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Montag, 07 August 2017 13:46

Interview zur Unternehmensplanung mit Prof. (FH) DDr. Mario Situm

Wir freuen uns, dass uns Prof. (FH) DDr. Mario Situm für ein Interview rund um das Thema Unternehmensplanung zur Verfügung stand.

Prof. (FH) DDr. Mario Situm ist Professor am Institut für Grenzüberschreitende Restrukturierung an der Fachhochschule Kufstein. Er ist Studiengangleiter im Bereich Unternehmensführung, Früherkennung von strategischen Krisen, Entwicklung von strategischen Controllingsystemen und Kreditrisikomanagement.

Zudem ist Prof. (FH) DDr. Mario Situm Mitglied im Editorial Board und Reviewer des “Journal of Modern Accounting and Auditing”, Reviewer beim “Journal of Contemporary Management” sowie beim “Review of Economics & Finance”.

Matthias Kühne: Welchen Bezug haben Sie in Ihrer Lehrtätigkeit zur Unternehmensplanung?

Prof. (FH) DDr. Mario Situm: Im Rahmen der Vorlesungen an der Fachhochschule in Kufstein trage ich in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, Kostenrechnung und Controlling vor. Im Weiteren behandle ich die Früherkennung von Unternehmenskrisen und -insolvenzen durch Entwicklung von Früherkennungssystemen, wo ich auch einen Schwerpunkt meiner Forschungstätigkeit habe.

Matthias Kühne: Wie sind die Erfahrungen aus der Praxis? Ist das Thema Unternehmensplanung gerade im Mittelstand schon angekommen?

Prof. (FH) DDr. Mario Situm: Hier muss man sicherlich nach der Unternehmensgröße unterscheiden. Tendenziell ist beobachtbar, dass größere Unternehmen eher eine Unternehmensplanung haben und bei kleineren mittelständischen Unternehmen ohne konkret verschriftlichte Planung geführt wird. Gerade bei letztgenannten Unternehmen ist ein verstärkter Bedarf nach Unternehmensplanung gegeben, da viele Untersuchungen zeigen, dass kleinere Unternehmen einer verstärkten Krisen- und Insolvenzgefahr ausgesetzt sind. Gemäß einer eigenen Studie wird dies auch von Kreditinstituten in Deutschland und Österreich ebenfalls so gesehen und im Rahmen derer Kreditentscheidungsprozesse berücksichtigt.

Matthias Kühne: Als Vorbehalt gegen eine Unternehmensplanung wird von Kritikern immer wieder vorgebracht, diese sei zu aufwendig und bringe keinen wesentlichen Erkenntnisgewinn. Die Zukunft sei nicht vorhersehbar. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Prof. (FH) DDr. Mario Situm: Den Erkenntnisgewinn sehe ich persönlich gegenüber dem überschaubaren Aufwand als sehr hoch an, weil für die Geschäftsführung bereits frühzeitig im Wirtschaftsjahr erkennbar ist, wie sich das Unternehmen entwickelt und ob man am Jahresende überhaupt mit einem Gewinn abschließen kann. Aus der Beratungspraxis kenne ich leider ausreichend Fälle, bei denen fleißig gearbeitet wird, aber unter dem Strich kein nennenswerter Gewinn erwirtschaftet werden kann, obwohl man ein beachtliches Unternehmerrisiko eingeht. Das Pikante hierbei ist dann meistens auch, dass von Seiten der Geschäftsführer nicht erklärt werden kann, wo man Geld liegen gelassen hat. Damit besteht auch keine Möglichkeit, aktiv einzugreifen, um sowohl Effizienz als auch Effektivität und damit auch die Profitabilität im Unternehmen zu erhöhen. Gerade diese ist anhand etlicher empirischer Untersuchungen so wichtig, um nachhaltig und langfristig erfolgreich zu sein und auch, um eine erhöhte Resistenz gegenüber Unternehmenskrisen aufbauen zu können.

Die Zukunft ist basierend auf unseren heutigen Erkenntnissen auf einen längerfristigen Horizont nicht vorhersehbar und hier besteht derzeit die große Schwierigkeit der Wissenschaft, eine Theorie der Insolvenz- und Krisenfrüherkennung zu entwickeln.

Ausgehend von zahlreichen Studien ist aber klar ableitbar, dass man eine potenzielle Unternehmensinsolvenz 2 bis maximal 3 Jahre im Voraus antizipieren kann. Hierzu können Früherkennungssysteme eingesetzt werden, wobei die Unternehmensplanung hierbei eine wesentliche Rolle spielt, weil damit ein Frühaufklärungsansatz der zweiten Generation möglich wäre, mit dem über Vorlaufindikatoren deutlich früher auf eine Unternehmenskrise geschlossen werden kann.

Matthias Kühne: Was raten Sie den Unternehmen?

Prof. (FH) DDr. Mario Situm: Unter Inanspruchnahme von professioneller Unterstützung ist die erstmalige Implementierung eines Controllings bei einem mittelständischen Unternehmen mit geringer organisatorischer und operativer Komplexität relativ schnell möglich. In diesem Zusammenhang werden auch die mit der laufenden Erstellung der Unternehmensplanung verbundenen Prozesse optimiert, sodass auch hier ein überschaubarer Aufwand gegeben ist.

Unternehmer, die eine Unternehmensplanung einführen möchten, sollten daher die Unterstützung durch einen professionellen Berater suchen. Ohne Controlling und Planung wird es in der Zukunft auch schwieriger werden, Kredite von Fremdkapitalgebern zu bekommen, sodass man sich hier im Vorfeld entsprechend vorbereiten sollte.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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