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Mittwoch, 21 Juni 2017 10:24

Integrierte Planung: Schlüsselelement einer ordnungsgemäßen Unternehmensplanung

Was macht eine (gute) integrierte Unternehmensplanung aus und was muss ein Unternehmer dafür tun?

Operative und vollständige Integration

Eine integrierte Planung lässt sich in diverse Reifegrade unterteilen, je nachdem wie weit sie integriert ist. Als wesentliche Grundvoraussetzung ist die operative integrierte Planung anzusehen. Dagegen ist „state-of-the-art“ eine vollständige Integration. Mit zunehmendem Reifegrad folgt auch ein schlüssigeres Gesamtkonzept.

Die operative integrierte Planung beruht auf 2 Aspekten:

  • Zum einen verbinden sich die einzelnen Detailpläne wie z. B. die Absatz-, Produktions-, Personal-, Investitionsplanung mit den operativen Teilplänen – der Ertrags-, Bilanz- und Cashflow-Planung.
  • Zum anderen stehen die Ertrags-, Bilanz- und Cashflow-Planung im Einklang miteinander und ergeben ein in sich (mathematisch) schlüssiges System.

Demgegenüber geht die vollständige Integration noch einige Schritte weiter. Sie verknüpft neben den operativen Detail- und Teilplänen auch die Grundsatzplanung mit der strategischen und operativen Planung und mit dem Geschäftsmodell.

Diese Verbindung wird noch dahingehend ergänzt, dass das Ziel- und Kennzahlensystem sowie die unterjährigen Prognosen/Forecasts darauf abgestimmt sind.

Mehrwert für Unternehmen

Durch eine integrierte Planung verstärkt sich die Aussagekraft der Planung, da die gesamte Planungsrechnung eine logische Verknüpfung vorweist. Eine Abstimmung der einzelnen Bestandteile ermöglicht eine präzisiere Unternehmensplanung, weil einerseits eine Kausalität zwischen Detail- und Teilplänen besteht. Andererseits weist die Planungsrechnung einen stringenten Zusammenhang zwischen Grundsatzplanung, strategischer und operativer Planung bis hin zu den Ziel- und Kennzahlensystemen und auch zu den regelmäßigen Prognosen auf.

Dies verdeutlicht dem Planempfänger, z. B. Kreditinstituten oder der Geschäftsführung ein einheitliches sowie plausibles Unternehmensbild, das als ordnungsgemäße Entscheidungsgrundlage dient.

Nur durch die Integration können die Unternehmenszahlen vollständig gegriffen werden und zeigen eine schlüssige Unternehmensentwicklung. Es ergeben sich keine logischen Brüche, die wiederum zu Fehlentscheidungen führen. Demnach zieht die gesamte Unternehmensausrichtung an einem Strang.

Standards und Rechtsprechung

Neben dem betrieblichen Nutzen kann gleichfalls von den berufsständischen Normen und der Rechtsprechung auf eine integrierte Planung verwiesen werden. So fordern neben den Grundsätzen ordnungsgemäßer Planung (GoP) z. B. auch der IDW S 1 (Unternehmensbewertung) und der IDW S 6 (Sanierungskonzept) eine Verknüpfung.

Vonseiten der Rechtsprechung ist bzgl. der integrierten Planung auf die Urteile des OLG Celle (Urteil v. 23.10.2003 - 16 U 199/ 02, ZIP 2003, 2118) oder des OLG Köln (Urteil v. 24.09.2009 – 18 U 134/05, GmbHR 2010, 251) zu verweisen. Beide Urteile verlangen eine Planverprobungsrechnung, die u.a. durch die integrierte Planung mit logischen und/oder mathematischen Verknüpfungen gewährleistet ist.

Operative integrierte Planung

Die Mehrheit der planenden KMU absolviert eine operative Unternehmensplanung, vor allem eine Jahresplanung. Vielfach entstehen sogenannte Insellösungen – isolierte Planungen. Dabei planen die Unternehmen z. B. die Produktion und den Absatz getrennt voneinander und plausibilisieren die jeweiligen Planungen nicht miteinander.

Infolgedessen richten sich die einzelnen Einheiten nach unterschiedlichen Plänen, was wiederum zu Ressourcenverschwendung und Fehlentscheidungen führt. So stellt ein Unternehmen z. B. für einen Mehrumsatz einen weiteren Vertriebsmitarbeiter ein, jedoch wird aufgrund der konservativen Produktionsplanung keine neue Maschine angeschafft.

Der Produktion gelingt es nicht, den Mehrumsatz zu produzieren. Den Ausweg bietet eine abgestimmte Planung, sodass alle nach einer gemeinsamen Grundlage handeln.

Nötige Ergänzungen zur Ertragsplanung

Des Weiteren planen Unternehmen oft nur auf Ertragsebene und unterschlagen die Bilanz- sowie Liquiditätsplanung. Die Ertragsplanung ist der zentrale Bestandteil der operativen Planung. Dennoch bedarf es auch der Bilanz- und Liquiditätsplanung für eine aussagekräftige Unternehmensplanung.

Die Bilanzplanung ist nötig, um die nicht-ertragswirksamen Veränderungen abzubilden, z. B. Tilgungsleistungen oder Forderungsabbau. Diese Positionen können bei der Liquiditätsbeurteilung entscheidend sein. Nur durch diese Berücksichtigung können Unternehmen eine solide Schlussfolgerung zur Liquiditätsentwicklung ziehen.

Infolge der Ertrags- und Bilanzplanung lässt sich eine verlässliche Liquiditätsplanung ableiten, die wiederum Aufschluss für weiteren Liquiditätsbedarf gibt. Demgemäß liefert sie auch Informationen zu einer drohenden Zahlungsunfähigkeit und einer einhergehenden Unternehmenskrise oder Insolvenz.

Integration der Ertrags-, Bilanz- und Cashflow-Planung

Bei der operativen Planung sollte aus den genannten Gründen die Integration der Teilpläne erfolgen – sie sind nicht autonom zu planen. Ertrags-, Bilanz- und Cashflow-Planung sollen ein ein schlüssiges (mathematisches) System darstellen.

Dabei sind die einzelnen Auswirkungen der jeweiligen Teilpläne auf die anderen Teilpläne zu übertragen. Denn es besteht eine gewisse Wechselwirkung zwischen den Teilplänen, was sich mit folgenden Beispielen verdeutlichen lässt:

  • Umsatzwachstum geht in der Regel mit einem Bilanzwachstum einher und wirkt sich auf die Liquidität aus, d. h. das Unternehmen muss die Vorfinanzierung des Wachstums tragen können (Finanzierung des Umlaufvermögens, wie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Vorräte, Halbfertige Erzeugnisse, etc.).
  • Eine geplante, mit Darlehen finanzierte, Maschineninvestition verändert zum einen die Bilanz (Anlagevermögen und Bankdarlehen), zum anderen erhöhen sich die Abschreibungen und Zinszahlungen aufwandswirksam. In der Liquiditätsplanung sind die Darlehensaufnahme, die Maschinenbezahlung und auch die Zins- und Tilgungsleistungen zu berücksichtigen. Tilgungen und Abschreibungen wirken sich ebenso auf die Bilanzplanung aus.

Folglich ist zur verlässlichen Abbildung der Unternehmensentwicklung eine integrierte Planung ausschlaggebend.

Auswirkung auf KMU-Unternehmen

Die Unternehmensgröße beeinflusst den Integrationsgrad nicht – für jede Unternehmensgröße ist eine Integration möglich und empfehlenswert.

Vorteilhaft für KMU ist bei der Integration, dass wegen der flacheren Hierarchien, schlankeren Unternehmensbereichen, weniger Detailplänen und gebündelten Unternehmensfunktionen eine Integration einfacher ist als bei größeren Unternehmen.

Bedeutung für Unternehmer

Aus den oben beschriebenen Gründen sollte eine vollständig integrierte Unternehmensplanung das Ziel jeden Unternehmens sein. Aus Sicht der operativen Planung sind mindestens die Bilanz-, Ertrags- und Liquiditätsplanung aufeinander abzustimmen.

Allerdings ist dies dahingehend zu relativieren, dass eine vollumfängliche Integration, insbesondere die richtige Abstimmung der Ertrags-, Bilanz- und Liquiditätsplanung, ohne spezielle Planungssoftware nicht einwandfrei möglich ist; da z. B. iterative Verknüpfungen bestehen.

Mindest-Ansätze für Unternehmer

Dennoch kann mindestens eine näherungsweise Abstimmung zwischen den einzelnen Teilplänen entstehen, bei dem das Unternehmen z. B. mit Ausgleichsposten in der Bilanz arbeitet.

Ebenso ist eine logische Verknüpfung der strategischen und operativen Planung mit dem Ziel- und Kennzahlensystem sowie der unterjährigen Prognosen/Management-Forecasts möglich. Bedingt durch diese Stellschrauben ist eine gemeinsame Aufbereitung oder Plausibilisierung mit einem erfahrenen, anerkannten Fachmann empfehlenswert.

Somit verleiht die integrierte Planung auch gegenüber dem Planempfänger z. B. Kreditinstituten eine höhere Akzeptanz.

Ergebnisse diverser Studien

Zum Schluss noch ein Überblick zu 2 interessanten Studien im Zusammenhang mit integrierten Planungen, nämlich die Nordakademie/FutureValue-Studie (Studie: „Ist die Unternehmensplanung als Grundlage für Entscheidungen geeignet?“, 2016, noch nicht veröffentlicht, präsentiert auf der RMA Jahreskonferenz 2016) und die BARC-Studie (Studie: „Integrierte Unternehmensplanung 2016“).

Bei 64,2 % der 70 Studienteilnehmer der Nordakademie/FutureValue-Studie liegt eine näherungsweise integrierte operative Planung vor, bei der die Ertrags-, Bilanz- und Cashflow-Planung aufeinander abgestimmt sind.

Bei der BARC-Studie sehen sich sogar die Studienteilnehmer mit der höchsten Integrationsstufe (etwa 25%) im Vergleich zu den Mitbewerbern als erfolgreicher, da sie durch die Integration u.a. bessere Entscheidungen treffen können. In der Tat liegt durch die integrierte Planung eine stimmigere Unternehmensplanung zur Entscheidungsfindung vor, sodass Unternehmen von der Integration profitieren können.

Dennoch sind etwa 59 % der 214 BARC-Studienteilnehmer mit ihrem Integrationsgrad unzufrieden und sehen darin Handlungsbedarf. Sicherlich benötigt es für eine gute Integration Erfahrung, Wissen und Instrumente.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Stimmen Sie in Ihrem Unternehmen mindestens die Detailpläne mit den Teilplänen ab und werden Sie sich klar, welche Auswirkungen die einzelnen Veränderungen in den Teilplänen auf die anderen Pläne haben.

Die Plausibilisierung und logische Verknüpfung der Grundsatzplanung, der strategischen und operativen Planung sowie dem Geschäftsmodell ist ohne Software möglich und empfehlenswert. Es ist ein Ansatz, damit das große Ganze im Einklang steht.

Professionelle Planungssoftware-Programme können Sie schon ab einigen Tausend Euro anschaffen. Die Software-Programme unterstützen Unternehmen neben der Planung auch bei weiteren Ansätzen wie z. B. der Mitarbeiterverwaltung oder beim Darlehensmanagement.

Eine integrierte Unternehmensplanung ist auch ein Aushängeschild Ihres betriebswirtschaftlichen Verständnisses z. B. gegenüber Kreditgebern. Die integrierte Planung ist wie eine saubere, logisch geordnete Produktionshalle anzustehen – die eine positivere Ausstrahlwirkung zeigt als eine chaotische und unordentliche Halle.

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