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Dienstag, 28 April 2015 08:24

Kernkompetenzen des Industriebetriebs

Der Wettbewerbsdruck, der vor allem auch durch die Globalisierungsentwicklungen geprägt ist, zwingt Unternehmen, sich stärker als je zuvor mit ihren Kernkompetenzen auseinandersetzen, um am Markt nachhaltig erfolgreich bestehen zu können.

Im Kern geht es darum, die vorhandenen Kernkompetenzen zu erhalten und – wenn möglich – neue aufzubauen. Dadurch schirmt der Unternehmer sein Unternehmen von Gefahren ab und entwickelt sich i.d.R. besser als seine Mitbewerber.

Die Erkennung, die Messung, die Steuerung und die Entwicklung von Kernkompetenzen spielen in der Industriebranche eine immer wichtigere Rolle. Traditionelle Produktionsfaktoren, wie Arbeit, Boden und Kapital, verlieren an Bedeutung. Im Gegensatz hierzu gewinnen Wissen, Prozess- und Innovationsfähigkeit, Methodensicherheit und schnelle Wandlungsfähigkeit an Bedeutung.

Die Ursachen hierfür liegen unter anderem im steigenden Anspruch der Kunden am Markt. Aufgrund der vorhandenen Möglichkeiten wird ein Unternehmen mit „Standardprodukten" und „Standardproduktionsverfahren" immer vergleichbarer. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass bereits in den vergangenen Jahren viele Produkte den Produktionsstandort Deutschland verlassen haben, weil eine wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland aufgrund des Kostenniveaus nicht mehr möglich gewesen ist. Ohne Mehrwert wollen viele Kunden den Mehrpreis auch nicht mehr bezahlen bzw. können sie es auch nicht, da sie sonst mit ihren eigenen Produkten in Absatzprobleme kommen könnten.

Eine weitere Verschärfung tritt aufgrund der Tatsache ein, dass z. B. die Unternehmen in Schwellenländern mittlerweile das Ziel haben, sich von der „verlängerten Werkbank" hin zum Innovationspartner zu entwickeln. Die inländischen Unternehmer müssen sich dieser Entwicklung bewusst sein und sich rechtzeitig damit befassen. Denn der Druck wird sich weiter vergrößern anstatt nachlassen.

Abschirmung

Welches sind meine Kernkompetenzen? Es geht um den strategischen Kern des Unternehmens. Wo habe ich Wettbewerbsvorteile und warum? Wie kann ich sie erhalten, absichern und gegebenenfalls sogar ausbauen? Woraus resultiert mein Alleinstellungsmerkmal? Wie sicher ist mein Alleinstellungsmerkmal?

Wenn Sie diese Fragen für sich positiv beantworten können, sind sie schon relativ weit. Kernkompetenzen sind schwierig zu kopieren und die Wettbewerber brauchen viel Zeit, wenn es ihnen überhaupt möglich ist, diese zu imitieren bzw. selbst aufzubauen.

Sie liefern Ihren Kunden durch die Kernkompetenzen einen Mehrwert und die Kunden sind bereit, für diesen auch zu bezahlen. Deshalb sind die Erhaltung und die Entwicklung von Kernkompetenzen so wichtig.

Hamel sagte einmal: „Core competencies are the skills which enable a firm to deliver a fundamental cusotmer benefit."

Im Industriebetrieb

In Industriebtrieben gibt es eine hohe Zahl an Bereichen, in denen Kernkompetenzen vorhanden sein können. Nicht jedes Unternehmen ist gleich. Deshalb ist eine individuelle Analyse erforderlich. Bei vielen Unternehmen geht es um das technologische Know-how. In diesem Bereich ist es unter Umständen sogar sinnvoll, mit rechtlichen Absicherungen zu arbeiten – Stichwort: Patentschutz. Innovative Unternehmen sind am Markt nachweislich erfolgreicher (vgl. „Forschung & Entwicklung", das magazin 2/2014, Seite 28).

Die Fähigkeit von Unternehmen, Komplettlösungen anbieten zu können, ist eine weitere Möglichkeit, eine Kernkompetenz zu besitzen.

Auch im Bereich der Logistik trennt sich oftmals die Spreu vom Weizen. Schlechte Logistikprozesse führen i.d.R. zu Wettbewerbsnachteilen. Bei Betrachtung vom Zeitpunkt der Materialbestellung (Anlieferung Rohstoffe, Halbfertigwaren etc.) bis zur Auslieferung des Produkts fallen viele Bereiche in den Analysefokus. Das Vorfinanzierungsvolumen in einem Industriebetrieb ist enorm. Bis zur Auslieferung des Produkts und bis zur Abrechnung muss das Unternehmen mit Lohnkosten, Materialkosten, Gemeinkosten etc. in Vorleistung gehen. Eine optimale Logistikkette birgt großes Einsparpotenzial.

Durch eine optimal abgestimmte Logistik und Produktion kann ein Unternehmen sich große Wettbewerbsvorteile verschaffen. Darin eingeschlossen sind Flexibilitätsvorteile, auch in Bezug auf Produktionsumstellung und Prozesssicherheit. Unternehmen, die flexibel auf ihre Kunden reagieren können, fristgerecht liefern – und dies in einer konstant hohen Qualität – verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Dies zu erreichen erfordert neben guten Maschinen, fähige Mitarbeiter und perfekt abgestimmte Prozesse.

Mitarbeiter und Wissensmanagement

Der industrielle Sektor erfordert aufgrund der technologischen Entwicklung einen immer höheren Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern (vgl. „Attraktivität als Arbeitgeber", das magazin 3/2013, Seite 26). Aufgrund des demografischen Wandels und dem erschwerten Zugang zu diesen Fachkräften wird zukünftig auch in Industriebetrieben das Wissensmanagement an Stellenwert gewinnen. Viele langjährige Mitarbeiter haben ein großes Detailwissen.

Ist dieses jedoch nicht dokumentiert und transparent, verlässt dieses Wissen jeden Tag mit Beendigung der Arbeit das Werksgelände. Im Zeitpunkt des Arbeitgeberwechsels oder Ruhestand sogar für immer. Durch eine standardisierte Dokumentation von diesem Wissen bringt der Unternehmer sein Unternehmen nach vorne, denn die Neuen können von dem Wissen der „alten Hasen" profitieren und darauf aufbauen.

Weiterentwicklung

Die Kernkompetenzen sind stets weiterzuentwickeln, denn der Wettbewerb schläft nicht. Den erreichten strategischen Wettbewerbsvorteil muss man pflegen, absichern und ausbauen. Hierzu muss die Unternehmensführung sich mit den richtigen Dingen befassen. Es geht nicht darum, der Schnellste zu sein. Es ist aber wichtig, immer einen Tick besser als der Wettbewerb zu sein.

Zugang zu Kapital

Weiterentwicklung geht einher mit der Möglichkeit, die erforderlichen Investitionen tätigen zu können. Zugang zu Kapital ist zwar keine Kernkompetenz im eigentlichen Sinne, trotzdem ist es ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, wenn es darum geht, Wettbewerbsvorteile ausbauen und entwickeln zu können – gerade im investitionslastigen Industrieumfeld.

Aktualität

Viele mittelständische Unternehmen stehen derzeit z. B. vor der Frage, ob sie den Weg ins Ausland gehen sollen. Teilweise stellt sich die Frage für sie nicht, weil sie die Antwort ohnehin von ihren Kunden (mächtigen Großunternehmen) aufgedrückt bekommen. Ein solcher Schritt muss neben dem erheblichen Investitionsvolumen auch unter dem Gesichtspunkt der Kernkompetenzenerhaltung, -entwicklung und -ausbaus entschieden werden.

Ein weiteres Augenmerk ist auf das Programm „Industrie 4.0" zu legen. Hierbei handelt es sich um ein Zukunftsprojekt in der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Dabei soll die Informatisierung der Fertigungstechnik vorangetrieben werden. Das Ziel ist „die intelligente Fabrik".

Auch dem Thema 3D-Druck sollte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Technologie ist noch relativ neu und entwickelt sich schnell. Ob und inwieweit diese Technologie sich auf das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens auswirkt, sollten Sie analysieren.

Das Thema Kernkompetenz ist brandaktuell. Diesem Thema wird schon lange ein hoher Stellenwert beigemessen. Durch die schnellen Änderungen in der heutigen Zeit, die in diesem Ausmaß so früher noch nicht vorhanden waren, ist die Bedeutung noch einmal gestiegen. Befassen Sie sich rechtzeitig damit, um im Wettbewerb immer einen Schritt vor den anderen zu sein.

[Matthias Kühne, Sebastian Broß]

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