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Matthias Kühne
Donnerstag, 03 Januar 2019 13:57

Besonderheiten bei der Bewertung von innovativen und digitalen Unternehmen

Die Innovationskraft eines Unternehmens spielt eine immer größere Rolle im Bereich der Bewertung von Unternehmen. Gerade die Digitalisierung führt zu immer kürzeren Innovationszyklen und teilweise sogar zur Disruption.

Methode der Unternehmensbewertung

Vereinfacht gesprochen bestimmt sich der Wert eines Unternehmens nach dessen nachhaltiger Ertragskraft. Maßgebend für die Bewertung sind die an die Gesellschafter ausschüttungsfähigen Cashflows. Diese werden dann mit einem Kapitalisierungsfaktor auf den heutigen Tag abgezinst.

Prognosehorizont

Die Unternehmensbewertung blickt praktisch in die Unendlichkeit. Ausgehend vom Status quo wird im Rahmen einer Detailplanungsphase die kurzfristige Entwicklung prognostiziert. Die Detailplanungsphase ist so lange zu veranschlagen, wie sich das Unternehmen stabil entwickelt. Dies nennt man den eingeschwungenen Zustand.

Von hier aus wird dann in einer 2. Phase die weitere Entwicklung mit pauschalen Wachstumsfaktoren berechnet. Dies nennt der Unternehmensbewerter dann die ewige Rente. Die 2. Phase hat einen großen Einfluss auf den Unternehmenswert. Zwar ist dies immer abhängig vom konkreten Fall. Häufig beläuft sich der Wertbeitrag auf 50 % und mehr.

Auswirkung von Innovation und Digitalisierung

Das Kalkül der Unternehmensbewertung, dass ein Unternehmen, wenn es sich erst einmal im eingeschwungenen Zustand befindet, „ewig“ existiert, ist gerade vor dem Hintergrund der technologischen Entwicklungen immer mehr zu hinterfragen. Zwar steigen die Chancen aus dem Nutzen dieser Technologie. Gleichzeitig birgt diese Entwicklung aber auch enorme Risiken für Unternehmen und ganze Branchen. Risiken dahingehend, dass andere schneller in der Adaption dieser Technologien sind. Ein noch größeres Risiko besteht darin, dass Unternehmen schlicht überflüssig werden und ihre Existenzberechtigung verlieren.

Auswirkung auf das Bewertungskonzept

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist das Bewertungskonzept der ewigen Rente zu hinterfragen. Die Detailplanungsphase ist nämlich erst abgeschlossen, wenn der eingeschwungene Zustand erreicht ist. Gerade im klassischen Mittelstand ist – abhängig von der jeweiligen Branche – sehr kritisch zu hinterfragen, ob das Unternehmen dem Innovationsdruck gewachsen ist und es die Innovationsleistung tatsächlich erbringen kann.

Dass der technologische Innovationsdruck sogar auf größere Unternehmen einen massiven Einfluss hat, zeigt eine Studie der Lebensdauer der Unternehmen im amerikanischen S&P 500 Index. Früher betrug die durchschnittliche Lebensdauer eines S&P 500 Unternehmens 61 Jahre. Heute sind es nur noch 20.

Einfluss auf den Unternehmenswert

Wie mit dieser Entwicklung in der Unternehmensbewertung umzugehen ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Grundsätzlich kommen aber folgende Ansätze in Betracht:

  1. Das Unternehmen hat die Innovationskraft: Kann aufgrund der Vergangenheitsanalyse angenommen werden, dass das Unternehmen dem Innovationsdruck standhält, kann das Bewertungskonzept grundsätzlich belassen werden wie bisher.
  2. Das Unternehmen hat die Innovationskraft nicht: Dann kann auch der Übergang in die ewige Rente nicht unterstellt werden. Vielmehr müsste die Liquidation des Unternehmens nach Ablauf einer gewissen Dauer geplant werden, abhängig von der Annahme der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Das hätte massive Wertabschläge zur Folge.

Fazit

Die Innovationskraft wird im Rahmen der Unternehmensbewertung immer wichtiger. Nicht zukunftsfähige Unternehmen sind in letzter Konsequenz zu liquidieren. Das äußert sich schon heute in massiven Wertabschlägen im Rahmen der Unternehmensbewertung.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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