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Cornelius Nickert
Mittwoch, 25 April 2018 13:04

Die BWA: Basics und verschiedene Formen

Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) werden zur Unternehmenssteuerung genutzt, von Banken angefordert und sind in Unternehmen allgegenwärtig. BWA dienen der Entscheidungsvorbereitung – die Summe der richtigen Entscheidungen bestimmt den betrieblichen Erfolg. Was aber sind genau BWA, welche Spielregeln gelten für sie und was muss bzw. sollte der Unternehmer beachten?

Die BWA ist nicht gesetzlich geregelt

BWA sind anders als handelsrechtliche oder steuerliche Jahresabschlüsse nicht gesetzlich normiert. Sie sind auch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ein Unternehmer muss sie also nicht erstellen bzw. erstellen lassen. Gleichwohl sind sie üblich, um das Unternehmen zu steuern.

Die BWA zeigt den betriebswirtschaftlichen Stand eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Insoweit ist sie eine wichtige Orientierungshilfe. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto von Basel nach Hamburg zu einem Termin. Dann schauen Sie auch nicht erst nach der prognostizierten Dauer von 8 Stunden, ob Sie richtig und rechtzeitig angekommen sind. Sie schauen permanent, ob Sie „auf Kurs“ sind und ob Sie rechtzeitig ankommen. Genau das ist auch die Aufgabe der BWA.

Die BWA als Analyseinstrument

Die BWA bereitet betriebliche Zahlen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen auf. Sie ist ein Analyseinstrument. Im Hinblick auf die Funktion als Standortsbestimmung sollte der Unternehmer aber zuvor das Ziel der Reise festgelegt haben. Dies erfolgt mit der Unternehmensplanung.

Gibt es „die“ BWA?

Es gibt nicht „die“ BWA: All das, was betriebliche Informationen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien analysiert und aufbereitet, ist eine BWA. So ist z. B. eine Mitarbeiterfluktuationsquote auch eine BWA.


Üblicherweise versteht man aber unter BWA die Analyse von Zahlen des betrieblichen Rechnungswesens, vorwiegend der Finanzbuchführung. Es handelt sich zumeist also um finanzwirtschaftliche Zahlen. In diesem Zusammenhang hat sich die kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) als ein gewisser Standard durchgesetzt. Sie bildet angelehnt an die Gewinn- und Verlustrechnung den betrieblichen Erfolg ab, also den Gewinn.

Was zeigt die KER und was zeigen andere BWA-Formen?

Es gibt verschiedene finanzwirtschaftliche Zahlen, die für die Unternehmenssteuerung von Interesse sein können. Neben anderen nicht-finanzwirtschaftlichen Zahlen können diese Analysen in Ertrag, Liquidität und Vermögen unterteilt werden. Aus diesem Grund gibt es für die verschiedenen Bereiche auch unterschiedliche BWA. 

Bewegungsbilanz

So kann z. B. aus der Bewegungsbilanz das Vermögen, die Veränderungen des Vermögens und insbesondere die Größen Mittelherkunft und Mittelverwendung abgeleitet bzw. analysiert werden.

Statische Liquidität

Die statische Liquidität zeigt alleine die Liquidität des Unternehmens. Allerdings sind die Standardauswertungen immer in Bezug auf den Zweck zu hinterfragen. So zeigt z. B. die statische Liquidität keine unausgeschöpfte Kontokorrentlinie. Zudem sind sämtliche Debitoren und Kreditoren enthalten, ohne Rücksicht darauf, ob diese fällig sind oder nicht.

Kurzfristige Erfolgsrechnung

Zum Schluss zeigt die Kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) alleine den betrieblichen Erfolg, also den Gewinn, angelehnt an die Gewinn- und Verlustrechnung. Damit zeigt diese BWA nicht, „wo das Geld geblieben ist“. Das zeigt die Vermögensrechnung, in der auch Entnahmen und Einlagen aufgezeigt werden.

Gerade bei der Erfolgsrechnung ist zu beachten, dass diese „nach betriebswirtschaftlichen Kriterien“ erfolgt und nicht nach den durch das vom Vorsichtsprinzip geprägten Regelungen des HGB. Die BWA ist ja gerade keine gesetzlich normierte Analyse. Aus diesem Grund dürfen z. B. bei der BWA anteilige Gewinne in den halbfertigen Arbeiten ausgewiesen werden.

Gerade diese KER ist also in erheblichem Maß durch das Buchungsverhalten beeinflusst. Nur wenn sämtliche Geschäftsvorfälle erfasst und angemessen bewertet wurden, zeigt die BWA auch verlässliche Ergebnisse. Andernfalls ist sie ein regelmäßig nicht aussagekräftiger Zahlenfriedhof. Entsprechendes gilt auch für die Bewegungsbilanz.

OPOS-Auswertungen

Neben diesen klassischen Auswertungen gibt es noch weitere Auswertungen, z. B. aus dem Bereich der Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung (Offene-Posten-Buchhaltung oder OPOS). Hierzu zählen z. B. Fälligkeitsübersichten, bei denen die Forderungen und Verbindlichkeiten nach der Fälligkeit gegenübergestellt werden oder ABC-Listen, die die Kunden und Lieferanten nach Klassifizierungen aufzeigen.

Kosten- und Leistungsrechnung

Auch die Auswertungen der Kosten- und Leistungsrechnung (KOST) sind betriebswirtschaftliche Auswertungen. Die KOST ist ebenfalls gesetzlich nicht vorgeschrieben, grundsätzlich aber sehr sinnvoll. Sie zerlegt das Ergebnis in der Regel in Teilbereiche und ordnet diesen Erträge und Kosten zu. Damit kann man z. B. überprüfen, ob bzw. wie viel Gewinn der Bauunternehmer an einer Baustelle erwirtschaftet hat.

Individuelle Auswertungen

Zum Schluss sind noch die sonstigen, individuellen Auswertungen zu nennen, die in bestimmten Branchen viel entscheidender sein können – z. B. die finanzwirtschaftlichen Standardauswertungen. So können z. B. im Einzelhandel der Umsatz/Quadratmeter, in der Spedition der Umsatz/gefahrenem Kilometer oder beim Online-Handel der Umsatz/Webseitenbesuch u. U. viel aussagekräftiger sein.

Voraussetzung der Nutzung einer BWA

Eine BWA ist nur so aussagekräftig, wie sie sich auf ein unternehmerisches Ziel bezieht. Ist das Erzielen eines Gewinns, z. B. bei der gGmbH kein unternehmerisches Ziel, dann sollte die BWA auf andere Mess- bzw. Analysegrößen Bezug nehmen.

Wenn also die „Conversion“ ein Ziel des Online-Händlers ist, dann muss auch diese Zahl ermittelt und analysiert werden. Wenn aber eine gewisse Umsatzrendite Ziel ist, dann muss eben diese Steuergröße dargestellt werden. Empfehlenswert ist es, sich nicht zu verzetteln und zur regelmäßigen Analyse ca. 5 - 10 Steuergrößen zu ermitteln. Qualität geht hier vor Quantität.

Generell kann nach der allgemeingültigen Regel, „Liquidität vor Rentabilität (Ertrag), Rentabilität vor Umsatz“ festgehalten werden, dass Sie die Größen Liquidität und Ertrag permanent im Blick halten sollten. Bei GmbH und GmbH & Co. KG sollten Sie daneben auch die Größe Vermögen regelmäßig analysieren.

Um die BWA zu nutzen, muss aber die Qualität der Datenbasis sichergestellt werden. Hierzu gehört, dass sämtliche Geschäftsvorfälle – also nicht nur alle Belege – erfasst werden. Geschäftsvorfälle sind z. B. nach der Definition der GoBD „alle rechtlichen und wirtschaftlichen Vorgänge, die innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts den Gewinn bzw. Verlust oder die Vermögenszusammensetzung in einem Unternehmen dokumentieren oder beeinflussen bzw. verändern (z. B. zu einer Veränderung des Anlage- und Umlaufvermögens sowie des Eigen- und Fremdkapitals führen)“.

Es müssen faktisch also Monatsabschlüsse erstellt werden. Erfolgt dies nicht, sind die Auswertungen nutzlos. Es wäre, als würde man zur Bestimmung des Körpergewichts nur mit einem Bein auf die Waage stehen und mit dem anderen Bein auf dem Boden bleiben. Ggf. müssen Sie die Geschäftsvorfälle unterjährig sachgerecht schätzen. Lieber grob richtig, als genau daneben! Sind nicht alle Geschäftsvorfälle verbucht, muss dies kenntlich gemacht werden, will man den Vorwurf der Täuschung ausräumen.

Muster-BWA zur Veranschaulichung

Hier nun einige Muster-Auswertungen zur Veranschaulichung:

Weiterführende Informationen der KANZLEI NICKERT zum Thema

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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