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Freitag, 15 April 2016 00:00

Die Fortführungsprognose nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB

Unter „Beratung für Berater“ finden Sie unser Beratungsangebot speziell für Steuerberater.

Nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB ist von der Fortführung des bilanzierenden Unternehmens auszugehen, wenn nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen. D. h., die Annahme der Fortführung ist die Regel, die Bilanzierung unter der Annahme der Zerschlagung die Ausnahme.

Wie aber ist in der Praxis zu verfahren? Eine gute Hilfestellung ist der Standard des IDW in PS 270 und dessen Ergänzungen im Positionspapier vom 12.8.2012.

Implizite Fortführungsprognose

Von einer (positiven) impliziten Fortführungsprognose kann ausgegangen werden, wenn

  • das Unternehmen in der Vergangenheit nachhaltige Gewinne erzielt hat
  • das Unternehmen leicht auf finanzielle Mittel zugreifen kann und
  • dem Unternehmen keine bilanzielle Überschuldung droht.

Im Fall der Bilanzierung hat der Mandant diese Einschätzung zu treffen. Da der Steuerberater nicht an erkennbar fehlerhaften Bewertungen teilnehmen darf, muss er bei kritischen Fällen zumindest kritisch beim Mandanten nachfragen und sich das Fortführungskonzept erklären lassen.

Eine Heuristik kann in der Note des Finanzratings gesehen werden. M. E. kann der Steuerberater in der Regel noch von der Fortführung ausgehen, wenn die Ratingnote nach der IFD Skala noch 5 oder besser aufzeigt, vgl. Kühne/Nickert ZInsO 2014, 2297 zu dieser Daumenregel bei der insolvenzrechtlichen Beurteilung.

Soweit der Steuerberater einen Plausibilisierungsauftrag hat, muss der die Annahme der Fortführung durch analytische Prüfungshandlungen und Befragungen überprüfen.

Soweit die obigen Regeln nicht zum positiven Ergebnis kommen, ist noch nicht von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen. Es ist vielmehr eine sog. explizite Fortführungsprognose anzustellen.

Explizite Fortführungsprognose

Im Rahmen der expliziten Fortführungsprognose ist zu ermitteln, ob tatsächliche und/oder rechtliche Gegebenheiten gegen die Fortführung sprechen. Diese sind hinreichend konkret zu ermitteln. Sodann ist zu überprüfen, ob durch geeignete Maßnahmen des Unternehmenskonzepts diese Hindernisse überwunden werden können.

In dieser Frage steht regelmäßig auch die insolvenzrechtliche Fortbestehensprognose zur Disposition. Eine gutachterliche Stellungnahme bzw. ein Sanierungsgutachten kann für die handelsrechtliche Beurteilung sehr wertvoll sein.

Der Steuerberater, der in dieser Situation die Handelsbilanz erstellt, hat eine Warn- und Hinweispflicht bezüglich der insolvenzrechtlichen Selbstprüfung.

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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