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Mittwoch, 02 November 2016 07:25

In vielen Planungsfällen vernachlässigen Unternehmen fälschlicherweise die Steuerplanung

Die Steuern von Einkommen und Ertrag nehmen bei Unternehmen grundsätzlich einen wesentlichen Anteil vom Unternehmensergebnis ein. Daher ist insbesondere bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) die Berücksichtigung von Steueraufwand / -zahlungen in der Unternehmensplanung – sowohl in der Ertrags- als Liquiditätsplanung – entscheidend.

Allerdings vernachlässigen laut der aktuellen Studie der Nordakademie/Future Value AG „Ist die Unternehmensplanung als Grundlage für Entscheidungen geeignet?“ (vorgetragen auf der Jahreskonferenz 2016 der Risk Management Association e. V.) über 41 % der teilnehmenden Unternehmen die Steuerplanung.

Ohne die Berücksichtigung der Steuerabflüsse ist – aus Ertrags- und Liquiditätssicht – kein betriebswirtschaftlich sinnvolles Endergebnis planbar. Die Ertrags- und Liquiditätsplanung verzerrt sich zu Ungunsten des Unternehmens. Daraus folgt für die Planungsempfänger eine nicht belastbare Entscheidungsgrundlage, die wiederum zu Fehlentscheidungen führen.

Beispiel

Ein Gründungsunternehmen setzt eine Unternehmensplanung auf und vernachlässigt die Steuer von Einkommen und Ertrag. Gleich im ersten Jahr kann das Unternehmen ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 50.000 € erwirtschaften. Da es keine Steuervorauszahlungen geleistet hat, wird es zu einer Steuernachzahlung in Höhe von 15.000 € verpflichtet.

Kurz darauf werden die Steuervorauszahlung für das neue Geschäftsjahr in Höhe von 15.000 € festgelegt, verteilt auf die 4 Quartale. Sollte schon ein Quartal verstrichen sein, verteilt sich der Gesamtbetrag auf die restlichen 3 Quartale. Dadurch sind in einem relativ kleinen Zeitfenster Steuern in Höhe von 30.000 € fällig.

Das Vorjahresergebnis wurde vollständig reinvestiert, da die Steuerzahlungen nicht eingeplant waren. Es wurden auch keine Liquiditätspuffer für die Steuerzahlungen eingeplant, sodass das Unternehmen gegenwärtig nicht in der Lage ist, die Steuerschuld zu begleichen. Im schlimmsten Fall ist das Unternehmen schon nach einem Jahr zahlungsunfähig und muss Insolvenz beantragen.

Dieses Beispiel stellt zwar einen Extremfall dar, er ist jedoch nicht unrealistisch. Gerade in den Anfangsjahren wird die vorhandene Liquidität oft für das Unternehmenswachstum benötigt, da die Leistungserstellung vorfinanziert werden muss. An die Steuerzahlungen für die Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart und Zukunft wird oftmals nicht gedacht.

Fazit

Folglich ist die Einkommens- und Ertragssteuer für die Unternehmensplanung vor allem für die Liquiditätsplanung unverzichtbar. Denn nur dadurch kann das Unternehmen die etwaige Liquiditätsbelastung abschätzen und die nötigen Liquiditätsreserven vorhalten bzw. sich rechtzeitig um deren Ausgleichsmöglichkeiten kümmern. Wenn der Bescheid im Unternehmen ankommt, besteht nur noch ein kurzes Zeitfenster.

Tipp der KANZLEI NICKERT

  • Stimmen Sie die geplante Steuergesamtbelastung mit der Vorauszahlung ab und unterstellen Sie einen Zeitpunkt für die Nachzahlungen. Hierzu sollten Sie bei einer Einjahresplanung die Nachzahlung als Liquiditätspuffer einstellen.
  • Nutzen Sie in der Unternehmensplanung mindestens Schätzwerte für die Steuer, welche auf pauschalen Richtwerten oder überschlägigen Ermittlungen beruhen.
  • Wenn Sie keine wesentlichen Veränderungen des Unternehmensergebnisses planen, können Sie für eine erste Einschätzung die Steuerbelastung des Vorjahres unterstellen.
  • Anzumerken bleibt: Eine abschließende Beurteilung der steuerlichen Gesamtbelastung sollte Ihrem steuerlichen Berater unterliegen.

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema:

[Benjamin Schilling]

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