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Montag, 31 Januar 2011 10:53

Unternehmensbewertung nach dem BewG vs. objektiver Unternehmenswert gem. IDW S 1

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Santiago Ruiz de Vargas und Thomas Zollner haben im aktuellen Bewertungspraktiker (BewP 4/2010 S. 1 ff) die Unterschiede zwischen der Unternehmensbewertung für erbschaft- und schenkungssteuerliche Zwecke nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren und dem betriebswirtschaftlich orientierten objektiven Unternehmenswert nach IDW S 1 sehr anschaulich herausgearbeitet.

Gemäß § 199 BewG kann zur Bewertung von Unternehmen das vereinfachte Ertragswertverfahren herangezogen werden, wenn es nicht zu unzutreffenden Ergebnissen führt. Im letzteren Fall muss eine ordentliche betriebswirtschaftliche Bewertung erfolgen.

Aus der Gesetzesformulierung folgt, dass selbst dann, wenn das vereinfachte Ertragswertverfahren zu einem zutreffenden Ergebnis führt, dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht eingeräumt wird, eine ordentliche Unternehmensbewertung zur Grundlage der Besteuerung zu machen. Aus diesem Grund haben Santiago Ruiz de Vargas und Thomas Zollner die wesentlichen Unterschiede beider Verfahren herausgearbeitet, die hier tabellarisch abgebildet werden sollen.

Beim vereinfachten Ertragswertverfahren wird davon ausgegangen, dass die Ergebnisse der Vergangenheit so in der Zukunft unendlich fortbestehen. Diese Ergebnisse werden mit einem Kapitalisierungszinssatz diskontiert. Dieser Kapitalisierungszinssatz besteht aus einer gesetzlich festgeschriebenen Marktrisikoprämie und einem jährlich festgelegten Basiszins.

Demgegenüber basiert eine betriebswirtschaftliche Bewertung (objektiver Unternehmenswert) auf einer Unternehmensplanung. In der näheren Zukunft werden die Erträge und Zahlungsströme detailliert, i.d.R. für 3-5 Jahre geplant. An diese Detailplanungsphase schließt sich eine sogenannte Rentenphase an, soweit anzunehmen ist, dass ab Beginn der Rentenphase mit konstanten Unternehmensergebnissen zu rechnen ist. Diese künftigen Zahlungsströme oder Erträge werden mit einem in jedem Fall individuell zu ermittelnden Kapitalisierungszins abgezinst. Der Zinssatz berechnet sich dabei unter Anwendung des CAPM bzw. Tax-CAPM aus einem Basiszins zuzüglich eines Risikozuschlags. Der Kapitalisierungszinssatz wird auf die Verschuldungsstruktur des Unternehmens angepasst.

Bei beiden Verfahren führt eine höhere Diskontierungsgröße (also Erträge) zu einem höheren Unternehmenswert und ein niedrigerer Kapitalisierungszinssatz zu einem höheren Unternehmenswert.

Gutachterkosten können schon bei mittelständischen Unternehmen (Familienunternehmen) gewaltige Ausmaße annehmen. Daher ist es bei der Ausarbeitung eines Konzepts zur Unternehmensnachfolge oder eines Testamentsentwurfs empfehlenswert, Ansatzpunkte herauszuarbeiten, die die voraussichtlichen Unterschiede zwischen dem vereinfachten Ertragswertverfahren und dem objektiven Unternehmenswert aufzeigen.

Sachverhalt steuerlicher Wert BewG - vereinfachtes Ertragsverfahren

betriebswirtschaftlicher Wert IDW S 1 - objektiver Wert

Konzerne und Firmengruppen Das BewG verlangt eine Einzelbewertung jeder Einheit, was höhere Gutachtenkosten auslöst. Der IDW S 1 erlaubt eine Konzernbewertung
Junges Betriebsvermögen Nach dem BewG wird junges Vermögen gesondert bewertet. Dadurch kann eine steuererhöhende Doppelerfassung erfolgen. Junges Vermögen wird im Rahmen der Gesamtbewertung nicht gesondert erfasst.
Abweichung von Handels- zur Steuerbilanz Maßgeblich sind steuerliche Erträge. D. h., soweit die steuerlichen Erträge höher ausfallen, erhöht sich der Unternehmenswert. Maßgeblich sind handelsrechtliche (ausschüttbaren) Werte. Sofern diese höher sind, ist der objektive Wert höher als der steuerliche Wert.
Lebenszyklus, Gewinnerwartungen Das vEW leitet die Kapitalisierungsgröße allein aus der Vergangenheit ab. Daher ist das Verfahren günstiger bei in der Zukunft steigenden Gewinnen.

Der oW leitet die Kapitalisierungsgröße aus den Zukunftserwartungen ab und ist folglich günstiger bei sinkenden Gewinnen.

Rentenformel Das vEW geht von der Formel der ewigen Rente aus und unterstellt, dass die Vergangenheitswerte in der Zukunft in dieser Höhe weiter anfallen werden. Sofern Konsolidierungsphasen absehbar sind, weist das vEW einen überhöhten Unternehmenswert aus. Der oW leitet die Kapitalisierungsgröße aus den Zukunftserwartungen ab und ist folglich günstiger bei sinkenden Gewinnen oder wenn die Konsolidierung in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich abgeschlossen wurde.
Kapitalisierungszins Der Kapitalisierungszins wird gesetzlich bzw. per Rechtsverordnung festgelegt und nicht auf die Verschuldungsstruktur angepasst. Der Kapitalisierungszins wird im Einzelfall ermittelt und auf die Verschuldungsstruktur angepasst.
Basiszins Der Basiszins wird einmal jährlich vom BMF auf Basis von 15 Jahre laufenden Anleihen ermittelt. Er gilt dann für das ganze Jahr. Dieser Basiszins lag historisch fast immer unter dem betriebswirtschaftlich zum jeweiligen Stichtag ermittelten Basiszins. Dies führte praktisch dauern zu Überbewertungen. Der Basiszins wird auf einen Stichtag nach der Svensson Methode ermittelt. Er unterstellt eine praktisch unendliche Anleihe.
Marktrisikoprämie Die Marktrisikoprämie ist starr vom Gesetz mit 4,5 % vorgegeben und liegt damit am unteren Ende des Üblichen, was systematisch zu Überbewertungen führt. Die Marktrisikoprämie wird für jeden Einzelfall ermittelt. Der Fachausschuss Unternehmensbewertung des IDW schlägt einen Zinssatz von 4,5 bis 5,5 % vor.
Beta-Faktor Das vEW kennt keinen Beta- Faktor und keine Verschuldungsstruktur. Dementsprechend ist das vEW Verfahren bei Beta-Faktoren größer 1,0 günstiger, während bei Beta Faktoren kleiner 1,0 der oW günstiger ist. Beim oW wird die Marktrisikoprämie über den Beta Faktor angepasst, wobei die Verschuldungsstruktur berücksichtigt wird. Je nach Branchenzugehörigkeit und Verschuldungsstruktur führt der oW zu höheren oder niedrigeren Werten als das vEW.
Steuerbelastung Die steuerlichen Belastungen werden pauschal mit 30 % angenommen. Je nach der tatsächlichen Belastung führt das vEW zu überhöhten oder verminderten Unternehmenswerten. Beim oW werden die tatsächlichen steuerlichen Belastungen zu Grunde gelegt.
Wachstumsabschlag Das vEW berücksichtigt keine Wachstumsannahme. Beim oW kann in der Rentenphase ein Wachstumsabschlag auf den Kapitalisierungszins vorgenommen werden, was dann zu einer Erhöhung des Unternehmenswerts führt. Daher ist bei prognostiziertem Wachstum in der Rentenphase das vEW günstiger.
Abschläge Das vEW Verfahren kennt keine Abschläge für mangelnde Fungibilität oder Sanierungsbedürftigkeit bzw. KMU Strukturen. Der IDW steht ebenfalls auf dem Standpunkt, dass keine Abschläge (premiums) zulässig sind. Gerde bei KMU und Familienunternehmen sind diese in der Praxis aber weit verbreite. In den USA sind sie sogar Standard.
Änderung der Finanzierungsstruktur Eine Veränderung der Finanzierungsstruktur (Tilgung oder Kreditaufnahme) führt zu anderen künftigen ausschüttbaren Zahlungsüberschüssen. Diese werden beim vergangenheitsorientierten vEW nicht berücksichtigt. Veränderungen der Finanzierungsstruktur werden über die Phasenmethode berücksichtigt.

 

Es empfiehlt sich im Vorfeld von Unternehmerentscheidungen (Unternehmensnachfolge, Unternehmertestament) dringend, eine Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren vorzunehmen und zu überprüfen, ob das vereinfachte Ertragswertverfahren zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt und gegebenenfalls inwieweit der objektive Wert vom steuerlichen Wert abweicht.

Damit ein Gutachten des Steuerpflichtigen von der Finanzverwaltung akzeptiert wird, müssen neben dem Gutachten selbst der Gutachtenersteller gewisse Voraussetzungen erfüllen. Zwar ist das Erstellen von Unternehmensbewertungsgutachten eine Aufgabe auch der Steuerberater (www.bstbk.de unter Downloads/berufsrechtliches Handbuch 5.2.16 Hinweise für die Tätigkeit des Steuerberaters als Sachverständiger) und Wirtschaftsprüfer. Die Finanzverwaltung ist aber bei der Anerkennung eines Gutachters nur aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Beruf des Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers kritisch. So schreibt das Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, 34 - S-3715 - 009 - 36659/09 im Erlass vom 30.12.2009:

„Anforderungen an die Person des Wertermittlers:

Grundsätzlich können die Bewertungen nach den beschriebenen Methoden von jedem vorgenommen werden, der die notwendige Sachkunde besitzt. Soweit bei der Bewertung Erfahrungswerte zugrunde gelegt werden, muss allerdings belegt werden, dass der Wertermittler die entsprechenden Erfahrungen besitzt. Gesetzliche Beschränkungen für den Zugang zur Ausübung des Bewertungsberufes bestehen nicht. Die Empfehlungen der Abgabenordnung für die Auswahl des Gutachters (§ 96 Abs. 3 AO) gelten nicht für Gutachten, die von Steuerpflichtigen in Auftrag gegeben sind.

In der Praxis werden Unternehmensbewertungen vor allem von Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, Unternehmensberatungen und Banken sowie von (öffentlich bestellten und vereidigten) Sachverständigen für Unternehmensbewertung vorgenommen.

Die Gewähr sowohl einer ordnungsgemäßen Erfassung der Fakten als auch der methodisch richtigen Umsetzung des Bewertungsverfahrens ist bei professionellen Wertermittlern gegeben, die genügend praktische Erfahrungen im Bewertungsbereich und die fachliche theoretische Qualifikation haben und diese auch durch entsprechende Diplome oder Zertifikate nachweisen können. Wertgutachten von solchen Personen werden in der Regel weniger kritisch durchleuchtet als Gutachten von Personen, die keine Nachweise für die erforderlichen Fertigkeiten vorlegen können. Gerade im Bereich branchentypischer Bewertung sind oft wenige Wertermittler tätig. Diese haben vielfach auch an der speziellen Ausgestaltung des Bewertungsverfahrens mitgearbeitet. Dass sie die erste Wahl bei der Auswahl eines Wertgutachters sind, liegt auf der Hand."

Das einzige Diplom/Zertifikat für Unternehmensbewerter verleiht in Deutschland die IACVA. Herr Cornelius Nickert hat diese Qualifikation zum CVA (Certified Valuation Analyst) und steht Ihnen bei Fragen rund um die Unternehmensbewertung gerne zur Verfügung.

[Rechtsanwalt & Steuerberater Cornelius Nickert]

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Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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