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Freitag, 19 Juni 2020 10:49

Übergabestrategie: Übergabe von Unternehmen auf nachfolgende Generationen

Unternehmen werden heutzutage immer weniger im Familienkreis fortgeführt. Insoweit nähert sich Deutschland dem europäischen Trend an. Andererseits kann gerade die Familienlösung interessant und auch attraktiv sein.

In jedem Fall – ob im Familienkreis oder nicht – muss die Lösung durchdacht, konzeptionell vorbereitet und vor allem auch professionell umgesetzt werden.

Person des Nachfolgers

Die erste und meist auch zentrale Frage ist, wer überhaupt der Nachfolger im Unternehmen werden soll. Dabei stellt sich zuerst die Frage, ob es einen Nachfolger oder mehrere Nachfolger geben soll. Soll das Unternehmen an einen Nachfolger übergeben werden, kann dieser aus der Familie, meist aus dem Kreis der Kinder, gefunden werden.

Vorstellbar sind aber auch Nachfolger aus dem Unternehmenskreis, d. h., das Unternehmen wird an einen Mitarbeiter übergeben, oder aber das Unternehmen wird an einen Externen verkauft.

Das Unternehmen kann auch an eine Mehrheit von Nachfolgern übergeben werden. Dies erfolgt häufig bei Familienunternehmen, wenn der Unternehmer seinen Betrieb an seine Kinder überträgt. Bei dieser Konstellation ist insbesondere darauf zu achten, dass das Unternehmen in der Zukunft handlungsfähig bleibt. Insbesondere sollen Vorkehrungen getroffen werden, die eine Pattsituation verhindern: So ist sichergestellt, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Unternehmen an 2 Kinder übergeben wird.

Nach unserer Erfahrung entstehen bei einer Nachfolge an die Kinder Streitigkeiten oftmals dadurch, dass sich die Partner der Kinder nicht miteinander verstehen. In weniger Fällen gibt es einen Konflikt innerhalb der Geschwister. Auch hier ist im Konzept zu beachten, dass zum einen die Partner der Kinder nicht in das Unternehmen hineinregieren können und darüber hinaus ein gemeinsames Grundverständnis dahingehend besteht, dass es der Familie nur dann gut geht, wenn auch das Unternehmen floriert. Auch gebietet die unternehmerische Verantwortung, Strukturen zu schaffen, die die Stakeholder, insbesondere die Beschäftigten, nicht gefährden.

Hat man einen oder mehrere Nachfolger im Visier, stellt sich regelmäßig die Frage nach der Befähigung des Nachfolgers bzw. der Nachfolger. Auch hier ist zu beachten, dass nicht jeder, der fachlich eine hervorragende Leistung erbringt, auch geeignet ist, ein Unternehmen zu lenken.

Fachliche Befähigung und Unternehmereigenschaft schließen sich zwar nicht aus, sind aber auch nicht zwingend miteinander verbunden. Insofern sollte sich der Abgebende fragen, ob der angedachte Nachfolger überhaupt zum Unternehmer taugt.

Damit einher geht die Frage, ob der angedachte Nachfolger überhaupt willens und bereit ist, Unternehmer zu werden. Wie bei praktisch allem hat das Unternehmertum positive wie negative Aspekte. Es ist abzuklären, ob die Nachfolger bereit sind, sich dieser Verantwortung zu stellen.

Nachfolgekonzept

Sodann ist die Art der Nachfolge zu konzeptionieren. Es bietet sich an, das Unternehmen in einem Akt zu übertragen. Möglicherweise ist das aber nicht die optimale Vorgehensweise. Insbesondere, wenn die Nachfolger noch recht jung und wenig erfahren sind, bietet es sich an, die Nachfolge gestuft zu planen.

So könnte z. B. ein einheitlicher Betrieb in eine Betriebsaufspaltung aufgeteilt werden. Hierbei hält das Besitzunternehmen z. B. die Immobilie oder die Anlagen und dem Betriebsunternehmen sind die Beschäftigten, die die Leistung gegenüber den Kunden erbringen, zugeordnet.

In einem ersten Schritt könnte dann die Betriebsgesellschaft auf den Nachfolger übertragen werden und die wesentlichen Vermögensgegenstände können in der Besitzgesellschaft, z. B. auch zur Altersvorsorge des Abgebenden, zurückbehalten werden.

Eine weitere Möglichkeit ist es, z. B. eine neue Geschäftsidee quasi wie ein Start-up in einer Tochtergesellschaft zu gründen und den Nachfolger mit der Entwicklung dieser Tochtergesellschaft zu beauftragen. Er kann hier gleichzeitig Innovationen in den Betrieb einführen und seine Unternehmerqualitäten unter Beweis stellen.

Beides sollte durchdacht werden, weil gegebenenfalls die Strukturen für so ein gestuftes Nachfolgemodell erst hergestellt werden müssen.

Eine weitere Frage, die sich im Rahmen der Nachfolge stellt, ist, ob die Nachfolge entgeltlich, unentgeltlich oder in einer Mischform, also teilentgeltlich, erfolgt. Dies hängt im Wesentlichen auch vom Kapitalbedarf des Abgebenden, aber auch von den finanziellen Möglichkeiten des potenziellen Nachfolgers ab.

Besonderheiten im Rahmen eines Nachfolgekonzepts

Eine Nachfolge muss auch aus ökonomischen Gesichtspunkten eingeleitet und gut gemanagt werden. Insbesondere bei Familienunternehmen stellt sich oft die Frage, ob die Ertragskraft, die der Unternehmer aufgebaut hat, auf einen Nachfolger übertragbar ist.

Wenn z. B. ein Unternehmer durch seine Person glänzt, in verschiedenen Verbänden und Gremien aktiv ist, hierdurch Aufträge bzw. Kunden akquiriert, ist fraglich, ob diese Strahlkraft des Unternehmens ohne weiteres auf einen Nachfolger übertragbar ist. Gegebenenfalls muss diese übertragbare Ertragskraft erst hergestellt werden, was ein Prozess ist, der sich regelmäßig über mehrere Jahre hinwegzieht.

In ökonomischer Hinsicht wichtig ist auch, ob für den Betrieb Sicherheiten seitens des Gesellschafters erforderlich sind bzw. ob Vermögensgegenstände beim Abgebenden sind, die wesentlich für die Fortsetzung der Tätigkeiten sind (z. B. Markenrechte, Patente etc.). Zuletzt spielt natürlich die Altersversorgung des Übergebers eine wichtige Rolle, insbesondere wie diese im Nachfolgekonzept abgesichert wird.

In steuerlicher Hinsicht stellt sich immer die Frage, wie ein Nachfolgekonzept steueroptimiert aufgebaut werden kann. Bei den Ertragsteuern (Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbesteuer) muss immer vermieden werden, dass bestehende Reserven unkontrolliert aufgelöst werden.

Insbesondere wenn der Betrieb im Rahmen einer Betriebsaufspaltung geführt wird, ist sicherzustellen, dass eine Gewerblichkeit nicht aufgelöst wird. Ebenfalls bedeutsam ist, dass keine steuerlichen Behaltensfristen verletzt werden, die sich aus vorangegangenen Umstrukturierungen ergeben.

Soll die Übergabe unentgeltlich oder nur teilentgeltlich erfolgen, ist die Frage nach der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer von Bedeutung. Auch dies ist im Konzept zu berücksichtigen. Zum Schluss kann in verschiedenen Konstellationen Grunderwerbsteuer ausgelöst werden, was ebenfalls im Idealfall zu vermeiden ist.

Auch rechtlich kann die Unternehmensnachfolge Besonderheiten aufweisen. Wenn z. B. das Unternehmen unentgeltlich oder teilentgeltlich übertragen wird, können aus der Betriebseinstellung oder einer erheblichen Reduktion nach Übergabe die Verschonung von der Schenkungssteuer entfallen und der Übergeber für die Steuer persönlich haften. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Unternehmen nach Übergabe insolvent wird. Für diesen Fall sollte eine Rückforderungsklausel im Übergabevertrag ausbedungen werden.

Unternehmensverkauf

Zeigt sich im Familienkreis kein potenzieller Nachfolger, ist über den Verkauf des Unternehmens nachzudenken. Gegenüber der Liquidation hat der Verkauf mehrere Vorteile: Zum einen kann regelmäßig ein höherer Wert realisiert werden als bei der Liquidation. Zum anderen ist eine Liquidation zeit- und kostenintensiv, was durch einen Verkauf vermeidbar ist.

Soll ein Unternehmen verkauft werden, ist zunächst die Analyse der Verkaufsfähigkeit von Bedeutung. Manche Unternehmen verdienen zwar Geld, sind aber so nicht übertragbar. Insbesondere das oben skizzierte Beispiel der übertragbaren Ertragskraft spielt hier eine Rolle.

Daher ist möglicherweise in einem Konzept erst einmal die Verkaufsfähigkeit herzustellen. Ist dies geschehen, sollte eine indikative Unternehmensbewertung erfolgen, damit der Unternehmer weiß, welchen Kaufpreis er aus ökonomischen Gesichtspunkten erzielen sollte. Erst dann kann mit dem eigentlichen M&A-Prozess, also dem Verkaufsprozess, begonnen werden.

Checkliste

  • Konzept erstellen
  • Konzept besprechen
  • Checkliste erstellen
  • Umsetzung steuern

Die obigen Aspekte stellen nur einen Teilbereich aus der Unternehmensnachfolge dar. Wie Sie dieser kurzen Darstellung entnehmen können, handelt es sich um ein komplexes Projekt, das generalstabsmäßig vorbereitet sein sollte.

Nicht nur deshalb verlangen die Banken ab einem Alter von ca. 55 Jahren regelmäßig ein solches Konzept, um Abstrafungen im Rating zu vermeiden. Nehmen Sie das bitte nicht auf die leichte Schulter, sondern gehen Sie rechtzeitig die Nachfolge konzeptionell an.

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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