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Dienstag, 05 April 2011 16:43

Magazin: Vermögen, Ertrag & Liquidität

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Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr letztes Geschäftsjahr war Ihrer Meinung nach ein erfolgreiches. Sie haben so viele Aufträge wie noch nie bearbeiten können. Und durch die günstige Situation an den Rohstoffmärkten konnten Sie außerdem kurz vor Jahresende noch einmal „günstig" Ihre Lagerhallen füllen. In Ihrem Jahresabschluss wird ein positives Ergebnis (Gewinn) ausgewiesen, doch bei Ihrer Hausbank ist das Konto überzogen. Wie kann das sein?

Warum ist das Bankkonto überzogen, wenn der Jahresabschluss einen Jahresüberschuss ausweist?

Um dies herausfinden zu können, schwenken wir den Blick auf die Bilanz. Auffallend ist der extrem hohe Forderungsbestand. 2 Ihrer größten Kunden haben wegen eines finanziellen Engpasses mit Ihnen in der 2. Jahreshälfte längere Zahlungsziele vereinbart. Durch die Belieferung dieser Kunden haben Sie in Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung (G.u.V.) Erträge erzielt und somit ergab sich ein positiver Effekt für Ihr Jahresergebnis.

Leider haben diese Kunden die Rechnungen noch nicht bezahlt. Deshalb weisen Sie in der Bilanz die Vermögensposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen" aus. Für die Produktion der an die Kunden gelieferten Produkte mussten Sie jedoch in Vorleistung gehen. Die dafür benötigten Rohstoffe und sonstigen Waren (Vorleistungen) haben Sie bei Ihren Lieferanten schon längst bezahlt.

Halten wir also fest: Geldabfluss auf dem Konto für die bezogenen Waren – Ertrag in der G.u.V. aufgrund der Auslieferung an die Kunden – Geldzufluss auf dem Bankkonto bisher nicht vorhanden, da die Kunden ein längeres Zahlungsziel haben. Somit sind die ersten negativen Einflussfaktoren für die Überziehung des Bankkontos ausfindig gemacht.

Weiter machen wir mit der Betrachtung des Materialeinkaufs kurz vor Jahresende. Am 31.12. führen Sie wie jedes Jahr die Inventuraufzeichnungen durch. Sie übergeben die gegenüber dem Vorjahr angestiegenen Inventurwerte Ihrem Jahresabschluss-Sachbearbeiter in der Kanzlei.

Dieser rechnet den Inventurwert aus dem Materialaufwand in der GuV wieder heraus, da die Waren zum Stichtag 31.12. noch nichts mit der Leistungserstellung Ihres Unternehmens zu tun hatten. Es handelt sich somit um eine Bestandsveränderung. Für die Minimierung Ihres Materialaufwands weist er Ihnen jedoch in der Bilanz den Vermögensgegenstand „Vorräte: Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe" aus. Bezahlt haben Sie die Warenanlieferungen noch im alten Jahr.

Ein weiterer negativer Effekt auf Ihr Bankkonto ist also entlarvt. Jedoch haben Sie durch die günstigen Einkaufspreise eine gute Basis für das folgende Jahr, wenn Sie die Waren in der Produktion einsetzen werden und am Markt gegenüber der Einkaufsituation höchstwahrscheinlich höhere Preise für die Waren bezahlt werden.

Ein gutes Vermögensfundament, wie es z.B. durch die Anschaffung der Rohstoffe im erläuterten Beispiel erreicht wurde, kann sich durchaus positiv auf die künftige Geschäftsentwicklung auswirken.

Erweitern wir unser Beispiel um im betrachteten Geschäftsjahr durchgeführte Maschineneinkäufe, die im Jahr der Anschaffung zu einem Geldmittelabfluss geführt haben und in den kommenden Jahren über die Abschreibungen als Aufwendungen (nicht zahlungswirksam!) geltend gemacht werden können.

Durch die Abschreibungsaufwendungen in den nächsten Jahren aufgrund der Anschaffung der neuen Maschinen wird das künftige Ergebnis gesenkt und dadurch auch die Steuerbelastung. Durch die Gewährung des längeren Zahlungsziels an 2 Ihrer größten Kunden konnten Sie diese weiter an Ihr Unternehmen binden und somit einen weiteren positiven Effekt erzielen. Wenn Sie hart geblieben wären, hätten Sie diese Kunden eventuell an die Konkurrenz verlieren können.

Unternehmen können mehrere Monate bzw. Jahre mit negativen Jahresabschluss-Ergebnissen überlebensfähig bleiben, wenn im Unternehmen aus besseren Vorjahren bzw. aus der Unternehmensausstattung bei Gründung noch genug Substanz vorhanden ist. Fehlt es hingegen an liquiden Mitteln in nicht unerheblichem Umfang, so kann das Unternehmen selbst bei hohen Gewinnen relativ schnell in die Situation der Zahlungsunfähigkeit kommen und somit im schlimmsten Fall auch in die Insolvenz.

Auch an sich gesunde Unternehmen dürfen die zur Verfügung stehenden freien Mittel nicht aus dem Auge verlieren. Denn z.B. können durch hohe Vorfinanzierungsvolumina (siehe Rohstoffvorfinanzierung) auch gesunde Unternehmen ins Schwanken geraten.

Eine gute Vermögensbasis (Gebäude, Maschinen, Vorräte, etc.) in Verbindung mit einer guten Ertragsbasis sowie positiver Zukunftsaussichten und unter Berücksichtigung einer ausreichenden Liquiditätsausstattung ist somit im gemeinsamen Zusammenspiel eine gute Basis für die Festigung und Weiterentwicklung Ihres Unternehmens. Im Rückhalt sollte dafür eine ausgeglichene Finanzierungsbasis zwischen Eigen- und Fremdkapital für die Finanzierung der Vermögensgegenstände (Gebäude, Maschinen, Vorräte, etc.) vorliegen.

Um die Auswirkungen im Vorfeld sichtbar werden zu lassen, ist es notwendig, eine integrierte Unternehmensplanung erstellt zu haben. Nur durch die Anfertigung einer solch vernetzten Vermögens-, Finanz- und Ertragsplanung werden die Effekte auf die einzelnen Bereiche im Detail sichtbar.

Ein Zahlenbeispiel hierzu mit Darstellung einer Bilanz, GuV und Liquiditätsrechnung finden Sie hier.

Autoreninfo

Sebastian BroßSebastian Broß

Steuerberater, Diplom-Betriebswirt (FH), *CVA (Certified Valuation Analyst), IACVA, Teamleiter BWL

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