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Cornelius Nickert
Montag, 21 August 2017 12:34

Wertorientierte Unternehmensführung

Ein Unternehmer hat ein Unternehmen zu führen. Als solches ist es seine Aufgabe, Entscheidungen zu treffen. Ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist, richtet sich danach, ob diese Entscheidung das Unternehmen seinem Ziel näherbringt oder nicht.

Manchmal liegen in Entscheidungssituationen Zielkonflikte vor.

So kann ein Unternehmen, das neben Renditezielen auch ökologische Zielvorstellungen hat, eine Investition tätigen (Verbrennungsmotor vs. Elektromobilität), die zwar rentabler ist, allerdings mehr CO2 ausstößt. Aus diesem Grund braucht ein Unternehmen zur Steuerung Größen, um seine Entscheidungen danach auszurichten.

Früher wurde in der betriebswirtschaftlichen Literatur angenommen, das Ziel des Unternehmens sei das Überleben. Mittlerweile geht man davon aus, dass das Ziel wirtschaftliches Handeln und damit die relevante Steuerungsgröße die Steigerung des Unternehmenswerts ist.

Was bedeutet es, wertorientiert zu entscheiden?

Dementsprechend ist es nicht nur sinnvoll, sondern betriebswirtschaftlich geboten, unter verschiedenen Handlungsalternativen diejenige Alternative auszuwählen, die den Unternehmenswert am meisten positiv beeinflusst. Um dies beurteilen zu können, muss man sich die Werttreiber des Unternehmenswerts vor Augen halten.

In der BWL wird der Unternehmenswert mit dem Zukunftserfolgsverfahren berechnet. Hierzu wird ein Erfolgsstrom der Zukunft, entweder dem Unternehmen entzugsfähige Gewinne oder entzugsfähige Cashflows, abgezinst. Abgezinst werden diese künftigen Erfolge, weil sie erst zeitlich verzögert in der Zukunft zur Verfügung stehen, man also geduldig durchhalten muss. Abgezinst werden diese Größen mit risikoangepassten Zinsen oder die Erträge bzw. Cashflows werden um einen dem Risiko entsprechenden Sicherheitspuffer korrigiert und mit den zu erlangenden Zinsen von quasi sicheren Erträgen (z. B. Bundesbankanleihen) abgezinst.

Wertorientierte Entscheidungen sind also solche Entscheidungen, die einen höheren Ertrag oder Cashflow versprechen oder aber solche Entscheidungen, die bei gleicher Rendite das bessere Chancen-Risiko-Verhältnis haben.

Dabei wird bei der Unternehmensbewertung die unendliche Existenz des Unternehmens unterstellt. Allerdings ist zu beachten, dass Erträge der weiteren Zukunft wegen der Abzinsung einen geringeren Beitrag zum Unternehmenswert stiften als Erträge der nahen Zukunft. Insoweit ist ein früher zu realisierender Ertrag einem späteren Ertrag vorzuziehen – es sei denn, der frühere Ertrag fügt in der Zukunft dem Unternehmenswert einen negativen Effekt zu.

Wann ist eine Entscheidung nach dem Unternehmenswert sinnvoll?

Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, Entscheidungen nach dem Unternehmenswert zu treffen. Ausnahmen gelten für gemeinnützige Unternehmen. Eine besondere Bedeutung hat aber die wertorientierte Unternehmensführung für Unternehmen zur Vorbereitung einer externen Unternehmensnachfolge, also eines Unternehmensverkaufs. Hier sollten 5-10 Jahre Vorbereitungszeit eingeplant werden, in der die Steuerung vollständig auf Unternehmenswertmaximierung umgestellt wird. Andernfalls droht die Gefahr, dass man beim Verkauf nicht das volle Potential abschöpfen kann.

Die gesellschaftspolitische Komponente

Dabei ist zu beachten, dass gegen landläufige Kritik aus einschlägigen Kreisen die Wertorientierung auch gesellschaftspolitisch sinnvoll ist. In Anlehnung an Prof. Dr. Peter Stebel lässt sich dies wie folgt begründen:

kn unternehmensfuehrung

Die Kunden zahlen nur ein, wenn sie eine Leistung vom Unternehmen erhalten, die größer ist als der Preis, den sie für die Leistung bezahlen. Die Lieferanten wiederum machen ihr Geschäft bei den Material- und Investitionslieferungen. Die Mitarbeiter werden vom Unternehmern entlohnt und haben auch in der Zukunft einen verlässlichen Arbeitgeber; die Fremdkapitalgeber erzielen ihre Zinseinnahmen.

Vom Gewinn erhält der Staat zur Finanzierung der Allgemeinheit die Steuern und nur der Rest wird an die Anteilseigner ausgeschüttet. Aufgrund der rechtlichen Verteilungsreihenfolge erhalten die Gesellschafter erst etwas, wenn alle andern zuvor bedient wurden. Eine wertorientierte Unternehmensführung kommt daher allen zugute. Sie ist daher nicht nur gesellschaftspolitisch vertretbar, sondern sogar geboten.

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Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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