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Donnerstag, 02 Juni 2016 07:36

Notwendigkeit der Plausibilisierung von Unternehmensplanungen

Unternehmensplanungen leiden oft unter Fehlerquellen. Eine Unternehmensplanung ist in jedem Unternehmen ein wichtiges betriebswirtschaftliches Instrument. Grundsätzlich dient die Unternehmensplanung der Abbildung der zukünftigen Unternehmensentwicklung.

Darauf aufbauend kann es für weitere Ansätze, wie z.B. Zielvorgaben, dienen. Allerdings unterliegt eine Unternehmensplanung oft Fehlerquellen, die die Planung verfälschen können. Auf einer solchen Basis werden unter Umständen falsche Rückschlüsse gezogen und darauf folgend resultieren in der Regel auch nicht vorteilhafte Entscheidungen.

Nur eine aussagekräftige Unternehmensplanung kann als Steuerungs- und Entscheidungs-grundlage herangezogen werden. Kleinere Fehler beeinflussen die Aussagekraft in der Gesamtbetrachtung wenig, wesentliche Fehler hingegen schon.

Fehlerquellen verzerren die Unternehmensplanung

Die Fehlerquellen sind auf diverse Ursachen zurückzuführen, insbesondere auf eine mangelhafte sachlogische / methodische Umsetzung und kognitive Verhaltensmuster der Planungsbeteiligten. Bei letzterem werden die Planungsbeteiligte in ihrem Entscheidungsverhalten durch psychologische Effekte beeinflusst, was zu „falschen“ Planwerten führt.

So verzerren bei 93 % der Decton Studienteilnehmer solche psychologische Effekte die Unternehmensplanung (Studie zu diversen Unternehmensplanungssachverhalten bei 47 Unternehmen im deutschsprachigen Raum, homogene Verteilung der Unternehmensgröße).

Typische Fehlerbilder bei der Unternehmensplanung können z.B. sein

  • Gute Konjunktur: Das Unternehmen plant zu optimistisch, da es weiterhin von guten Geschäften ausgeht. Das Unternehmen analysiert nicht die Zukunft und verlässt sich nur auf die Vergangenheit.
  • Budget Gaming: Das Unternehmen plant zu pessimistisch und baut Puffer in die Planung ein, sodass die Zielvorgaben definitiv erreicht werden; insbesondere bei schlechter Konjunktur.
  • Selbstüberschätzung: Die Planungsbeteiligten überschätzen ihr eigenes Wissen und Leistung; sie bereiten die Planung fehlerhaft auf oder legen falsche Planannahmen zu Grunde.
  • Motivierende Planung: Das Unternehmen plant eher zu hohe Vorgaben, sodass die Mitarbeiter sich besonders anstrengen (relevant für Zielplanung und nicht für Entscheidungsgrundlage).
  • Gruppendenken: Sobald mehrere Planungsbeteiligten der gleichen Ansicht sind, hinterfragen die restlichen Planungsbeteiligten seltener die Planwerte. Da sich alle an die Gruppenmeinung anschließen, werden Risiken oder Planereignisse vernachlässigt.
  • Planfortschreibung: Das Unternehmen schreibt Planwerte von der Vergangenheit fort. Zukünftige Entwicklung berücksichtigt das Unternehmen nicht, obwohl zukünftig meistens eine andere Entwicklung eintrifft.
  • Verfolgung persönlicher oder fachlicher Ziele: Die Unternehmensplanung wird auf persönliche/fachliche Ziele ausgelegt, damit diese erreicht werden.
  • Anlassbezogene Planung: Die Unternehmensplanung wird für gewisse Vorgaben verschönt, z.B. für Unternehmensverkauf oder Banktermin.
  • Hockey-Stick Effekt: Mittelfristige Plannahmen schätzt das Unternehmen falsch ein. Darüber hinaus plant das Unternehmen mittelfristig mit deutlichen Steigerungsraten, obwohl keine tatsächlichen Anzeichen vorliegen.

Tipp der KANZLEI NICKERT

  • Erstellen Sie für die Planung ein Planungshandbuch, indem sie sämtliche Sachverhalte zur Planung definieren; z.B. was ist der Plananlass oder wie läuft der Planungsprozess ab.
  • Legen Sie einen Planungsprozess fest. In diesem klären Sie, welche Abläufe während der Planung zu tätigen sind. Benutzen Sie den Prozess als Checkliste, so wird gewährt, dass keine Punkte vergessen werden.
  • Eine effektive Problemlösung ist vor allem die Plausibilisierung der Planung, insbesondere von externen Personen, die nicht am Planungsprozess beteiligt waren und bestenfalls die obigen Verhaltensmuster/Fehlerquellen kennen. Externe Personen stehen nicht in einer persönlichen Verflechtung zum Unternehmen und können die Unternehmensplanung objektiv bewerten. Hierbei können die „Prüfer“ z.B. die getroffenen Planannahmen oder Planwerte kritisch hinterfragen. Innerhalb der Plausibilisierung kann ein „Prüfer“ eine formelle und eine materielle Plausibilisierung vornehmen:
  • Formelle Plausibilisierung
    Plausibilisierung der Planungssystematik: Analyse der Planungsprozesses
    Rechnerische Plausibilisierung: Abstimmung der Planwerte
  • Materielle Plausibilisierung:
    Plausibilisierung auf Basis externer, marktbezogener Faktoren
    Plausibilisierung auf Basis interner, unternehmensbezogenen Faktoren

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[Benjamin Schilling]

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