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Cornelius Nickert
Donnerstag, 13 Juli 2017 07:37

Berücksichtigung von Chancen und Risiken in der Unternehmensplanung

Mit der Unternehmensplanung zeigen Sie, was vermutlich passieren wird und bei Berücksichtigung der geplanten Mannahmen, wie Sie diese Prognose für sich und Ihr Unternehmen verbessern.

Insoweit dient die Unternehmensplanung der Entscheidungsvorbereitung. Zeigt nämlich die Planung, dass eine angedachte Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg verspricht, unterbleibt die Maßnahme zugunsten einer anderen Handlung.

Planungen sind unsicher – Sie brauchen also einen Sicherheitspuffer

Planungen, die nicht nur einen Planwert, sondern Schwankungen um den Planwert aufzeigen, sind einfachen Planungen deutlich überlegen.

Wenn Sie z. B. mit einem Jeep durch die Wüste fahren, überlegen Sie sich, wieviel Dieselvorrat Sie mitnehmen. Dabei würden Sie niemals „auf Kante nähen“, denn wenn Sie sich verfahren oder aber der Motor mehr Diesel verbraucht, kommen Sie vielleicht nicht ans Ziel. Sie nehmen einen Sicherheitspuffer mit. Dazu machen Sie sich Gedanken, um wieviel Liter Treibstoff Sie mit Ihrer Einschätzung falsch liegen könnten.

Ist die zu erwartende Schwankung größer, ist der Sicherheitspuffer (Vorrat) größer zu bestimmen und umgekehrt.

Was aber sollte man berücksichtigen, um einen angemessenen Sicherheitspuffer bestimmen zu können?

Planungsschwankungen

Selbst wenn man mit seinem Auto schon 100.000 Kilometer gefahren ist, kann man den genauen Treibstoffverbrauch nicht sicher prognostizieren. Der Treibstoff hängt vom Fahrverhalten, von den Bodenverhältnissen und den Witterungsbedingungen etc. ab. Insoweit gibt es Schwankungen, mit denen schlicht und ergreifend zu rechnen ist.

Wenn man diese Schwankungen ermitteln möchte, kann man sich z. B. MS-Excel® bedienen und die sogenannte Standardabweichung einer Zahlenkolonne ausrechnen lassen. Diese Standardabweichung zeigt aufgrund historischer Daten, welche Schwankungen es in der Vergangenheit „im Mittel“ gab.

Wenn man davon ausgehen darf, dass diese Informationen repräsentativ für die Zukunft sind (sog. Zeitreihenstabilitätshypothese), sollte man den Wert der eigenen Unternehmensplanung aus Sicherheitsgründen um diesen Wert reduzieren.

Sofern Sie davon ausgehen, dass die Schwankungen in der Zukunft z. B. durch Maßnahmen zu- oder abnehmen, sollten Sie die Schwankungen um Ihre Einschätzung korrigieren. So könnten Sie z. B. neben Ihrer Hauptplanung (b) ein schlechtes Szenario (a) und ein besseres Szenario (c) aufstellen und aus diesen 3 Planungen einen Mittelwert

kanzlei nickert mittelwert

und die Schwankung (σ) um den Mittelwert errechnen.

kanzlei nickert schwankungskorridor

Damit können Sie den Schwankungskorridor Ihres Planungswerts abschätzen.

Eine solche Auswertung gibt eine verbesserte Information zur Vorbereitung Ihrer Entscheidung (Wieviel Diesel sollte ich mitnehmen?).

Allerdings beinhaltet dieses Ergebnis noch keine Chancen und Risiken, z. B., dass Sie sich verfahren oder Sie einen anderen Weg einschlagen können, da eine vermeintlich kaputte Brücke repariert ist.

Berücksichtigung der Chancen in der Unternehmensplanung

Die Analyse der Chancen ist die vordringlichste Aufgabe des Unternehmers, geht es doch gerade darum, diese zu nutzen – sprich etwas zur Verbesserung zu unternehmen. Andernfalls könnte man für das Unternehmen einen „Verwalter“ einsetzen. Aus diesem Grund ist die Erstellung der Unternehmensplanung zugleich ein Auftrag, nach (Verbesserungs-) Chancen zu suchen.

Um die Chancen zu ermitteln, sollte man zuerst die Vergangenheit analysieren und fragen, was gut bzw. „überraschend gut“ lief. Solche Antworten zeigen oft ungenutzte Potentiale auf. Weitere Chancen finden sich in den Branchenbriefen der Banken, die teilweise im Internet öffentlich zugänglich sind.

Das Wichtigste aber ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und nachzusehen, was andere Unternehmen, insbesondere auch aus anderen Branchen, besser machen. Wenn man derartige Potentiale ermittelt hat, gilt es, Maßnahmen zur Umsetzung und Realisierung dieser Chancen zu definieren. Hierzu könnten die Maßnahmen nach folgendem Tableau aufgelistet werden:

MaßnahmeBeginn der MaßnahmeKosten der Maßnahme Zeitpunkt Kosten Wirkung der Maßnahme Zeitpunkt Wirkung Umsetzungs-wahrscheinlichkeit 
             
             

 

Allerdings sind bei den Chancen auch Wechselwirkungen zu beachten. So könnte z. B. ein starkes und überraschendes Umsatzwachstum die Ergebnisse der BWA und der Gewinn- und Verlustrechnung in die Höhe treiben.

Wenn aber Aufträge vorfinanziert werden müssen, kann dies einen erheblichen Vorfinanzierungsbedarf auslösen. Das Unternehmen könnte am Ertrag ersticken und in die Zahlungsunfähigkeit hineinwachsen. Gerade dazu ist die Planung da, um solche Entwicklungen so rechtzeitig vorauszusehen, dass rechtzeitig Vorsorge, in diesem Fall eine Vorfinanzierung der Aufträge, geregelt werden kann.

Es geht also nicht nur darum, die Entscheidung vorzubereiten, sondern auch darum, vorbereitet zu sein.

Berücksichtigung der Risiken in der Unternehmensplanung

Neben den Chancen müssen aber auch die Risiken betrachtet werden – auch Risiken, die sich in der Vergangenheit noch nicht realisiert haben, sich in der Zukunft aber realisieren könnten.

Hier bietet es sich an, mit einer individuell auf das Unternehmen zugeschnittenen Risiko-Checkliste zu arbeiten. Solche Checklisten sind als Entwürfe im Internet frei zugänglich und können auf die Belange des Unternehmens zugeschnitten werden.

Üblicherweise werden diese ähnlich einem ISO-Qualitätsmanagementsystem in Teilbereiche untergliedert:

  • Strategische Risiken
  • Risiken aus dem Kunden- und Auftragsverhältnis (auch Kalkulationsrisiken und finanzwirtschaftliche Risiken)
  • Leistungswirtschaftliche Risiken
  • Risiken aus dem Bereich der Unterstützungsprozesse (Ausstattung, Ressourcenverfügbarkeit)

Im Idealfall findet hier ein Abgleich mit dem Risikomanagementsystem – soweit vorhanden – statt. Ein sogenanntes Risikoinventar kann entsprechend der obigen Maßnahmentabelle wie folgt aufgebaut werden:

Risiko      BeschreibungKosten im SchadensfallEintrittswahr-scheinlichkeitKompensatorische Effekte
         
         

 

Dabei sollten z. B. Versicherungsentschädigungen oder geplante Maßnahmen im Schadensfall als kompensatorische Effekte berücksichtigt werden.

Abschließende Szenario-Bildung

Wurde die Planung erstellt, die normalen Schwankungen, die Chancen und die Risiken ermittelt, kann der Unternehmer hieraus Szenarien ableiten und diese mit den obigen beiden einfachen Formeln bewerten.

Dann kann der Unternehmer nicht nur abschätzen, was sein Planungsergebnis in der Zukunft sein wird, sondern er kann zugleich einen Schwankungsrahmen abbilden und sich auf negative und positive Abweichungen getreu dem Pfadfinder-Motto: „Allzeit bereit!“ vorbereiten. Der Unternehmer hat damit seinen „Plan-B“ in der Tasche.

Nachfolgender Soll-Ist-Vergleich

Nach der Planung ist vor der Planung. D. h. es sind Abweichungen vom Plan zur Ist-Entwicklung zu überwachen und deren Ursachen zu untersuchen. Bewegt sich die Abweichung innerhalb der obigen Standardabweichung, kann die Differenz i. d. R. als normale Schwankung ignoriert werden. Gleichwohl sollte die Chance nicht ungenutzt bleiben. Der Unternehmer kann aus der Rückkoppelung des Soll-Ist-Vergleichs lernen und künftige Planungen noch besser machen.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Lernen Sie, die Zukunft in Bandbreiten und/oder Szenarien zu planen. Berücksichtigen Sie dabei neben Planungsschwankungen auch Chancen und Risiken und zeigen Sie einen Korridor möglicher künftiger Ergebnisse auf. Damit sind Sie für die Zukunft vorbereitet und „allzeit bereit“.

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT

Unternehmensplanung: Ein Muss für jedes Unternehmen

Interview mit Prof. Dr. Dr. Joachim Häcker zur Unternehmensplanung und Unternehmensbewertung

Erfolgsfaktor Unternehmensplanung

Whitepaper zum praktischen Ablauf einer Unternehmensplanung

Unternehmens-Planung

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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