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Mittwoch, 20 Dezember 2017 10:13

Betriebswirtschaftliche Verfahren vs. vereinfachtes Ertragswertverfahren

Der Bereich der Unternehmensbewertung ist durch eine Vielzahl an verschiedenen Bewertungsmethoden gekennzeichnet. Dabei beschränkt sich die Methodenvielfalt nicht nur auf die im Standard der Wirtschaftsprüfer zur Unternehmensbewertung (IDW S1) aufgeführten Verfahren, sondern lässt sich ja nach Bewertungsanlass z. B. auch um steuerliche Wertermittlungen wie dem vereinfachten Ertragswertverfahren (§§ 199 ff. BewG) erweitern.

Die Unterschiede

Die Unterschiede zwischen den betriebswirtschaftlichen Unternehmensbewertungsverfahren nach dem IDW S 1 und der Bewertung von Unternehmen für erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke wurden von Santiago Ruiz de Vargas und Thomas Zollner im Bewertungspraktiker (BewP 4/2010 S. 1 ff) anschaulich herausgearbeitet.

Der wesentlichste Unterschied der beiden Verfahrensarten liegt darin, dass beim vereinfachten Ertragswertverfahren davon ausgegangen wird, dass die Ergebnisse der Vergangenheit so auch in der Zukunft unendlich fortbestehen. Die Ermittlung des Unternehmenswerts erfolgt somit also rein auf Basis der in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse der Gesellschaft.

Diese Ergebnisse werden mit einem Kapitalisierungszinssatz diskontiert. Der Kapitalisierungszinssatz besteht dabei aus einer gesetzlich festgeschriebenen Marktrisikoprämie und einem jährlich festgelegten Basiszins.

Demgegenüber basiert eine betriebswirtschaftliche Bewertung (objektiver Unternehmenswert) auf einer Unternehmensplanung.

Der Unternehmenswert ergibt sich grundsätzlich aus den finanziellen Überschüssen, die bei der Fortführung eines Unternehmens und der Veräußerung von etwaigem nicht betriebsnotwendigem Vermögen erwirtschaftet werden. Der Unternehmenswert wird somit grundsätzlich als Zukunftserfolgswert auf Basis einer Unternehmensplanung ermittelt.

In der Bewertungspraxis haben sich insbesondere die gängigen Verfahren wie z. B. das Ertragswertverfahren und die Discounted Cash Flow Verfahren herausgebildet.

In der näheren Zukunft werden die Erträge und Zahlungsströme detailliert, i.d.R. für 3-5 Jahre, geplant. An diese Detailplanungsphase schließt sich eine sog. Rentenphase an, soweit anzunehmen ist, dass ab Beginn der Rentenphase mit konstanten Unternehmensergebnissen zu rechnen ist.

Diese künftigen Zahlungsströme oder Erträge werden mit einem in jedem Fall individuell zu ermittelnden Kapitalisierungszins abgezinst. Der Zinssatz berechnet sich dabei unter Anwendung des CAPM bzw. Tax-CAPM aus einem Basiszins zuzüglich eines Risikozuschlags. Der Kapitalisierungszinssatz wird auf die Verschuldungsstruktur des Unternehmens angepasst.

Bei beiden Verfahren führt eine höhere Diskontierungsgröße (also Erträge) zu einem höheren Unternehmenswert und ein niedrigerer Kapitalisierungszinssatz zu einem höheren Unternehmenswert.

Wertuntergrenze

Der Substanzwert stellt beim vereinfachten Ertragswertverfahren die Wertuntergrenze dar. Dieser ergibt sich aus § 11 Abs. 2 S. 3 BewG und ist die Summe aller gemeinen Werte der zum Betriebsvermögen gehörenden Wirtschaftsgüter und sonstigen aktiven Ansätze abzüglich der zum Betriebsvermögen gehörenden Schulden und sonstigen Abzüge.

Aus dem IDW S1 ergibt sich der Liquidationswert als Wertuntergrenze für die Unternehmensbewertung. Er ist die Summe der Verkaufspreise aller Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden und Liquidationskosten.

Es empfiehlt sich im Vorfeld von Unternehmerentscheidungen (Unternehmensnachfolge, Unternehmertestament) dringend, eine Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren vorzunehmen und zu überprüfen, ob das vereinfachte Ertragswertverfahren zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt und gegebenenfalls, inwieweit der objektive Wert vom steuerlichen Wert abweicht.

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 [Joel Münchenbach]

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