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Montag, 13 Dezember 2010 14:32

BilMoG - Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

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Das BilMoG - zum 29.5.2009 in Kraft getreten - ist seit dem BiRiLiG die größte HGB-Bilanzreform. Das BilMoG war notwendig, um das HGB-Bilanzrecht an die IFRS-Regelungen anzupassen. Hierdurch verschiebt sich das deutsche Bilanzbild weg von einem gläubigerschutzorientierten hin zu einem informationsorientierten Bilanzbild. Durch diese Anhebung des Informationsniveaus sollen die Anforderungen des Kapitalmarkts berücksichtigt werden. Den Unternehmen soll so ein verbesserter Zugang zu günstigen Finanzierungsmitteln ermöglicht werden.

Folgende Bilanzpositionen sind besonders von den Neuregelungen des BilMoG betroffen:

Selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände/aktivierte Entwicklungskosten

Eine gravierende Änderung im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes ist die Aufhebung des Ansatzverbotes für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände. Bei dieser Position besteht nunmehr ein Ansatzwahlrecht.

Vertiefende und weiterführende Informationen zu dieser Position finden Sie auf unserem Whitepaper „Aktivierung immaterieller Vermögensgegenstände zur Erhöhung der Eigenkapitalquote" unter www.kanzlei-nickert.de/veroeffentlichungen/downloads/235-whitepaper.html

Derivativer Geschäfts- und Firmenwert

Als derivativer Geschäfts- und Firmenwert wird der entgeltlich erworbene Firmenwert verstanden, nicht der selbst geschaffene. Bisher bestand im HGB für diese Position ein Ansatzwahlrecht. Das BilMoG erhebt diesen Posten zu einem fiktiven begrenzt abnutzbaren Vermögensgegenstand, für den eine Ansatzpflicht besteht. Hierbei wird eine Nutzungsdauer von 5 Jahren angenommen. Der selbst geschaffene Firmenwert wird auch zukünftig nicht angesetzt werden können, da es insoweit an Forschungs- und Entwicklungskosten fehlt.

Pensionsrückstellungen

Die wohl am weitesten reichende Änderung wurde im Bereich der Rückstellungen bei den Pensionsrückstellungen vorgenommen. Diese Änderung betrifft eine Großzahl von Unternehmen. Bereits ab dem Zeitpunkt der Umstellung auf IFRS ist bekannt, dass in der Bilanzposition Pensionsrückstellungen große stille Reserven schlummern. Im Mittel liegen diese Beträge bei etwa 35% des bilanzierten Betrags. Grund für die bisherige eher unrealistische Bilanzierung ist die steuerliche Bewertungsregel, die besagt, dass Rückstellungen mit seit Jahren unverändertem Zinssatz von 6% abzuzinsen sind.

Nach einer Faustregel macht die Absenkung um einen Prozentpunkt einen Wertunterschied von 20% aus. Aufgrund der neuen Bewertungsvorschriften des HGB, bei denen Zukunftstrends bei der Dynamisierung und der Abzinsung mit dem Marktzins berücksichtigt werden, wird eine realistischere Bewertung der Pensionsrückstellungen erfolgen.

Da durch die Umstellung der Bewertung von Pensionsrückstellungen große Nachdotierungen zu erwarten sind, dürfen diese auf 15 Jahre verteilt werden. Sofern eine Unterdeckung besteht, müssen diese Fehlbeträge im Anhang angegeben werden. In der Steuerbilanz bleibt es bei der Bewertung mit 6% und somit einer Unterbewertung. Aufgrund dieser Position wird es zwingend ein Auseinanderfallen von Handelsbilanz und Steuerbilanz geben. Die Möglichkeit der Erstellung einer bisher noch häufig vorkommenden Einheitsbilanz rückt in immer weitere Ferne.
Eine weitere Problematik, die aufgrund des Auseinanderfallens von Handels- und Steuerbilanz im Zuge des BilMoG weiter in den Blickpunkt gerät, ist die der latenten Steuern.

Latente Steuern sind fiktive Steuern auf die Bewertungsunterschiede zwischen der Handels- und der Steuerbilanz. Für aktive latente Steuern gilt ein Aktivierungswahlrecht - für passive latente Steuern dagegen eine Passivierungspflicht. Aktive latente Steuern bedeuten, dass das handelsrechtliche Ergebnis niedriger ist als das steuerliche Ergebnis. Bei den passiven latenten Steuern ist es gerade umgekehrt. Für die latenten Steuern gilt ein sogenannter Nettoausweis. Das bedeutet, dass die aktiven und passiven latenten Steuern zu saldieren sind. Sofern sich ein aktiver latenter Steuerüberhang ergibt und von dem Ansatzwahlrecht Gebrauch gemacht wird, besteht insoweit eine Ausschüttungssperre.

Diese zahlreichen Änderungen des Bilanzrechts aufgrund des BilMoG stellen auch die Bilanzanalyse und das Rating vor neue Herausforderungen, da die Annäherung an IFRS sich auf die kritischen Bilanzpositionen bezieht, die ebenfalls die Problemfelder der Bilanzanalyse darstellen.

Durch die Umstellung kommt es zu einem Bruch, der die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse erschwert. Ebenso treten bei wichtigen Kennzahlen gravierende Änderungen auf, beispielsweise bei den Eigenkapitalkennzahlen oder den ergebnisbezogenen Kennzahlen. Eine der wenigen Größen, die mehr oder weniger unabhängig von Bewertungsvorschriften und Bilanzpolitik ist, ist der Cash-Flow. Es ist daher anzunehmen, dass diese Kennzahl im Umbruchzeitraum an Wichtigkeit zunimmt.

Autoreninfo

huka testKatharina Zapf

Steuerberaterin, Dipl. Betriebswirtin (BA)

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