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Montag, 20 Juni 2016 12:55

Der Zeitraum der handelsrechtlichen Fortführungsprognose

Unter „Beratung für Berater“ finden Sie unser Beratungsangebot speziell für Steuerberater.

Steuerberater sind regelmäßig damit betraut, für ihre Mandanten handelsrechtliche Jahresabschlüsse zu erstellen. Bei der Bilanzierung des Krisenmandanten entstehen Haftungsgefahren für den Steuerberater.

Eine weitere nicht unerhebliche Haftungsgefahr besteht bei der routinemäßigen Übernahme der Fortführungsprämisse. Auch bei einfachem Erstellungsauftrag darf der Steuerberater nicht an erkannten oder offenkundigen Fehlbewertungen teilnehmen, Verlautbarung der Bundessteuerberaterkammer zu den Grundsätzen für die Erstellung von Jahresabschlüssen - 3.1.1 Berufsrechtliches Handbuch - Berufsfachlicher Teil Tz.- 29, 30. Soweit der Steuerberater beauftragt ist, den Jahresabschluss zu plausibilisieren, muss er durch Befragungen und analytische Beurteilungen die Plausibilität der Fortführungsannahme beurteilen, um mit einer gewissen Sicherheit auszuschließen, dass diese nicht ordnungsgemäß ist.

In der Krise wird eine unkritische Übernahme der Fortführungsprämisse Risiken für den Steuerberater bedeuten. Bei gewissen Krisenanzeichen muss der Steuerberater auf eine sogenannte explizite Fortführungsprognose bestehen, Hinweise zur Verlautbarung der Bundessteuerberaterkammer zu den Grundsätzen für die Erstellung von Jahresabschlüssen in Bezug auf Gegebenheiten, die der Annahme der Unternehmensfortführung entgegenstehen - 3.2.1 Berufsrechtliches Handbuch - Berufsfachlicher Teil 3.1.1.

„Dabei kann die Geschäftsführung von der Unternehmensfortführung grundsätzlich ausgehen, wenn in der Vergangenheit nachhaltig Gewinne erzielt worden waren, leicht auf finanzielle Mittel zurückgegriffen werden kann und keine bilanzielle Überschuldung droht.

Liegen diese Voraussetzungen nicht vor und verfügt das Unternehmen nicht über ausreichend stille Reserven, hat die Geschäftsführung eingehende Untersuchungen anhand qualifizierter Planungsunterlagen, insbesondere anhand einer integrierten Ertrags- und Finanzplanung, durchzuführen, ob weiterhin (mindestens 12 Monate) von einer Unternehmensfortführung auszugehen ist.“

Der Prognosezeitraum soll regelmäßig nur dann bis zum nächsten Bilanzstichtag, wenn nicht ein späterer Zusammenbruch verlässlich absehbar ist. Dies soll insbesondere dann zu prüfen sein, wenn im Prognosezeitraum ein pflichtiger Insolvenzgrund entstehen wird.

„Liegen Anhaltspunkte vor, sich mit einem Insolvenzgrund auseinandersetzen zu müssen, sind die gesetzlichen Vertreter aufgrund des Insolvenzrechts verpflichtet, den Nachweis zu erbringen, dass kurzfristig keine Zahlungsunfähigkeit besteht, und bei juristischen Personen eine insolvenzrechtliche Fortbestehensprognose zu erstellen (siehe Abschn. 4.). Der Prognosezeitraum, der dabei zugrunde zu legen ist, reicht weiter; er erstreckt sich grundsätzlich auf das laufende und das nächste Geschäftsjahr (vgl. Abschn. 4.2.4.).17 Daraus kann sich das Erfordernis ergeben, diesen verlängerten Prognosezeitraum auch für die handelsrechtliche Fortführungsprognose anzuwenden.“(IDW Positionspapier vom 13.8.2012 IDW-FN 2012, 463 Tz. 17.

Aus diesem Grund muss bei einer Fortführungsprognose eines Krisenmandats nach Meinung des IDW jedenfalls dann der Prognosezeitraum auf 3 Jahre verlängert werden, wenn das Unternehmen in einer haftungsbeschränkten Rechtsform betrieben wird.

Anmerkung: Wir sind der Meinung, dass der Zeitraum der insolvenzrechtlichen Prognose auf mind. 3 eher 5 Jahre auszudehnen ist. Dann würde sich (in konsequenter Auslegung des IDW) der handelsrechtliche Prognosehorizont auf 4- 6 Jahre erweitern.

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema:

Die Fortführungsprognose nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB

Belehrungspflicht zu Insolvenzgründen bei Erstellung der Handelsbilanz und/oder BWA

Verkürzte Frist zur Jahresabschlussaufstellung bei Krisen-Unternehmen

“Current Update Insolvenzrecht für Steuerberater“ 

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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