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Cornelius Nickert
Freitag, 20 März 2020 15:13

Abschätzung der Corona-Folgen für das eigene Unternehmen

Corona ist in aller Munde und seit kurzem ist klar: Jedes Unternehmen wird von der Corona-Pandemie betroffen werden, mittelbar oder unmittelbar. Nur die Wenigsten werden dabei vom upside risk, also der Chance getroffen. Die meisten Unternehmen werden spürbare Einbußen erleiden.

Der BDU empfiehlt aktuell 6 TOP Regeln zur Gegensteuerung. Die erste Maßnahme ist eine „ehrliche Liquiditätsplanung“. Was aber ist eine ehrliche Liquiditätsplanung und wie stellt man sie auf?

Erwartungsgetreue Planung

Ausgangsbasis einer ehrlichen Liquiditätsplanung ist eine erwartungsgetreue Planung. Die Zukunft ist ungewiss. Keiner kann heute verlässlich sagen, was passieren wird, noch nicht einmal im kurzfristigen Bereich. Die Unsicherheit resultiert aus Chancen und Risiken, die zu Planabweichungen führen können. Im Rahmen der erwartungsgetreuen Planung werden diese Chancen und Risiken zum sogenannten Erwartungswert verdichtet. Aber auch dieser bleibt unsicher, er kann ja nach oben und nach unten abweichen.

Unsicherheit ermitteln

Auf der 2. Stufe gilt es, den Grad der Unsicherheit zu ermitteln. Aufgrund der komplexen Lage und der praktisch unendlichen Möglichkeiten, wie sich die Zukunft entwickeln kann, vermag eine Szenario-Planung hier nicht weiterzuhelfen. Insbesondere die übliche Unterteilung in ein worst case, most likely case und best case werden der aktuellen Lage nicht gerecht, weil sie doch alle anderen Ausgangsmöglichkeiten ausblenden und die Realität auf diese 3 Szenarien verdichten.

Daher erstellen wir eine sogenannte Monte Carlo Simulation, mit der wir nicht nur das Ausmaß der Corona-Krise ermitteln, sondern auch den Unsicherheitsgrad des Ausmaßes. Hierzu müssen zwar auch unsichere Annahmen getroffen werden, aber es ist besser, mit einer unsicheren Bandbreite oder Verteilung zu arbeiten, als eine Sicherheit zu suggerieren, die es definitiv nicht gibt.

Unsicherheit quantifizieren

Eine solche Simulation benötigt Input-Daten. Diese werden vom Risikomanager oder von einem erfahrenen Berater erhoben. Dieser wird sein Branchenwissen und sein Risikowissen zusammen mit den Wissensträgern im Unternehmen und gegebenenfalls mit externen Experten analysieren und zur Simulation verdichten.

So könnte man beispielsweise davon ausgehen, dass die Umsatzerlöse in einem Teilbereich 1 zwischen 1 Mio. € und 5 Mio. € schwanken und das Management geht von einer Reduktion von 2,5 Mio. € aus. In diesem Fall könnte man z. B. mit diesen Daten eine Dreiecksverteilung annehmen, die aber auch die Zwischenwerte mit ins Kalkül zieht. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine solche „Inventarisierung“

corona 1

Zu beachten ist, dass aber auch dieses Ergebnis unsicher ist. Das Histogramm dieses Ergebnisses sähe wie folgt aus:

 

corona 2 

Gemäß diesen Annahmen hätte das Corona-Virus folgende Auswirkungen:

corona 3 


D.h., der Schaden läge zwischen rd. 2,6 Mio. € und 7,2 Mio. € bei einem Mittelwert von rd. 4,7 Mio. € und einer mittleren Schwankung (Standardabweichung) von rd. 850 T€.

Eine solche Analyse kann auch aufzeigen, mit welchem Betrag zu rechnen ist, wenn der gesuchte Betrag mit einer Wahrscheinlichkeit z. B. von 95 % nicht überschritten werden soll. Dieser Betrag müssten dann mit Eigenkapital und Liquidität unterlegt sein. Im vorliegenden Fall würde mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % ein Schaden in Höhe von 6,2 Mio. € nicht überschritten.

 corona 4 

Damit könnte, je nach persönlicher Risikoeinstellung, ein Sicherheitspuffer abgeleitet werden. Diesen würde man dem Erwartungswert zuschlagen, hier aus Vereinfachungsgründen auf 5,55 Mio. € gerundet.

 

Verteilung des Gesamtrisikos auf die Monate

Nun stellt sich die Frage, in welcher zeitlichen Abfolge sich diese Schadenskosten ergeben. Auch hier sind wieder Wissen und Erfahrung der Beteiligten gefragt. Aus Veranschaulichungsgründen habe ich eine Poisson Verteilung gewählt, die ihren Höhepunkt im Monat 5 hat und 12 Monate umfasst. Dies würde vereinfachend dazu führen, dass sich die Risiken zahlungswirksam in folgender Abfolge ereignen:

corona 5

Diese Beträge wären dann in der laufenden Planung (vor Corona) zu korrigieren.

Fazit

Auch wenn die Qualität einer solchen Simulation mit den Annahmen der Beteiligten steht und fällt, vermittelt sie eher ein Gefühl für den wirtschaftlichen Umfang der Krise. Der Vorteil dabei ist: Wenn Größen unbekannt oder schwer abschätzbar sind, muss man einfach aus Sicherheitsgründen den Korridor der Annahmen größer festlegen und automatisch erhöht sich der Sicherheitspuffer. Mit jeder weiteren neuen Erkenntnis kann man dann den Umfang anpassen.

Selbstverständlich gilt dies auch für die Chancen der Unternehmen nach durchgestandener Pandemie.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Machen Sie sich mit Ihren Chancen und Risiken und vor allem mit der Technik der Monte Carlo Simulation vertraut, um bessere Entscheidungen zu treffen.

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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