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Dienstag, 08 April 2014 09:38

Magazin: Net Working Capital

Das Net Working Capital, auch als Nettoumlaufvermögen bezeichnet, ist eine Bilanzkennzahl, die Auskünfte über die Finanzierungstruktur eines Unternehmens gibt. Bei der Berechnung des Net Working Capital wird das Umlaufvermögen um die vorhandenen liquiden Mittel sowie die kurzfristigen Verbindlichkeiten gekürzt. Das Net Working Capital stellt also den Kapitalbedarf eines Unternehmens dar, der zur Abwicklung des operativen Geschäftsbetriebs benötigt wird.

Eine hohe Net Working Capital Bildung ist stets mit einem hohen Kapitalbedarf verbunden, da das in den Vorräten und Forderungen gebundene Kapital erst bei der Bezahlung der hergestellten Waren wieder in Form von liquiden Mitteln dem Unternehmen zur Verfügung steht, um für erneute Investitionen bzw. den laufenden Geschäftsbetrieb eingesetzt zu werden.

Durch die Berechnung wird somit offen gelegt, zu welchen Teilen das kurzfristig veräußerbare Umlaufvermögen mittel- bzw. langfristig finanziert ist.

Zieht man die richtigen Rückschlüsse aus der Betrachtung des Net Working Capital, kann dies als Steuerungsinstrument zur Verbesserung der Liquidität und Rentabilität eines Unternehmens eingesetzt werden. Dabei wird logischerweise die Reduzierung des Working Capital angestrebt, um die finanziellen Ströme des Unternehmens zu optimieren und die Innenfinanzierungsspielräume nachhaltig zu erhöhen.

D.h. das Unternehmen hebt dadurch unternehmensintern Finanzierungspotenziale, die nicht mehr durch externe Partner, wie z. B. die finanzierende Hausbank gedeckt werden müssen.

Für die Verbesserung der Finanzierung des Net Working Capital sollten allerdings noch weitere Kennzahlen herangezogen werden. So spielen z. B. auch die Forderungslaufzeit, sowie das Zahlungsziel der Kunden eine erhebliche Rolle bei der Steuerung des Net Working Capital Bestandes. Ist es möglich, mit den Kunden kürzere Zahlungsziele zu vereinbaren, resultiert daraus ein wesentlicher Liquiditätshebel.

Nehmen wir z. B. an, ein Unternehmen hat monatliche Umsätze von 200.000 € und bietet seinen Kunden ein Zahlungsziel von 60 Tagen an. Der durchschnittliche Forderungsbestand liegt damit bei rund 400.000 €. Ist das Unternehmen in der Lage, eine Verkürzung auf 30 Tage zu erreichen, resultiert daraus ein einmaliger Liquiditätseffekt von 200.000 €. Die Auswirkungen aus der Optimierung der Forderungslaufzeit können demnach enorm sein.

Die regelmäßige Analyse und Kontrolle dieser Kennzahlen sowie der dazugehörigen Prozesse sollten regelmäßig und routinemäßig überprüft werden. Der Unternehmer muss dabei im Voraus Zielwerte für die einzelnen Bereiche definieren, damit ihre Einhaltung bzw. der Grad der Erreichung festgestellt werden kann.

Jede Verbesserung des Net Working Capital, z. B. durch die angesprochene Verkürzung der Bindungsdauer bei Kundenforderungen, Verringerung der Lagerbestände oder die Verlängerung der Bindungsdauer bei Lieferantenverbindlichkeiten, setzt liquide Mittel im Unternehmen frei. Das hat für das Unternehmen unter anderem eine Erhöhung der Eigenkapitalquote, sowie eine Verringerung der Bilanzsumme durch Abbau des Fremdkapitals und gleichzeitiger Verringerung des Zinsaufwands in der Gewinn- und Verlustrechnung zur Folge.

Zielsetzung

Grundsätzliches Ziel eines Unternehmens sollte stets ein positives Net Working Capital sein. Weißt ein Unternehmen ein negatives Net Working Capital aus, ist das ein Indiz für die Nichteinhaltung der goldenen Bilanzregeln. Das Unternehmen ist nicht in der Lage, das Anlagevermögen, sowie das langfristige Umlaufvermögen durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital zu finanzieren.

Kurz gesagt sollte langfristig zur Verfügung stehendes bzw. benötigtes Vermögen auch langfristig finanziert sein. Das kurzfristige Vermögen kann auch kurzfristig finanziert sein, wobei ein Teil der langfristigen Finanzierung auch das kurzfristig zur Verfügung stehende Vermögen decken sollte.

Schlecht ist es, wenn langfristig benötigtes Vermögen durch kurzfristige Verbindlichkeiten gedeckt ist. Die Fristenkongruenz wäre nicht mehr gegeben und dadurch wäre die finanzielle Stabilität des Unternehmens gefährdet.

"Analysieren Sie Ihre Zahlen und nutzen Sie das Optimierungspotenzial, um erstens unabhängiger von Dritten zu werden und zweitens eine stabilere Finanzierungssituation zu erreichen, mit der es dann unter Umständen bei anstehendem Finanzierungsbedarf auch einfacher wird, frische Mittel bei der Bank anfragen zu können."

[Joel Münchenbach]

HINWEIS

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