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Freitag, 28 Juli 2017 14:10

Nutzen der Unternehmensplanung

Die Unternehmensplanung ist die planerische Vorwegnahme der Zukunft. Im Gegensatz zur Prognose, die aufzeigt, was voraussichtlich passieren wird, zeigt die Planung, durch welche Maßnahmen ein angestrebtes Ziel erreicht werden soll.

Die Prognose hat also die Erkenntnis zur Funktion, während die Planung handlungsorientiert ist: "Tue dies, um das zu erreichen".

Was ist eine Unternehmensplanung?

Die Planung ist ein schöpferisch kreativer Akt. Sie ist insbesondere nicht gesetzlich normiert. In der Praxis hat sich aber durchgesetzt, dass Unternehmensplanungen analog dem betrieblichen Rechnungswesen aufgebaut werden. Damit wird ein späterer Abgleich der tatsächlichen Entwicklung (Ist) mit der Unternehmensplanung (Soll) wesentlich erleichtert.

Der Standard des BDU (GOP 2.1) stellt sinnvolle, aber auch hohe Anforderungen an die Planung. So ist vorgeschlagen, einen Mindestplanungszeitraum von 3 Jahren nicht zu unterschreiten. Ferner ist die Planung integriert aufzubauen. D. h., es wird nicht nur die Gewinn- und Verlustrechnung (bzw. BWA), sondern auch die Bilanz und daraus abgeleitet die Liquidität geplant.

Der Erkenntnisgewinn einer solchen Planung ist natürlich deutlich höher: So kann nicht nur die Ertragslage in der Zukunft abgebildet werden, sondern es können z. B. Finanzierungslücken in der Liquiditätsplanung aufgezeigt werden oder aber es kann eine künftige Eigenkapitalquote ermittelt werden.

Letzteres ist insbesondere dann von enormer Bedeutung, wenn, wie heute zunehmend üblich, die Banken sogenannte Financial Covenants (Nebenbedingungen) in die Kreditverträge aufnehmen.

Hierzu zählen regelmäßig Eigenkapitalquoten. Wenn z. B. ein Unternehmen wächst, das regelmäßig die Aufträge vorzufinanzieren hat, steigt damit quasi automatisch die Bilanzsumme. Die Eigenkapitalquote als relative Kennzahl senkt sich dadurch ab. Dies könnte zum Bruch der Covenants führen und damit den Banken entweder ein Kündigungsrecht einräumen oder einen Anspruch auf höhere Verzinsung ermöglichen.

Aber selbst wenn eine solch umfangreiche Planung nicht aufgestellt wird, ist es immer noch besser, einfach z. B. nur die BWA oder nur die Gewinn- und Verlustrechnung zu planen als überhaupt keine Planungen aufzustellen.

Nutzen der Planung

Im Wesentlichen geht es bei der Planung darum, Entscheidungen vorzubereiten. Dabei weist die Planung Wechselbezüglichkeiten zur Prognose auf. Grundlage einer jeden Planung ist nämlich zunächst einmal eine Prognose. Das Unternehmen schätzt ab, was passiert, wenn neben dem operativen Tagesgeschäft keine Maßnahmen eingeleitet werden ("Was wäre wenn Planung" oder "What if Planung").

Diese Prognose muss natürlich von realistischen Annahmen getragen sein. Andernfalls könnte man einfach den Lottogewinn in der Prognose berücksichtigen und die Zahlen der Zukunft stünden fantastisch dar.

Nun ist es die Aufgabe des Managements bzw. des Unternehmers, diese Prognose zu optimieren. Andernfalls braucht es keines Managements bzw. Unternehmers, sondern man könnte lediglich einen Verwalter für das Unternehmen einsetzen.

Es werden also geplante Maßnahmen in die Prognose hineinmodelliert. Und genau hierbei zeigt sich der Nutzen der Unternehmensplanung: Indem ich eine Maßnahme hineinmodelliere, habe ich den Vergleich zur vorangegangenen Prognose und kann auf Basis dieses Vergleichs entscheiden, ob die Maßnahme sinnvoll ist oder nicht.

Weiterer Nutzen

Indem eine Unternehmensplanung aufgestellt und schriftlich dokumentiert wird, erlaubt es dem Unternehmen, bessere Entscheidungen zu treffen und vor allem Entscheidungen der Vergangenheit in der Rückschau viel besser zu analysieren.

Dies ermöglicht es dem Unternehmen, Lerngewinne zu erzielen, die für die künftige Steuerung des Unternehmens von enormer Bedeutung sind. Anders als z. B. ein Sportler, der unmittelbar nach oder im Training bzw. während oder nach dem Wettkampf das Feedback von seinem Trainer erhält, müssen Unternehmen bei mittel- bis langfristigen Maßnahmen sehr lange auf das Feedback (Ist-Entwicklung) warten.

Wenn die Entscheidungen ohne Dokumentation in der Unternehmensplanung getroffen werden, ist manchmal nach mehreren Monaten oder Jahren nicht mehr klar, warum eine Entscheidung so getroffen wurde. Dann fällt es schwer, festzustellen, ob eine Fehleinschätzung vorlag, die durch eine bessere Planung hätte vermieden werden können, oder ob die Entscheidung sich durch eine Entwicklung ereignet hat, die bei Planungserstellung nicht absehbar war.

Im ersten Fall kann aus dem Fehler gelernt werden und für gleiche bzw. ähnliche Planungssachverhalte die Konsequenz für die Zukunft gezogen werden. In der Folge würden dann zukünftige Entscheidungen, basierend auf der Planung, besser und das Unternehmen würde stabiler werden und bessere Erträge erzielen.

Insoweit ist eine Unternehmensplanung wie ein guter Wanderschuh zu verstehen: Zu Beginn holt man sich vielleicht die eine oder andere Blase. Wenn der Schuh aber einmal eingelaufen ist, will man nicht mehr auf ihn verzichten.

Dementsprechend ist zu erwarten, dass bei Beginn der Unternehmensplanung die sogenannte Planungstreue noch nicht sehr hoch ist. Aus diesem Grund sollte gerade bei Beginn der Unternehmensplanung ein angemessener Sicherheitspuffer berücksichtigt werden.

Wenn man aber mehrfach geplant hat und seine Lerngewinne durch den Soll-Ist-Vergleich realisiert hat, werden die Ergebnisse immer näher an der Planung liegen. Das Unternehmen entwickelt eine höhere Planungstreue. Auch dies ist etwas, was die Fremdkapitalgeber sehr zu schätzen wissen.

Nutzen der Unternehmensplanung für Kapitalgeber

Sowohl für Eigen- als auch für Fremdkapitalgeber bringt die Unternehmensplanung einen enormen Nutzen. Sie können die Zukunft besser abschätzen und können ihre Entscheidung, ob sie Kapital zuführen oder Kapital abziehen auf ein verlässliches Fundament stützen.

Ferner zeigt ein Unternehmen, das Planungsrechnungen unterstellt, dass es die Verantwortung sehr ernst nimmt. Es wird als verlässlicher Partner wahrgenommen. Dies gilt erst recht, wenn negative Entwicklungen in der Planung aufgezeigt bzw. frühzeitig kommuniziert werden.

Unternehmen, die dies tun, sind in hohem Maße vertrauenswürdig. In einem derartigen Fall kann mit den Kapitalgebern besprochen und verhandelt werden, wie man der Situation gegensteuert.

Unternehmen dagegen, die in derartigen Situationen mauern, strafen sich selbst regelmäßig ab, indem sie Vertrauen zerstören und die Kapitalgeber dazu bewegen, das Kapital definitiv und endgültig abzuziehen.

Qualifikation für das Management

Zum Schluss hält sich das Management bzw. der Unternehmer mit der Unternehmensplanung regelmäßig den Spiegel vor Augen. Insbesondere über den Soll-Ist-Vergleich sieht der Unternehmer, mit welchen Maßnahmeneinschätzungen er richtiglag und mit welchen nicht. Dies ermöglicht es ihm, künftige Einschätzungen besser zu treffen und somit letztlich als Manager besser zu werden.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Beginnen Sie, Ihr Unternehmen zu planen. Wenn Sie bereits Planungsrechnungen haben, überlegen Sie, ob und wie Sie diese Planungen noch verbessern können.

Sie werden durch die Planung in der Zukunft in die Lage versetzt, bessere Entscheidungen zu treffen. Damit wird Ihr Unternehmen sicherer. Sie erzielen höhere Erträge und steigern nicht zuletzt in signifikanter Weise Ihren Unternehmenswert.

Üblicherweise werden die Planungen jeweils zu Jahresbeginn erstellt: Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich dafür zu entscheiden, spätestens ab 2018 das eigene Unternehmen zu planen!

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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