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Dienstag, 11 April 2017 14:36

Unternehmensplanung und Prognose – 2 sich ergänzende Ansätze

Vielfach werden die Begriffe Planung und Prognose synonym verwendet. Im engeren Sinn sind beide als eigenständige Ansätze anzusehen, wobei eine Wechselwirkung besteht. So ist eine Planung nur mit einer Prognose erfolgversprechend.

Andernfalls braucht eine Prognose eine Planung, um die gewonnenen Erkenntnisse wertstiftend auf das Unternehmen zu übertragen. Dadurch kann das Unternehmen die zukünftige Entwicklung erahnen und sich frühzeitig darauf einstellen.

Folglich kann eine gute Planung in Kombination mit einer aussagekräftigen Prognose den Unterschied zwischen einem erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Unternehmensfortbestand ausmachen.

Unternehmensplanung als wesentliches Instrument der Unternehmensführung…

Eine Unternehmensplanung ist ein wesentliches Instrument der Unternehmensführung, da sich die Führung bzw. die Planer intensiv mit dem eigenen Unternehmen und dessen zukünftiger Entwicklung auseinandersetzen.

Dies gelingt, indem sie einen bewussten Planungsprozess anstoßen. Innerhalb dieses Prozesses wird zuerst untersucht, mit welchen zukünftigen Ereignissen das Unternehmen möglicherweise konfrontiert ist und welche Auswirkungen diese Ereignisse auf die Unternehmensentwicklung und -ziele haben. Dabei ist erkennbar, ob die Unternehmensziele aufgrund der Ereignisse noch machbar scheinen oder Chancen bestehen, die das Unternehmen nutzen will.

Um ein mögliches Abdriften von den Zielen zu verhindern oder von den Chancen profitieren zu können, überlegen die Planer geeignete Maßnahmen und bewerten diese anhand ihres Beitrags zur Zielerreichung. Die besten Maßnahmen beschließt die Führung und setzt sie in der Planung um, sodass die Ziele erreichbar werden.

…und modellhafte Abbildung der (etwaigen) Unternehmenszukunft

Darüber hinaus werden im Planungsprozess noch die weiteren betrieblichen Parameter, die nötig sind, um die Ziele zu erreichen oder Maßnahmen umzusetzen, durchdacht und bestimmt.

Infolgedessen ist die Unternehmensplanung eine modellhafte Abbildung der etwaigen Unternehmenszukunft, bei der zuvor nötige Maßnahmen, Mittel, Strukturen und Geschehnisse zur Zielerreichung durchdacht und entschieden werden. Zudem ist sie für Unternehmen ein Teil einer gewissenhaften Entscheidungsvorbereitung.

Der Plan fasst die im Planungsprozess gewonnenen Erkenntnisse zusammen

Als Ergebnis der Planung entsteht ein Plan, der die entschiedenen Maßnahmen und sonstigen betrieblichen Geschehnisse beinhaltet. Dieser Plan fasst die im Planungsprozess gewonnen Erkenntnisse zusammen und dient als Orientierung im weiteren Unternehmenszyklus. So kann das Unternehmen die getroffenen Maßnahmen im Zeitablauf verfolgen oder bei Planverfehlung Gegenmaßnahmen einleiten.

Zur handfesteren Darstellung und besseren Steuerung sowie Kontrolle werden die Erkenntnisse aus der Planung üblicherweise auf die Unternehmenszahlen übertragen – gewöhnlich auf Ertrags-, Bilanz- und Liquiditätsebene.

Beispiel zur Abbildung von geplanter Umsatzsteigerung

Ein Unternehmen will seinen Umsatz um 10% steigern. Aufgrund des zunehmenden Bedarfs der Konsumenten ist auch die Chance für eine Umsatzsteigerung gegeben. Um davon zu profitieren, stellt das Unternehmen einen weiteren Vertriebsmitarbeiter ein.

Zur Darstellung der monetären Auswirkung sind die Umsatzsteigerung, der zusätzliche Mitarbeiter und die anfallenden Produktionskosten auf die Ertrags-, Bilanz- und Liquiditätsplanung zu übertragen.

Verbindung zwischen Unternehmensplanung und Prognose

Bei der Unternehmensplanung ist der essenzielle Prozessschritt der Blick in die Zukunft. Er ist nötig, um zu klären, wie sich die Umwelt sowie das Unternehmen entwickeln oder wie sich die Maßnahmen auswirken. Dafür wird eine sogenannte Prognose getätigt, die die etwaige Entwicklung vorhersagt.

Prognosen: Erwartungen der Zukunft

Prognosen lassen sich beschreiben als Erwartungen der Zukunft. Folglich sind es Aussagen/Vorhersagen über die Entwicklung oder Ansichten zukünftiger Ereignisse.

Prognosen finden sich in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens. Durch die Medien sind oft volkswirtschaftliche Prognosen bekannt, z. B. Prognosen über die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in Deutschland.

Quantitative Prognosen

Im Unterschied zur Hellseherei liegt der Prognose ein fundierter Ansatz zugrunde, der auf anerkannte Methoden zurückgreift. Dabei unterteilen sich Prognosen in qualitative und quantitative Prognosen. Bei dem quantitativen Vorgehen werden Zeitreihen aus der Vergangenheit, z. B. die letzten 48 Monatsumsätze, mit gewissen mathematischen Verfahren fortentwickelt.

Heutzutage unterstützen spezielle Softwarelösungen die Prognoseersteller bei diesen Verfahren. Auch MS Excel bietet hierzu Funktionen. Allerdings hat man bei der Zeitreihenanalyse nur eine Reihe je Merkmal und i.d.R. keine weiteren Vergleichsreihen, was die Fortschreibung erschwert.

Qualitative Prognosen

Demgegenüber bestehen qualitative Prognosen aus subjektiven Kenntnissen, also beruhen nicht auf objektiven Zahlen. Vielmehr sind es verbale Erläuterungen über die Zukunft und daher nur plausibilisierbar. Bei Bedarf können diese Prognosen dennoch mit Zahlen verbunden werden, u.a. zur Überführung in eine Planung oder zur besseren Kontrolle und Visualisierung.

Expertenbefragung als Ansatz

Das bekannteste qualitative Verfahren ist die Expertenbefragung. Im Mittelpunkt steht hierbei, dass die Ersteller die zu tätigende Prognose in Teilprobleme gliedern und diverse Fragen zu den jeweiligen Teilproblemen stellen. Die gewonnenen Erkenntnisse nutzen die Ersteller zur Finalisierung der Hauptprognose.

Vorbereitung als Grundlage

Jedoch braucht eine Prognose eine Vorbereitung sowie Verständnis für die Datengrundlage bzw. vergangene Entwicklung, sonst ist eine Prognose wenig hilfreich. Solange vergangene Entwicklungen nicht richtig analysiert werden, können Fehlinterpretationen entstehen, da z. B. unvollständige Daten oder einmalige Sondereffekte zu Verzerrungen führen.

Ferner ist die Prognose immer in Abgleich mit einer zukünftigen Entwicklung zu sehen. Alleine aus der vergangenen Erfahrung kann keine gute Prognose hervorkommen, vor allem in einem volatilen Umfeld, z. B. wenn es Strukturbrüche gibt und das Geschäftsmodell sich umfänglich ändert. So können die Vergangenheitsdaten aufgrund der potenziellen Entwicklung irrelevant und für die Prognose nicht geeignet sein – erwartungsuntreue Prognosen wären die Folge.

Neuester Ansatz: Predictive Analytics

Durch die Rechenleistung von Computern und den neuen Themenbereich von Big-Data lassen sich gewisse Muster besser erkennen und Prognosen erstellen. Dies wird unter dem Schlagwort Predictive Analytics zusammengefasst und ist gegenwärtig ein erfolgversprechender Ansatz – solange die nötigen Anforderungen erfüllt sind.

Umgang mit Unsicherheit

Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die beste Prognose, bedingt durch die Unsicherheit der Zukunft, zwangsläufig nicht genau so eintritt. Je weiter der Ersteller in die Zukunft blickt, umso schwieriger ist die Prognose und Fehlentscheidungen können folgen.

Daher bedarf es für den Umgang mit der Unsicherheit weiterer Ansätze wie z. B. Prognosen von unterschiedlichen Szenarien, einer Monte-Carlo-Simulation oder einem entsprechenden Entscheidungsprozess.

Nutzen für Unternehmen

Zusammenfassend hilft eine Prognose dem Unternehmen zu identifizieren, welchen Chancen und Risiken es gegenübersteht und wie sich das Unternehmen entwickeln könnte. Allerdings reicht dies alleine nicht aus.

Das Unternehmen muss, um von den Chancen profitieren und mit den Risiken umgehen zu können, mittels der Planung geeignete Maßnahmen definieren. Diese sind wiederum mit den gewonnenen Erkenntnissen auf das Unternehmen zu übertragen, sodass das Unternehmen die richtigen Schlussfolgerungen aus Prognose und Planung zieht.

In Summe kann sich das Unternehmen für die zukünftige Entwicklung besser rüsten, erfolgreicher aufstellen und gegen Krisen wappnen.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Zur besseren Krisenprophylaxe empfiehlt es sich, die Unternehmensentwicklung mehrmals jährlich grob, für die nächsten 12 Monate, zu prognostizieren und stichpunktartig festhalten. Dadurch sieht die Geschäftsführung, welche zukünftigen Herausforderungen entstehen können. Auf diese Entwicklung kann sich das Unternehmen frühzeitig einstellen.

Zur Orientierung und besseren Abbildung auf das Unternehmen sollte ein Unternehmen jährlich eine Planung erstellen. Denn, wie einleitend erwähnt, kann nur eine Kombination aus Prognose und Planung ein erfolgversprechender Ansatz sein.

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema

[Benjamin Schilling]

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