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Cornelius Nickert
Montag, 15 Juli 2019 11:16

Die 10 Gebote der guten Prognose

Wer ein Unternehmen führt, muss zwangsläufig Prognosen anstellen. Ohne Prognosen kann man keine Entscheidung sinnvoll vorbereiten. Unternehmensleitung ist aber der Beruf des Entscheidens. Daher müssen Sie Ihre Fähigkeiten bei den Prognosen schärfen und ständig verbessern.

Philip E. Tetlock und Dan Gardner haben in ihrem bemerkenswerten Buch „Superforecasting“ 10 Regeln über Prognosen zusammengestellt, die wir Ihnen an die Hand geben möchten.

Tetlock und Dan Gardner haben in ihrem bemerkenswerten Buch „Superforecasting“ 10 Regeln über Prognosen zusammengestellt, die wir Ihnen an die Hand geben möchten.

1. Wählen Sie geeignete Fragen

Konzentrieren Sie sich auf Fragen, die Ihren Einsatz wert sind. Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit Fragen, die ohnehin nicht seriös beantwortet werden können bzw. die keine große Auswirkung auf den Gegenstand der Prognose haben.

2. Brechen Sie scheinbar unlösbare Probleme auf lösbare Unterprobleme herunter

Niemand, der bauen will, versucht, direkt die Kosten des Baus zu schätzen. Er wird vielmehr die Gesamtkosten aufteilen z. B. in Grundstück, Architekt, Kellerbau, Rohbau usw. Damit erst wird die Gesamtschätzung möglich. Entsprechendes gilt für die Unternehmensplanung: Niemand käme auf die Idee, direkt den Gewinn nach Steuern zu planen. Vielmehr wird das Ergebnis in seine Bestandteile zerlegt (Umsatzerlöse, Wareneinsatz, Personalkosten usw.) und diese dann prognostiziert.

Zerlegen Sie daher die Frage in Aspekte, die Sie wissen bzw. abschätzen können, und solche, die Sie nicht wissen können. Machen Sie Ihr Nichtwissen sichtbar. Stellen Sie Ihre Annahmen über das, was Sie wissen, auf den Prüfstand und vor allem: Dokumentieren Sie Ihre Annahmen.

3. Wechseln Sie die Perspektive und finden Sie das richtige Gleichgewicht zwischen Innen- und Außensicht

Wenn Sie nicht wissen, was ein Rohbau kostet, können Sie überlegen, wie Sie kalkulieren würden, wenn Sie ein Bauunternehmen zu führen hätten. Was würden Sie verlangen?
Wenn es um die Prognose von Ereignissen geht, beachten Sie bitte: Nichts ist einmalig.

Einzigartigkeit ist eine graduelle Angelegenheit. So etwas Ähnliches ist sicher schon einmal passiert. Suchen Sie daher nach Vergleichen, selbst wenn es um scheinbar singuläre Ereignisse geht. Fragen Sie: Wie oft passieren Dinge dieser Art in Situationen dieser Art? Wie oft haben sich ähnliche Situationen ereignet?

4. Finden Sie die richtige Mischung aus Unter- und Überbewertung von Beweisen und Indizien

Beginnen Sie mit einer Ausgangsprognose und aktualisieren Sie diese, wann immer Ihnen bessere Informationen bekannt werden. Wichtig ist bei den Informationen, aus dem Rauschen der Nachrichten Signale herauszufischen und die Informationen nicht durch das eigene Wunschdenken zu verfälschen.

Gute Prognostiker lernen schnell, entscheidende Signale vom Rauschen zu unterscheiden. Gute Prognostiker sind wie ein Trüffelschwein: Sie riechen fast alles, können aber schnell feststellen, wenn Sie fehlerhaft einer Spur nachgehen.

Die meisten Prognosen werden über einen gewissen Zeitraum hinweg erstellt und folglich in diesem Zeitraum an neue Informationen angepasst. Profis neigen dabei eher dazu, ihre Vorhersagen in kleinen Schritten anzupassen. Gute Prognostiker wissen aber, wann sie große Schritte machen müssen und ihre Einschätzungen in Reaktion auf Signale radikal korrigieren bzw. sogar gänzlich verwerfen müssen.

5. Suchen Sie in jeder Fragestellung nach widerstreitenden Kräften

In der Wirtschaft, insbesondere in der Volkswirtschaftslehre, gibt es meist auf jedes gute Argument ein gutes Contra, das man zumindest registrieren und bewerten muss. Jede Seite, also pro und contra, sollte im Voraus Signale auflisten, die sie in die andere Richtung führen könnten. Spielen Sie den advocatus diaboli und versuchen Sie, Ihre eigene Prognose umzustimmen. Klingen die Argumente der Gegenseite überzeugend?

Versuchen Sie mit den Methoden der Dialektik, These und Antithese in eine Synthese zu überführen und haben Sie den Mut, Ihrer eigenen subjektiven Einschätzung zu vertrauen.

6. Stufen Sie Wahrscheinlichkeiten ab, soweit es die Frage zulässt, aber nicht weiter

Bekanntlich sind nur die Steuern und der Tod sicher. Alle anderen Dinge sind weder sicher noch unmöglich. Täuschen Sie sich dabei nicht, indem Sie von sicheren oder unsicheren Ereignissen bzw. Annahmen ausgehen. Planen Sie mit der Ungewissheit.

Dabei helfen schwammige Formulierungen nicht weiter. Versuchen Sie, Wahrscheinlichkeitseinschätzungen so treffend wir möglich abzugeben. Empfehlenswert ist es, den Formulierungen Wahrscheinlichkeiten in Prozent zuzuweisen.

Undefinierte schwammige Aussagen helfen Ihnen nicht weiter. Daher sollten Sie die Unterteilung so detailliert wie möglich vornehmen, ohne hierdurch Scheingenauigkeiten zu produzieren. Je genauer Sie die Wahrscheinlichkeit differenzieren, desto besser werden Ihre Vorhersagen bzw. der Erkenntnisgewinn in der Rückschau. Wenn es Ihnen zu Beginn Unbehagen bereitet, fangen Sie in gröberen Abstufungen an, um anschließend den Korridor einzugrenzen. Beispiel: 0-20 %, 20-40 % usw., später 0-10 %, 10-20 % usw.

Wenn Sie Ihre Umsatzerlöse planen, suchen Sie nach einem Wert, den Sie höchstwahrscheinlich (95 % oder 99 %) nicht unterschreiten werden und ebenfalls nach einem Wert, den Sie mit derselben Wahrscheinlichkeit nicht überschreiten werden. Anschließend schätzen Sie den Wert ab, von dem Sie für die Zukunft ausgehen. Gute Prognostiker versuchen anschließend, ihre Ersteinschätzung permanent zu verbessern und, wo möglich, den Korridor einzugrenzen.

7. Finden Sie das richtige Gleichgewicht zwischen Vorsicht und Entschlossenheit

Finden Sie die Balance zwischen Zaudern und Übereifer. Vorschnell zu entscheiden ist ebenso fehlerhaft, wie fällige Entscheidungen wegen Unentschlossenheit hinauszuzögern. Denken Sie vor allem daran, dass ein Zögern ebenfalls eine getroffene Entscheidung ist, nämlich die Entscheidung, (noch) nicht zu entscheiden. Wenn eine Entscheidung schnell getroffen werden muss, müssen Sie ggf. mit einem größeren Korridor rechnen.

8. Suchen Sie die Ursachen Ihrer Fehlprognosen, aber hüten Sie sich vor dem Rückschaufehler

Wer schreibt, der bleibt. Daher sollten Sie Ihre Prognosen schriftlich festhalten. Nur dann können Sie die Prognosen später überprüfen, eine Manöverkritik anstellen und ermitteln, was richtig und was falsch war. Allerdings sollten Sie sich bewusstmachen, dass ein verfehltes Prognoseziel nicht zwingend auf eine schlechte Prognose zurückzuführen ist.

Schauen Sie bitte nur auf diejenigen Fehler bzw. Fehlannahmen, die zum damaligen Zeitpunkt als falsch einzustufen waren und unterscheiden Sie Fehler, die sich erst im späteren Verlauf als falsch herausgestellt haben.

Untersuchen Sie aber auch „richtige“ Prognosen, also ob damals die Prognose richtig angestellt wurde, oder ob sie zwar falsch angestellt wurde, Sie aber wegen einer späteren Entwicklung einfach nur Glück hatten.

9. Holen Sie das Beste aus anderen heraus und erlauben Sie anderen, das Beste aus Ihnen herauszuholen

Nutzen Sie das Wissen anderer und versuchen Sie, sich in deren Sichtweisen hineinzudenken. Wechseln Sie hierzu die Perspektive und stellen Sie offene Fragen (W-Fragen, z. B. „Warum meinen Sie, dass ...“).

10. Übung macht den Meister

Prognosen sind größtenteils „Handwerk“. Daher sollten Sie Prognosen trainieren und sich regelmäßig Feedback geben. Daher ist die Dokumentation der Prognose und des Feedbacks enorm wichtig, da erst aus dieser Feedbackschleife der Lernprozess starten kann.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Lesen Sie folgende empfehlenswerten Bücher: von Philip E. Tetlock / Dan Gardner „Superforecasting“ und von Bruno Jahn „Sichere Prognosen in unsicheren Zeiten“.

Wir empfehlen Ihnen zudem das Forschungsprojekt von Philip E. Tetlock.

Weiterführender Beitrag der KANZLEI NICKERT zum Thema

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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