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Mittwoch, 06 April 2016 13:43

Wie trifft man als Unternehmer richtige strategische Entscheidungen?

Die Hauptaufgabe des Unternehmers ist es, Entscheidungen für sein Unternehmen zu treffen. In der Entscheidungssituation stellt sich die Frage, an welchen Kriterien sich eine unternehmerische Entscheidung ausrichten soll. Die spätere Kontrolle ist kein verlässlicher Indikator, ob eine ursprüngliche Entscheidung falsch oder richtig war, "denn auch ein blindes Huhn findet gelegentlich ein Korn".

In der Betriebswirtschaftslehre werden subjektive Momente, wie z. B. das Freiheitsgefühl eines Unternehmers, bei der Entscheidung ausgeblendet. Vielmehr geht es rein um monetäre Wirkungen etwaiger Entscheidungen. Dies sollte kurz beleuchtet werden.

Die folgenden Gedanken können auf alle Arten von unternehmerischen Entscheidungen übertragen werden, denn jede Entscheidung löst finanzielle Konsequenzen aus. Dies gilt unabhängig davon, ob in materielle Güter oder z. B. in Personal investiert oder sogar wenn desinvestiert wird.

Früher: Payback-Methode

Früher wurden Entscheidungen nach der sog. Payback-Methode getroffen. D.h. der Unternehmer fragte sich, ob er aus der Investition so viel Erfolg erhält, um den Investitionspreis zu bezahlen. Dies berücksichtigte nicht, dass bei der Investition zu Beginn eine Auszahlung erfolgt und erst über die Nutzungsdauer des Investitionsguts die Zahlungsströme zurückfließen.

Der Unternehmer hat also einen Zinsschaden durch die zeitlich auseinander fallenden Zahlungs-ströme. Mittlerweile ist man sich einig, dass eine Investition neben der Rückzahlung des Inves-titionsbetrags einen angemessenen Zinsbeitrag beisteuern muss.

Dynamische Investitionslehre

Daher wurden in der jüngeren Vergangenheit bis heute im Rahmen der dynamischen Investitionsrechnung Entscheidungen verlangt, die Amortisation und den Zinsnachteil die kompensieren und darüber hinaus einen positiven Wertbeitrag für das Unternehmen bei zu steuern (Return on Invest, ROI). Eine solche Berechnung setzt aber die künftige Entwicklung als sicher voraus.

Problem der Ungewissheit

Die Zukunft ist aber ungewiss. Ein Unternehmer könnte z. B. vor folgender Situation stehen: Eine Produktionsmaschine wird altersschwach. Er hat folgende Optionen:

A: Eine vollkommene Überholung der technisch leicht veralteten Maschine zu einem geringen Betrag. Neugarantie des Unternehmers: 2 Jahre.

B: Ein Ersatzobjekt auf dem technisch neuesten Stand. Es besteht aber Unsicherheit in der Bedienung seitens der Mitarbeiter.

C: Eine identische Neumaschine, die die Altmaschine ersetzt.

D: Ein vollkommen neues Fertigungsverfahren mit einer hoch innovativen modernen neuen aber teuren Maschine mit großen Ertragsaussichten.

Wie soll er sich entscheiden?

bwl grafik 01
Risiko-Maximal-Linie

Die möglichen Erträge wurden als ROI in der Tabelle dargestellt. Nach dieser Darstellung wäre die innovative Neumaschine (D) empfehlenswert, zeigt sie doch den höchsten ROI. Eine solche Betrachtung unterstellt aber, dass der zu erwartende ROI sicher ist.


Tatsächlich aber ist die Zukunft ungewiss. Diese Ungewissheit sollte in der Entscheidung berücksichtigt werden. So könnte z. B. die neueste Technologie noch nicht in der Praxis um-setzbar sein. Z. B. könnten die Qualitätsanforderungen der Kunden nicht erfüllt werden. Dann wäre die Investition ein Flop und müsste abgeschrieben werden.


Ist der Investitionspreis zu hoch, könnte dies das Unternehmen in die Insolvenz führen. Daher sollte es sog. Maximalrisikolinien geben, d.h. Werte, die nicht überschritten werden, weil andernfalls im Schadensfall das Unternehmen ruiniert würde. Im vorliegenden Fall liegt das Projekt B und D oberhalb der Risiko-Maximal-Linie.

Trotz höheren Ertrags wäre die Investition nicht zu tätigen, weil es sich andernfalls um ein Spekulationsgeschäft handeln würde.


Bleiben also noch die Alternativen Überholung der Maschine oder eine baugleiche Ersatz-maschine. Soweit man die Alternativen betrachtet, ist die Variante A, also die Überholung, der Variante C überlegen. Sie weist einen höheren ROI auf.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sowohl bei Projekt A als auch bei Projekt B unter-schiedliche Ungewissheiten hinter den Investitionen stecken. Bei Projekt A gibt es eine Garantie für die überholten Teile, nicht aber für die noch in der Maschine befindlichen Altteile. Insoweit ist das Risiko eines Maschinenversagens bei Projekt A größer als bei Projekt C.

bwl grafik 02

Risiko-Präferenz

Um zu entscheiden, welche der beiden Möglichkeiten vorgezogen werden soll, muss die persönliche Risikopräferenz des Unternehmers ermittelt werden. In der Wirtschaft verteilt es sich üblicherweise so, dass höheren Risiken höhere Erträge gegenüberstehen und geringeren Risiken geringere Erträge. Betriebswirtschaftlich falsch wäre es, große Risiken einzugehen, denen nur geringe Ertragspotentiale gegenüberstehen.

Manche Menschen sind risikofreudig bzw. risikoaffin und gehen im Hinblick auf höhere Erträge größere Risiken ein. Andere wiederum sind risikoscheu oder risikoavers und meiden eher die Risiken. Von Risiko-Neutralität spricht man, wenn Menschen Chancen und Risiken den gleichen Wert beimessen. Psychologen haben aber herausgefunden, dass die Menschen eher risikoavers sind. Sie gewichten Risiken größer als Chancen. Dies ist allerdings nur ein empirischer Befund und hindert Menschen nicht daran, bewusst und sehenden Auges in der Hoffnung auf große Erträge große oder größere Risiken einzugehen.

Insoweit sollte sich ein Unternehmer fragen, ob und in welchem Umfang er Risiken eingehen möchte, um daraus seine strategischen Unternehmens-Entscheidungen ableiten zu können.

Im vorliegenden Fall ist diese Risiko-Präferenz-Linie in der Grafik abgetragen und es zeigt sich, dass das Projekt C (Ersatz der alten Maschine durch eine baugleiche Neumaschine) vorzugswürdig ist, obwohl dieses Projekt den geringsten ROI aller Optionen aufzeigt.

bwl grafik 03

Anwendung für wesentliche Entscheidungen

Es ist selbstverständlich, dass derartige Ermittlungen und Erwägungen nicht bei geringfügigen Entscheidungen anzustellen sind, z. B. beim Kauf eines Kleinwagens. Sie stellen sich aber bei wesentlichen strategischen Entscheidungen, z. B. bei der Entscheidung über einen Immobilienneubau in verschiedenen Ausprägungen alternativ zu einer Renovierung im Bestand nebst Anbau einer weiteren Immobilie. Entsprechendes gilt für den Kauf oder Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Legen Sie, ggf. zusammen mit den Anteilseignern, fest, welche Risiko-Maximal-Linien und welche Risiko-Präferenz für strategische unternehmerische Entscheidungen zu berücksichtigen sind. Sie verhindern dadurch zwar nicht sicher Fehlentscheidungen, Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung aber erheblich.

Autoreninfo

nico-testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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