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Dienstag, 10 August 2010 11:44

Refinanzierungszinsen beim Beteiligungserwerb von Personen- und Kapitalgesellschaften (ohne Berücksichtigung von Gewerbesteuer)

Katarina Zapf, Diplom Betriebswirtin (BA)Cornelius Nickert, Rechtsanwalt & Steuerberater

Das Problem

Sie möchten eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft oder eine Beteiligung daran kaufen und müssen den Kaufpreis bei der Bank refinanzieren.

Die Frage

Wie wirkt sich die Refinanzierung steuerlich aus? Welche Gesellschaftsform ist steuerlich günstiger?

Die Interessenlage

Die Gesellschafter möchten die Zinsen, die sie an die Bank bezahlen, steuerlich geltend machen. Außerdem soll verhindert werden, dass für das Geschäftsführergehalt Einkommensteuer zu bezahlen ist, obwohl die Gesellschaft keinen oder keinen hohen Gewinn erzielt.

Personengesellschaft

Die Personengesellschaft zahlt keine Einkommensteuer. Vielmehr wird der Gewinn der Gesellschaft nach steuerlichen Kriterien ermittelt und den Gesellschaftern der Gesellschaft zugewiesen, die diesen Gewinn dann versteuern müssen.

Soweit Sie ein Darlehen aufnehmen, um den Kaufpreis zu bezahlen, handelt es sich um sogenanntes Sonderbetriebsvermögen. D. h. die Zinsen, die Sie an die Bank zahlen, sind sogenannte Sonderbetriebsausgaben. Sie können diese Ausgaben mit Ihren übrigen Einkünften aus der Beteiligung (Gewinnzuweisung und/oder Tätigkeitsvergütung für die Geschäftsführung) saldieren. Damit sind die Zinsen voll abzugsfähig.

Sofern ein Kaufpreis bezahlt wird, der höher ist als das Kapitalkonto, kann dieser Aufstockungsbetrag zusätzlich abgeschrieben werden und mindert damit die persönliche Steuerlast des Käufers.

Kapitalgesellschaft

Die Kapitalgesellschaft zahlt auf ihre Gewinne Körperschaftsteuer. Sofern die Gesellschaft Gewinne ausschüttet, werden diese beim Gesellschafter zusätzlich versteuert. Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, wurde der Körperschaftsteuersatz auf 15 % abgesenkt und die Gewinne bei Anteilen im Privatvermögen mit der Abgeltungssteuer von 25 % belegt oder auf Antrag 60 % der ausgeschütteten Gewinne mit dem individuellen Steuersatz versteuert.

Bei der Kapitalgesellschaft sind Refinanzierungszinsen auf Beteiligungen im Privatvermögen grundsätzlich nicht abzugsfähig. Sie können aber die Zinsen über eine Optionsmöglichkeit berücksichtigen, wenn Sie an der Kapitalgesellschaft zu mindestens 25 % beteiligt sind oder zu mindestens 1 % beteiligt sind und für diese Kapitalgesellschaft beruflich tätig sind. Dann sind die Refinanzierungszinsen zu 60 % abzugsfähig. Die Option muss spätestens mit der Abgabe der ersten Steuererklärung erfolgen.

Sofern ein Kaufpreis bezahlt wird, der höher ist als das übernommene Stammkapital, kann dieser Betrag nicht abgeschrieben werden. Er wirkt sich erst beim Verkauf der Gesellschaft wieder aus. D. h. die steuerliche Berücksichtigung ist in die Zukunft verschoben.

Sofern die Kapitalgesellschaft keine Gewinne erzielt oder sogar Verluste macht, müssen die Gesellschafter die Geschäftsführervergütung dennoch der Einkommensteuer unterwerfen. Die Verluste können die Gesellschafter bei der Einkommensteuer nicht geltend machen. Es kommt zum sogenannten lock-in-Effekt.

Die Gestaltungsempfehlung

Generell gilt, dass Personengesellschaften in ertragsschwachen Jahren die günstigere Rechtsform darstellen und Kapitalgesellschaften in ertragsstarken Zeiten.

Soweit die Planung aufzeigt, dass in den Jahren nach der Übernahme der Gesellschaft - nach Berücksichtigung der Refinanzierungszinsen und der Abschreibung - keine hohen Gewinne ausgeschüttet werden können, ist die Personengesellschaft die steuergünstigere Rechtsform. Die Rechtsform kann zur Kapitalgesellschaft nach Durchlaufen dieser „Investitionsphase" bei hoher Gewinnerwartung umgewandelt werden.

Ist die Zielgesellschaft eine Kapitalgesellschaft, könnte mit dem Veräußerer eventuell die Umwandlung vor dem Verkauf verhandelt werden, sogenanntes Umwandlungsmodell. Wenn eine solche Umwandlung nicht möglich sein sollte, kann der Erwerb einer Kapitalgesellschaftsbeteiligung wie folgt optimiert werden: Es wird eine Holding-Kapitalgesellschaft gegründet, die die Zielkapitalgesellschaft kauft. Mit der Zielkapitalgesellschaft wird ein Ergebnisabführungsvertrag geschlossen. Damit werden die Refinanzierungszinsen der Holding mit den Gewinnen der Zielkapitalgesellschaft steuerlich saldiert. Sofern in der Übergangsphase kein Gewinn erzielt wird, kann auf ein Geschäftsführergehalt zunächst verzichtet werden und der Lebensunterhalt des Geschäftsführers durch ein Darlehen der GmbH an ihn finanziert werden. Das Darlehen wird dann in Zukunft durch Gewinnausschüttungen wider zurückbezahlt.

Entscheidend ist also die Prognose der Gewinnerwartungen der Gesellschaft. Ohne eine fundierte Planung kann weder die optimale Rechtsform, noch die optimale Gesellschaftsfinanzierung beraten werden.

Cornelius Nickert
Rechtsanwalt, Steuerberater
Fachanwalt für Steuer- und Insolvenzrecht

CVA Certified Valuation Analyst (IACVA)

Katarina Zapf

Dipl. Betriebswirtin (BA)

 

HINWEIS

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