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Cornelius Nickert
Mittwoch, 15 August 2018 13:46

Unternehmensbewertung mit Multiplikatoren

Der Bereich Unternehmensbewertung ist von einer beträchtlichen Zahl verschiedener Bewertungsmethoden geprägt. Eine stark verbreitete Methode ist das Multiplikatorenverfahren. Im Rahmen der Multiplikatorenbewertung handelt es sich um marktorientierte Bewertungsansätze (Market Approach). Die Bewertung baut dabei auf Preisen auf, die am Markt bereits zustande gekommen sind. Grundsätzlich basiert die Bewertung anhand von Multiplikatoren auf der Annahme, dass vergleichbare Unternehmen ähnlich bewertet werden.

Bildung von Multiplikatoren

Multiplikatoren werden dadurch gebildet, dass der Wert eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt ins Verhältnis zu einer bestimmten Bezugsgröße des Unternehmens (z. B. Umsatz oder Gewinn) gesetzt wird.

Multiplikator = Wert / Bezugsgröße

Bei der Unternehmenswertberechnung wird dann der Multiplikator mit der entsprechenden Bezugsgröße des zu bewertenden Unternehmens multipliziert.

Wert (U) = (Aggregierter) Multiplikator x Bezugsgröße (U)

Regelmäßig werden die Multiplikatoren auf die Ist-Werte des Rechnungswesens angewandt, was zu einem Vergangenheitsbezug der Bewertung führt. Nach der Multiplikation mit der Bezugsgröße erhält man meistens den Unternehmensgesamtwert (Enterprise Value oder Wert der Aktivseite der Bilanz). Das hängt aber vom Multiplikator ab.

Allerdings steht einem Eigentümer bei einem möglichen Verkauf lediglich der Anteil zu, der nicht von Dritten finanziert wurde. Daher müssen vom Unternehmenswert (Enterprise Value) die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen werden, um den Eigenkapitalwert (Equity Value) zu erhalten. Denn bei einem Verkauf des gesamten Unternehmens übernimmt der Käufer das Fremdkapital mit. Die Nettofinanzverbindlichkeiten ergeben sich aus zinstragenden Verbindlichkeiten abzüglich liquiden Mitteln (solange es sich nicht um notwendige operative liquide Mittel handelt) sowie ggf. Wertpapiere des Anlagevermögens.

Anwendungsbereiche von Multiplikatoren

Die Multiplikatorenmethode liefert i.d.R. einen indikativen Wert. Eine indikative Wertermittlung ist eine vereinfachte Form der Bewertung, bei der oft auch auf ein umfängliches Gutachten verzichtet wird. Ziel ist bei dieser Herangehensweise, dass ein verlässlicher sowie zügig zu ermittelnder Wert erreicht wird. Oft wird vor dem Einstieg in eine intensive Ertragsbewertung überschlägig gerechnet, in welcher Bandbreite der Wert voraussichtlich liegen wird. Auf dieser Basis wird dann entschieden, ob das Verkaufs- oder Kaufvorhaben weiterverfolgt wird.

Derartige Multiplikatorenbewertungen sind auch Anhaltspunkte für eine Plausibilitätskontrolle eines umfangreichen Ertragswertgutachtens.

Voraussetzungen für die Anwendung des Multiplikatorenverfahrens

Zunächst einmal ist Voraussetzung, dass der Multiplikator zum zu bewertenden Unternehmen passt. Dies gilt sowohl in Bezug auf Branchen- als auch auf Größenzugehörigkeit. Das Problem dabei ist allerdings, dass die Anbieter von Multiplikatoren keine Angabe über das Zustandekommen ihrer Zahlen machen. Insoweit besteht eine gewisse Unsicherheit.

Ferner ist Grundvoraussetzung, dass die Verhältnisse, die dem Multiplikator zugrunde lagen, und die des zu bewertenden Unternehmens konstant sind. Sinken oder steigen die Erträge, führt dies zu Verfälschungen bei der Bewertung.

Nachteile

Das Multiplikatorenverfahren berücksichtigt jedoch weder die langfristigen Planungsrechnungen des Berichtsunternehmens, noch Sonderfaktoren, wie das laufende Investitionsprogramm, ausreichend. Zutreffenderweise handelt es sich daher um eine vereinfachte Unternehmensbewertung, die lediglich einen Anhaltspunkt für den Unternehmenswert aufzeigt. Weiter ist es schwierig, die Qualität und Vergleichbarkeit der Multiplikatoren abzuschätzen. Bewusstmachen muss man sich auch, dass ein Multiplikator viel beschreibt, leider aber nicht erklärt, wie der Wert zustande kommt.

Jedoch bietet auch das Multiplikatorenverfahren durch seinen marktorientierten Bewertungsansatz und sein einfaches Vorgehen wesentliche Anhaltspunkte für die Wertfindung bei Transaktionen von Unternehmensteilen.

Vorteile

Die Vorteile des Multiplikatorenverfahrens sind, dass das Verfahren günstiger und schneller ist als eine Fundamentalbewertung. Außerdem zeigt es durch seinen Marktbezug eher einen potentiellen „Preis“.

Woher kommen die Multiplikatoren?

Die Multiplikatoren kommen von Datenanbietern. Teilweise sind diese recht teuer, teilweise werden diese, wie z. B. von Finance, monatlich kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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