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Cornelius Nickert
Mittwoch, 05 September 2018 10:04

Digitalisierung: Analyse im Unternehmen und strategische Konsequenzen

Zunächst einmal ist zu klären, was „Digitalisierung“ ist. Allgemein versteht man darunter, dass Werte, Informationen etc., die früher in analoger Form vorlagen, nun in digitaler Form da sind und/oder gespeichert werden. Beispiel: Früher kam einmal im Jahr der Quelle-Katalog, heute kauft man im Internet bei Amazon ein.

Bei der Digitalisierung geht es aber nicht nur um das Speichern – es geht auch darum, Prozesse automatisiert ablaufen zu lassen. Insoweit greifen Digitalisierung und Automatisierung ineinander. Besser gesagt: Erst die Digitalisierung ermöglicht es, die Automatisierung auszuschöpfen und zu perfektionieren.

Wen betrifft die Digitalisierung?

Die Digitalisierung betrifft uns alle. Ob Privatpersonen oder Unternehmen, ob Behörden oder Vereine. Es fängt im Kleinen an: Die E-Mail hat die klassische Post schon längst abgelöst und wird derzeit von anderen Kommunikationswegen massiv angegriffen. Unsere Steuererklärung übermitteln wir digital an das Finanzamt und unsere Bankgeschäfte wickeln wir online ab.

Von der Digitalisierung zur künstlichen Intelligenz

Das alles ist aber erst der Anfang. Die Existenz von Daten und gespeichertem Wissen ermöglicht es uns, Leistungen, die zuvor noch von Menschhand oder gesteuert durch Menschen erfolgten, digital ablaufen zu lassen. Die Technologien hierbei werden immer „intelligenter“ – die sog. künstliche Intelligenz (artificial intelligence).

Spektakulär begonnen hat dies im Jahr 1996/97, als der Rechner „Deep Blue“ von IBM den Schachgroßmeister Kasparov geschlagen hat. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass kein Mensch mehr in der Lage wäre, einen Schachcomputer zu schlagen. Das war insoweit besonders, als beim Schachspiel Positionen und Spielsituationen „zu bewerten“ sind, ihnen also kein mathematisch eindeutiger Wert beigemessen werden kann.

Weiter ging die technische Entwicklung mit IBM Watson, der sowohl in dem Fernsehwettbewerb Jeopardy siegte, als auch beim Spiel Go den Weltmeister schlug. Heute setzt die Firma Siemens in der Steuerabteilung Watson ein. Ebenfalls verwenden viele Anwaltskanzleien diese bzw. ähnliche Softwarelösungen.

Von der Digitalisierung zur Automatisierung

Heute laufen in der Industrie schon vollautomatisierte Prozesse ab – über die Grenzen des Unternehmens hinaus. So können die Systeme bei der Anfrage eines Kunden automatisch für das Angebot die für den Auftrag benötigten Teile berechnen und die Kosten dieser Teile bei den Lieferanten anfragen. Wenn dann der Auftrag (automatisch) erteilt wurde, wird der Bestellvorgang automatisiert abgewickelt. Entsprechendes gilt für die Prüfung der Eingangsrechnung bzw. des Wareneingangs.

Betrifft das auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)?

Ja, und zwar aus verschiedenen Richtungen: Zum einen bieten große Unternehmen, die für KMU bislang „zu teuer“ waren, nunmehr auch für KMU Leistungen an, da die Digitalisierung die Kosten der Vervielfältigung massiv verringert. Zum anderen gibt es kleinere Anbieter, die Teillösungen für KMU anbieten. Das Interessante daran ist, dass die verschiedenen Lösungen, die meistens Cloud-basiert sind, Schnittstellen vorsehen, so dass verschiedene Teillösungen miteinander interagieren.

Die Digitalisierung greift aber nicht nur bei den sog. Unterstützungsprozessen ein, sondern auch bei der eigentlichen Leistungserzeugung. So fertigt Airbus mittlerweile fast alle Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker. Das saudische Königshaus plant derzeit an einem Einfamilienhaus, das durch einen 3-D-Drucker erzeugt wird und um die 30.000 $ kosten soll.

Was aber ist zu tun?

Als Unternehmer eines KMU ist man von der Masse der Informationen und vor allem von der Geschwindigkeit der Entwicklung überwältigt. Das muss aber nicht dauerhaft der Fall sein. Zunächst einmal muss ich als Unternehmer den Markt beobachten. D. h., ich muss mich permanent informieren, was sich in meiner Branche tut und ob es eine Auswirkung auf mein Unternehmen hat. Ich muss ferner überlegen, ob es in anderen Branchen schon Lösungen gibt, die (mit wenig Aufwand) auf meine Branche übertragen werden können. Wenn ja, muss ich überlegen, ob ich die Technik einsetze oder nicht.

Die permanente Marktbeobachtung wird also zur Pflicht. Aber wo suche ich? Natürlich digital im Internet. In Foren, relevanten Blogs, Onlinemagazinen etc. Sinnvoll ist auch, dafür zu sorgen, dass die richtigen Informationen automatisch zu mir kommen. Das kann ich steuern – natürlich digital, indem ich die richtigen RSS-Feeds abonniere und mir für die entsprechenden Wörter, z. B. mit dem Dienst von Google, Alerts anlege. Selbstverständlich kann man auch weiterhin auf Seminaren, Messen und in Printmagazinen Informationen sammeln. Aber auch die Informationsaufbereitung und die Suche geschieht immer mehr „digital“. Die Informationen sollten Sie sammeln, damit Sie jederzeit wieder darauf zurückgreifen kann – selbstverständlich digital, z. B. mit Evernote.

Das alles kostet Zeit, die Sie in die Zukunft Ihres Unternehmens aber investieren müssen. Um das sicherzustellen, müssen Sie diese Zeit als Termin mit der höchsten Priorität einplanen. Sie vereinbaren also einen Termin mit sich und Ihrem Unternehmen. Der Umfang? Das hängt einerseits von Ihrem Unternehmen und Ihrer Branche, aber auch von Ihrem Veränderungswillen, ab.

Die Antwort auf die Digitalisierung

Wenn Sie den Markt und das Marktumfeld analysiert haben, stellt sich die Frage, wie Sie reagieren. Grundsätzlich gibt es nur 2 Möglichkeiten: Entweder Sie digitalisieren selbst. Das könnte sein, dass Sie ganz oder teilweise Unterstützungsprozesse (z. B. Finanzen etc.) digitalisieren bzw. die Leistungsprozesse ganz oder teilweise digitalisieren. Selbstverständlich muss und kann das nicht auf einmal erfolgen. Vielmehr können Sie Schritt für Schritt vorgehen. Allerdings sollten Sie sich einen Masterplan erarbeiten, mit dem Sie Ihr Unternehmen in die Zukunft führen werden.

Die andere Möglichkeit wäre es, der Digitalisierung auszuweichen. So haben sich z. B. einige Schneidermeister zusammengeschlossen, um künftig handgefertigte Maßanzüge herzustellen. Hierzu haben sie sich einen Qualitätsstandard gegeben, der vorschreibt, wie viele Stunden mindestens „von Hand“ am Anzug gearbeitet werden muss. Manche Hotels setzen bewusst auf Ruhe und Besinnlichkeit und stellen weder WLAN noch Fernsehen zur Verfügung.

Die Entscheidung

Wichtig ist zu erkennen, dass es zu jeder starken Bewegung (Digitalisierung) immer eine Gegenbewegung (meist eine Nische) gibt. Entscheidend ist nur für den Unternehmer zu erkennen, welchen Weg er einschlagen will. Für diese Entscheidung ist nicht nur wichtig, zu erkennen, was die Marktsituation ist und was die Kunden wünschen. Sofern man sich für die Digitalisierung entscheidet, muss man schnell sein, denn bei digitalen Leistungen ist Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor.

Nutzen Sie Beratung und Fördermittel

Möglicherweise ist diese Tätigkeit und vor allem die Herangehensweise neu für Sie. Dann sollten Sie überlegen, ob Sie sich beraten lassen. Diese Beratung kann unter Umständen mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt werden, z. B. beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Mittelstand digital  oder go-digital.

Packen Sie es an!

Wichtig ist, mit dem Prozess zu beginnen. Wenn Sie nichts tun und sich nicht entscheiden, wird der Markt sein Urteil über Ihr Unternehmen fällen. Wenn Sie das Thema angehen, nehmen Sie Ihr Schicksal in die eigene Hand.

Checkliste Digitalisierung:

  • Suchen Sie nach Informationsquellen, die Ihnen Informationen zur Digitalisierung in Ihrer Branche liefern.
  • Informieren Sie sich aber auch in „fremden“ Branchen.
  • Speichern Sie die gewonnenen Informationen.
  • Vereinbaren Sie feste Termine mit der höchsten Priorität mit sich selbst.
  • Erstellen Sie Ihren Masterplan für Ihr Unternehmen.
  • Entscheiden Sie sich und handeln Sie konsequent.
  • Prüfen Sie den Einsatz von Fördermitteln.

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Autoreninfo

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Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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