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Montag, 11 April 2016 12:33

Bewertung von Warenbeständen

Bei Handelsunternehmen ist der Warenbestand ein wesentlicher Vermögenswert und ist dadurch häufig Gegenstand der Risikogestaltung zwischen Lieferant und Händler oder zwischen Händler und Kreditgeber. Handelswaren sind fremdbezogene Gegenstände, die ohne wesentliche Be- und Verarbeitung weiter-veräußert werden. Diese sind nach dem Vollständigkeitsgrundsatz in der Bilanz als Vorräte auszuweisen.

Zunächst muss jedoch geklärt werden, zu welchem Zeitpunkt der Beschaffungsvorgang abgeschlossen und die Ware erstmals in der Bilanz zu aktivieren ist.

Im HGB ist der Begriff Vermögensgegenstand nicht explizit definiert. Ein wesentliches Merkmal eines Vermögensgegenstands besteht allerdings darin, dass es sich um ein Gut handelt, das in der Verfügungsmacht des Unternehmens steht und somit ein Nutzungspotential für das Unternehmen darstellt und dessen Wert selbständig bewertbar ist.

Insofern entspricht der Zeitpunkt der erstmaligen Bilanzierung dem Zeitpunkt der Erlangung der Verfügungsmacht. Dieser Zeitpunkt ergibt sich dann, wenn das Unternehmen Chancen und Risiken aus dem Vermögensgegenstand übernommen bzw. übertragen bekommen hat.

Dies ist meist dann der Fall, wenn das Unternehmen die Ware weiterveräußern und damit Erlöse erzielen kann und das Preisrisiko sowie das Risiko des Untergangs der Ware dem Unternehmen zuzurechnen ist. Dies entspricht häufig dem Übergang des zivilrechtlichen Eigentums. Allerdings ist dies nicht das alleinige Kriterium für die Bilanzierung beim Erwerber. So können Waren auch ohne die Erlangung des zivilrechtlichen Eigentums übertragen werden. Hierunter fallen insbesondere Waren, die zur Sicherung eines Darlehens übereignet wurden, sowie Waren, die unter Eigentumsvorbehalt geliefert wurden.

Bei Handelsunternehmen kennzeichnet sich der Warenbestand durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Artikeln. Er ist in der Bilanz von Handelsunternehmen eine wesentliche Position und somit für das bilanzierende Unternehmen ein zentraler Themenbereich. Häufig bietet sich eine Einzelbewertung auf Artikel-ebene aus Sicht eines wirtschaftlich sinnvollen Rechnungslegungsprozesses nicht an.

Daher wurden sog. Bewertungsvereinfachungsverfahren gesetzlich definiert. Sowohl handels- wie auch steuerrechtlich ist die Durchbrechung des Einzel-bewertungsprinzips unter bestimmten Voraussetzungen zur Vereinfachung der Bewertung zulässig. Das bilanzierende Unternehmen hat das Wahlrecht, eine bestimmte Verbrauchs- oder Veräußerungsfolge zu unterstellen.

Allerdings unterscheiden sich hier Steuer- und Handelsrecht voneinander. Das HGB gestattet die Fiktion für den Wertansatz sowohl nach der Fifo-Methode (first in – first out) als auch nach der Lifo-Methode (last in – first out). Im Steuerrecht dürfen Unternehmen, die ihren Gewinn nach § 5 EStG ermitteln, gem. § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG lediglich die Lifo-Methode unterstellen. Voraussetzung der Bewertungsvereinfachung ist allerdings sowohl handels- als auch steuerrechtlich die Konformität mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung.

Besonderheit bei Handelswaren, BMF-Schreiben vom 12.5.2015

Waren, die zum Verkauf und nicht zur weiteren Verarbeitung dienen, dürfen grundsätzlich nicht mit Hilfe der Lifo-Methode bewertet werden, sofern ihre individuellen Anschaffungskosten mit Hilfe moderner EDV-Systeme ohne weiteres ermittelt werden können. Sollte durch den Einsatz von EDV-Systemen eine
Einzelbewertung möglich sein, verursacht diese aber einen weitergehenden Aufwand oder weitere Ermittlungsschritte, dann ist die Lifo-Methode dennoch
zulässig.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Laut BFM-Schreiben ist der Umfang der weiteren Ermittlungsschritte nicht beachtlich, sodass eine qualitative Würdigung des betriebsindividuellen Sach-verhalts erforderlich ist. Handelsunternehmen sollten demnach bei Inanspruchnahme der Ausnahmeregelung und dem Einsatz eines EDV-Systems zur Beweisvorsorge den voraussichtlich weiteren Aufwand aufzeichnen.

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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