in der Praxis sehr selten. Dies liegt daran, dass trotz aller Sorgfalt des Kostenrechners die Kosten niemals genau vorherzubestimmen sind.

Insofern sind Abweichungen normal – zumindest solange es sich um tolerierbare Beträge handelt. Dennoch ist die Vorkalkulation unabdingbar.

Zu beachten ist, dass in der Vorkalkulation ohne Umsatzsteuer kalkuliert wird. Die Umsatzsteuer wird am Schluss der Kalkulation in einem Betrag aufgeschlagen.

Akutelles Urteil:

Viele Bauunternehmer räumen ihren Kunden ein Recht zum Skontoabzug bei zügiger Zahlung des Werklohns ein. Das Landgericht Coburg (Az. 14 O 712/07) hatte darüber zu entscheiden, was in Sachen Skonto gilt, wenn der Bauherr einen Teil des Werklohns wegen behaupteter Gegenansprüche einbehält.

Ist der überwiegende Teil der Rechnung bezahlt und stellt sich der Einbehalt im Nachhinein als nur geringfügig überhöht heraus, bleibt es nach Auffassung des Gerichts beim Skontoabzug.

TIPP der KANZLEI NICKERT:

Achten Sie auf den Skontoabzug bei der Geltendmachung von Gegenansprüchen. Nur wer beim Einbehalt nicht übertreibt, darf skontieren!

[Frank Lienhard & Katharina Zapf]

 

HINWEIS

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