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Sonntag, 01 August 2010 03:19

Magazin: Gesellschafterfinanzierung

Katarina Zapf, Diplom Betriebswirtin (BA)Rechtsformen im Vergleich

Wenn Gesellschafter ihrer Gesellschaft Geld zur Verfügung stellen, spricht man allgemein von Gesellschafterfinanzierung, wobei mit Finanzierung meist Fremdkapital verbunden wird. Je nach Rechtsform ist dies allerdings unterschiedlich zu bewerten und führt auch bei der Besteuerung zu unterschiedlichen Ergebnissen – sowohl auf Gesellschaftsebene, wie auch auf Gesellschafterebene.

 

Zivilrecht

Für die Behandlung von Darlehen eines Gesellschafters an seine Gesellschaft muss man unterscheiden, ob es sich um eine Kapitalgesellschaft, eine Personengesellschaft oder ein Einzelunternehmen handelt. Zivilrechtlich kommt es darauf an, ob die jeweilige Gesellschaft bzw. das Einzelunternehmen eine rechtlich selbständige Person ist bzw. im eigenen Namen Rechte erwerben oder Verbindlichkeiten eingehen kann. Im Fall der Handelsgesellschaften wie OHG, KG und GmbH & Co. KG ist dies in § 124 HGB geregelt, der besagt, dass Handelsgesellschaften in ihrem Namen Rechtsgeschäfte abschließen können. D. h. Verträge zwischen der Gesellschaft und einem Gesellschafter sind zivilrechtlich zulässig. Kapitalgesellschaften sind eigenständige „juristische Personen" und können als solche ebenfalls in eigenem Namen Rechtsgeschäfte eingehen. Wie zivilrechtlich wirksame Darlehensverträge bei den einzelnen Rechtsformen steuerlich gewürdigt werden, wird nachfolgend erläutert.

Steuerrecht: Gesellschaftsebene

Eine Darlehensvereinbarung zwischen dem Gesellschafter und der Kapitalgesellschaft ist selbst bei einer rein gesellschaftsrechtlichen Veranlassung grundsätzlich anzuerkennen. Somit sind steuerlich die vertraglichen Regelungen entsprechend nachzuvollziehen. Das Gesellschafterdarlehen stellt deshalb beim Gesellschafter eine Darlehensforderung dar, bei der Gesellschaft eine Verbindlichkeit. Die Fremdkapitalzinsen sind bei der Gesellschaft Betriebsausgaben, beim Empfänger Zinseinnahmen. Die Vereinbarung wird jedoch auf ihre Angemessenheit überprüft: Sind die gezahlten Zinsen überhöht, so werden die Zinsen nur in der angemessenen Höhe als Betriebsausgaben anerkannt. Der übersteigende Restbetrag wird dann als verdeckte Gewinnausschüttung behandelt, d.h. bei der Gesellschaft wie eine Auszahlung von Gewinnen behandelt und beim Gesellschafter wie der Erhalt einer Dividende. Sind die gezahlten Zinsen dagegen unüblich niedrig, so findet keine Korrektur statt. Bei der Körperschaftsteuer ist hier auch § 8aKStG in Verbindung mit § 4h EStG, auch bekannt als "Zinsschranke", zu beachten. Hierdurch soll vermieden werden, dass Kapitalgesellschaften nur noch durch Darlehen und nicht mehr durch Eigenkapital finanziert werden und so die Körperschaftsteuer gemindert wird.

Ab 2008 müssen bei der Gewerbesteuer grundsätzlich25 % der Zinsen dem steuerlichen Gewinnhinzugerechnet werden, sofern diese einen Betrag von 100.000 € übersteigen. Gesellschafterdarlehen eines Mitunternehmers an eine Personengesellschaft sind einkommensteuerrechtlichgrundsätzlich nicht anzuerkennen(§ 15 I Nr.2 EStG). Daher stellen die Zahlungen der Personengesellschaft an den Gesellschafter für die Überlassung eines Gesellschafterdarlehens aus steuerlicher Sicht keine Zinszahlung dar, sondern lediglich eine Auszahlung von Gewinnen. Handelsrechtlich werden schuldrechtliche Verträge zwischen der Personengesellschaft und ihren Gesellschaftern anerkannt. Auf der Ebene der Gesellschaft stellen die Zinszahlungen daher Aufwand dar und sind in der Gewinn- und Verlustrechnung gewinnmindernd zu verbuchen. Steuerrechtlich werden diese Vereinbarungen nicht anerkannt. Daher müssen sie für das steuerliche Ergebnis wieder hinzugerechnet werden
– weshalb das Ergebnis des Jahresabschlusses oft nicht mit dem steuerlichen Ergebnis übereinstimmt. Diese Abweichung wird in der Überleitungsrechnung
ermittelt.

Steuerrecht: Gesellschafterebene

Beim Gesellschafter der Kapitalgesellschaft sind die Zinszahlungen aus der Hingabe eines Darlehens an die Gesellschaft Einkünfte aus Kapitalvermögen. Ist der Gesellschafter zu mehr als 10%an der Kapitalgesellschaft beteiligt, unterliegen die Einnahmen aus den Zinszahlungen nicht der Abgeltungssteuer, sondern sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Vergütungen, die ein Mitunternehmer einer Personengesellschaft für die Hingabe eines Darlehens bezieht, sind nach § 15 Abs. 1 Nr. 2EStG stets Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die Vergütungen sind in der gesonderten und einheitlichen Feststellung in den Gewinn der Personengesellschaft einzubeziehen und den betreffenden Gesellschaftern vorab zuzurechnen.

„Denken Sie bei der Wahl der richtigen Rechtsform auch an die Auswirkungen auf die (steuerliche) Behandlung der Gesellschafterdarlehen."

Bei der Kapitalgesellschaft kann durchein Gesellschafterdarlehen und die angemessene Verzinsung das zu versteuernde Einkommen der Kapitalgesellschaft gemindert werden. Dadurch fällt auf Ebene der Kapitalgesellschaft weniger Körperschaftsteuer und weniger Gewerbesteuer an. Bei der Personengesellschaft mindern die Zinszahlungen den steuerlichen Gewinn nicht, wie auch das Schaubildverdeutlicht.

[Katharina Zapf, Diplom Betriebswirtin (BA)]

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